Erstes Rendez-vous ging schief – sie zeigte ihn an

Thun

Hat er? Hat er nicht? Wegen sexueller Nötigung stand gestern ein 46-Jähriger vor Gericht.

Das Urteil wird am Donnerstagnachmittag vom Regionalgericht bekannt gegeben.

Das Urteil wird am Donnerstagnachmittag vom Regionalgericht bekannt gegeben.

(Bild: Google Maps)

Am Mittwoch standen sich vor dem Regionalgericht Oberland in Thun ein Mann und eine Frau gegenüber, die sich über eine Dating-Plattform kennen gelernt hatten. Beim ersten persönlichen Treffen kam es laut der Frau zu Küssen und Berührungen, die sie eigentlich nicht wollte. Für ihn war es ein harmonischer Abend.

Gegessen und viel getrunken

Begonnen hatte der Abend in gutem Einvernehmen. Man traf sich in der Wohnung der Frau in der Region Spiez und ging anschliessend zum Nachtessen in ein Restaurant. Dort floss zum Essen reichlich Alkohol, es wurde viel geredet, gelacht, und sie verstanden sich offenbar gut, wie eine Kellnerin des Restaurants als Zeugin aussagte. Vor Mitternacht verliessen die beiden das Lokal. Es war eine schöne Novembernacht 2016. Sie fühlten sich glücklich, und es kam spontan zum ersten Kuss. Dieser ist nach den Aussagen der beiden einvernehmlich erfolgt. Was später passierte, erzählen die beiden völlig unterschiedlich. Auch wenn der Ablauf der Ereignisse gleich geschildert wird, war die Wahrnehmung doch eine ganz andere.

Schlecht gefühlt

Sie erzählt, dass sie zweimal erbrechen musste, einmal bereits im Restaurant, ein zweites Mal auf dem Weg vom Restaurant zu ihrem Haus. Davon hat er nichts gemerkt, nur dass sie zweimal gestürzt ist und beim zweiten Mal im Schnee liegen blieb und gesagt habe, sie wolle den Mondschein geniessen. Bei seinem Wagen angekommen, rauchte er, und hier kam es auch zum zweiten Kuss, den sie aber abzuwehren versuchte. Dies gelang ihr nicht, er habe sie an den Haaren zu sich hingezogen, um sie zu küssen, was ihr wehtat.

Davon weiss er nichts mehr. Er soll sie mehrfach an den Haaren gezogen und auch gewürgt haben, um seinen Willen durchzusetzen. «Habe ich nicht», sagt der Mann. Weil beide viel Alkohol getrunken hatten, entschied sie, er dürfe bei ihr im Gästezimmer übernachten. Schliesslich legten sich beide ins Gästebett, wo er sie an den Brüsten berührte, was sie abzuwehren versuchte. So stand, wie oft in solchen Fällen, Aussage gegen Aussage. Während die Anwältin der Frau eine hohe, bedingte Geldstrafe forderte, betonte der Verteidiger, dass man den Mann freisprechen müsse.

Sich steigernde Aussagen

Seine Begründung liegt im Aussageverhalten der Frau. Die Frau habe viermal ausgesagt, zweimal bei der Polizei, einmal bei der Staatsanwältin und nun am Mittwoch, und jedes Mal habe sie ihre Aussagen verstärkt. Zuerst habe sie gesagt, er habe sie auch am Hals gehalten, heute sage sie: «Er hat mich die ganze Zeit am Hals gehalten und mal mehr, mal weniger zugedrückt.»

Der Prozess dauerte länger als von der Gerichtspräsidentin geplant, weshalb die Beratung des Falles auf den Donnerstag verschoben wurde. Das Urteil wird am Donnerstag Nachmittag bekannt gegeben.

Thuner Tagblatt

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