«Satire darf alles!»

Thun

An einem Wirtschaftsanlass von Gymnasium und Wirtschaftsmittelschule (WMS) Thun referierte Viktor Giacobbo. Der Satiriker sprach über die Herausforderungen, denen sich ein Geschäftsführer stellen muss.

Sie diskutierten am Wirtschaftsanlass von Gymnasium und WMS Thun: (v.l.) Alexander Stämpfli (Wirtschaftslehrer), Gian-Luca Hurni (CEO Fruitgetable Bag), Viktor Giacobbo, Joy Müller (CEO una-bag) und Debora Schor (CEO SOT Syruptime).

Sie diskutierten am Wirtschaftsanlass von Gymnasium und WMS Thun: (v.l.) Alexander Stämpfli (Wirtschaftslehrer), Gian-Luca Hurni (CEO Fruitgetable Bag), Viktor Giacobbo, Joy Müller (CEO una-bag) und Debora Schor (CEO SOT Syruptime).

(Bild: Irina Eftimie)

Viktor Giacobbo ist Komiker, ­Satiremacher, Moderator, Autor, Regisseur, Produzent, Imitator, Talker, Schauspieler, Verwaltungsratspräsident und Sammler von Berufsbezeichnungen. «Meine Lieblingsbeschreibung kommt aber von Gabriel Vetter: Der sagte nämlich, ich sei die Puffmutter des Schweizer Humors», sagte Giacobbo.

Mit seinen extrem zahlreichen Berufsbezeichnungen und seiner grossen Erfahrung war der Schweizer Satiriker somit die perfekte Besetzung als Referent des diesjährigen Wirtschaftsanlasses des Gymnasiums und der Wirtschaftsmittelschule Thun. Nach einem von Wirtschaftslehrer Alexander Stämpfli moderierten Teil zum Thema «Unternehmertum im Kulturbereich» durften drei CEOs von ­Miniunternehmen, die im Rahmen von Young Enterprise Switzerland gegründet wurden, Fragen stellen und Erfahrungen austauschen.

Berufsbezeichnung Milliardär?

Als Verwaltungsratspräsident der Casino-Theater AG in Winterthur weiss Viktor Giacobbo, was es heisst, ein Unternehmer zu sein. «Wir sind das grösste unsubventionierte Theater der Schweiz. Wir machen auch Gewinne, können uns selbst aber natürlich nicht so opulente Auszahlungen leisten wie zum Beispiel die ­Credit Suisse. Das Geld wird von uns in Nachwuchskünstler investiert.»

Das Führen eines Unternehmens habe er als Komiker schon früh gelernt. «Alle Einzelkomiker mit eigenem Programm sind eigentlich kleine Unternehmen. Da es keine Subventionen gibt, müssen Komiker zu Geschäftsleuten werden, weil sie sonst nicht davon leben können», sagte er.

Auf die Frage von Gian-Luca Hurni, CEO des Miniunternehmens Fruitgetable Bag, welche Berufsbezeichnung denn jetzt noch fehle, antwortete Viktor Giacobbo: «Milliardär, vielleicht. Oder amerikanischer Präsident.» Schweizer Politiker wolle er aber nicht werden, da ihm das viele Lesen und der enorme Zeitaufwand zu viel wären. «Ich wäre eine völlige Fehlbesetzung, und abgesehen davon bin ich viel zu faul!»

«Satire darf alles», lautete Viktor Giacobbos Antwort auf die Frage, ob im Fall des deutschen TV-Moderators Jan Böhmermann und seines Schmähgedichts über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan die Satire zu weit gegangen sei. Man müsse sich als Satiriker bewusst sein, welche Konsequenzen seine Worte haben könnten, und dann damit leben.

«Satire muss auch immer unterhaltend sein. Die Geschmäcker gehen halt unheimlich weit auseinander, und nicht jeder findet das Gleiche lustig. Satire kann aber auch Knörze in Diskussionen lösen und einen anderen Standpunkt aufzeigen.» Im Verlauf seiner Karriere hat Viktor Giacobbo einige böse Briefe als Reaktion auf seine satirischen Kommentare erhalten. «Die Besten kann man auf meiner Website nachlesen», sagte der Kabarettist, den solche Klagen und Beschwerden nicht einschüchtern.

Comeback mit Mike Müller

An den Ruhestand denke er auch noch nicht: «Ich werde wahrscheinlich noch lange so weitermachen. Ausser ich bin schon ganz gaga, und alle in meinem Umfeld müssen so tun, als würden sie mich beschäftigen.» Nach dem Abschied von der Sendung «Giacobbo/Müller» wird das Duo im Jahr 2018 mit dem Programm «Giacobbo/Müller on Therapy Tour» ein Comeback geben – als «Verarbeitungstherapie für den Verlust der Sendung».

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt