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Wie ein Thuner Notar die Welt rettet

ThunDer Thuner Notar Thomas Winkler ist weltbekannt – in der Powermetal-Szene. Unscheinbar hier, markiert er dort als Sänger martialischen Prinz Angus McFife. Am Freitag erscheint das zweite Album von Gloryhammer – 19 weitere sollen folgen.

Die Pose sitzt – auch wenn er nicht in seinem Bühnenoutfit posiert: Der Thuner Notar Thomas Winkler ist Frontmann der britisch-schweizerischen Metal-Band Gloryhammer.

Die Pose sitzt – auch wenn er nicht in seinem Bühnenoutfit posiert: Der Thuner Notar Thomas Winkler ist Frontmann der britisch-schweizerischen Metal-Band Gloryhammer. Bild: Marco Zysset

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Als 6-Jähriger entdeckte er die Heavy-Metal-Ikonen Iron Maiden und fing an, erste Kassetten zu bespielen, mit 14 begann er seinen ersten Fantasyroman, den er mit 18 veröffentlichte, und seit 2011 ist der 29-jährige Thuner Thomas Winkler Sänger der britisch-schweizerischen Powermetal-Band Gloryhammer. Wobei der Begriff «Sänger» eine masslose Untertreibung ist für das, was er auf der Bühne tut.

«Ich bin nach einem Konzert kaputter als nach einer Stunde im Fitnesszentrum», sagt Winkler. Was kein Wunder ist: Die Band Gloryhammer hat sich in ihrer relativ kurzen Bandgeschichte in der Powermetal-Szene rund um den Globus einen Namen als «Metal-Pantomimen» gemacht, die auf der Bühne nicht einfach Songs spielen, sondern ihre Geschichten als echtes Schauspiel inszenieren.

Während Sänger Winkler den schottischen Prinzen Angus McFife mimt, inszenieren sich seine Mitmusiker als Barbar Hootsman (James Cartwright, Bass), Ritter Ser Proletius (Paul Templing, Gitarre), mysteriöser Landstreicher Relathor (Ben Turk, Schlagzeug) und böser Zauberer Wizard Zargothrax (Bandgründer Christopher Bowes, Keyboard).

Die Vision: 21 Alben

«Jedes unserer Alben erzählt eine eigene Geschichte», sagt Winkler. So war das 2013er-Debütalbum «Tales from the Kingdom of Fife» im Jahr 992 nach Christi Geburt im tiefen Mittelalter angesiedelt. «Space 1992: Rise of the Chaos Wizards» knüpft genau 1000 Jahre später an. «Nach dem Weltuntergang im Mittelalter wurde der Zauberer Zargothrax in flüssigem Eis eingefroren – um 1000 Jahre später von anderen Zauberern im tiefen Weltall wieder zum Leben erweckt zu werden», fasst er die Geschichte der beiden Alben zusammen – und sagt: «Unser Ziel ist, 21 Alben aufzunehmen. Zumindest ist unser ganzes Epos, an dem wir arbeiten, so angelegt.» Es sind offensichtlich die weltberühmten Sagen wie «Lord of the Rings» oder «Star Wars», die Pate stehen im Kreativprozess von Gloryhammer.

Thomas Winkler gesteht allerdings ein, dass sich ihre grosse Geschichte in drei Zyklen à 7 Alben aufteilen lasse – im Wissen darum, dass es wohl 40 irdische Jahre dauern dürfte, um alle angedachten Alben herauszubringen. «Das sind Ewigkeiten in der Musikbranche», weiss Winkler.

Satire auf die Szene

Wer jetzt glaubt, die Band um den Thuner, der im Bälliz eine Notariatskanzlei betreibt, sei von allen guten Geistern der Vernunft verlassen, der sei an dieser Stelle beruhigt. «Viele Exponenten der Powermetal-Szene nehmen die ganzen Geschichten ums Mittelalter mit Drachen und Rittern wirklich ernst», sagt Winkler. «Wir sehen unsere Musik und unser Auftreten eher als Satire auf diese Szene.» Doch gerade weil Gloryhammer in ihrer Inszenierung viel weiter gehen als andere sorgen sie unter den Fans der melodiösen und bombastisch angerichteten Metal-Musik für grosses Aufsehen.

Erfolg rund um den Globus

Allein ihr erster Clip «Angus McFife» wurde auf Youtube mehr als 2,3 Millionen Mal angesehen; ihre erste Tour führte die Band für 12 Konzerte durch Australien. Es folgten Auftritte auf der grössten Metal-Kreuzfahrt der Welt in den USA, in ganz Kontinentaleuropa und Grossbritannien. Und am 5.Oktober geht es zusammen mit den Szene-Übervätern Stratovarius auf eine 31 Konzerte umfassende Konzerttournee durch ganz Europa – inklusive einem Halt am 30.Oktober im Kultkonzertlokal Z7 in Pratteln.

Schreiben als Verbindung

Dass Thomas Winkler in einem Teil seines Lebens den martialischen Prinzen einer Metal-Band mimt, während er im Alltag als Notar und Vater eines Sohnes in keiner Menschenmenge auffallen würde, scheine ihm selber manchmal seltsam, sagt er mit einem Lächeln. «Mich faszinieren beide Welten – und mit dem Schreiben haben beide Welten etwas gemeinsam.» Sind es hier vergleichsweise trockene Dokumente, die Winker abfasst, kann er dort seiner Fantasie freien Lauf lassen. «Der Beruf des Notars ist ein idealer Ausgleich zum Dasein als Metal-Sänger – und umgekehrt.»

Es verwundert denn auch nicht, dass es eine Mischung aus eisernem Willen und Zufall war, welche den Mann, der in Zollikofen aufgewachsen ist, an die Front einer Band aus Grossbritannien brachte. «Ich bewarb mich mit einem Youtube-Video als Sänger einer anderen Band – war aber zu spät», erinnert sich Winkler. Weil solche Videos aber die Runde machen, erhielt er bald darauf eine Anfrage von Christopher Bowes, ob er Sänger seines neuen Projektes werden wolle. Nach anfänglicher Skepsis liess sich Winkler dann breitschlagen – und wurde so zum schottischen Prinzen, der durch Zeit und Raum reist, um die Welt zu retten und zu erobern. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 24.09.2015, 17:49 Uhr

Rise Of The Chaos Wizards

Quelle: Youtube

Bunt, bombastisch und beliebt: Die Metal-Band Gloryhammer mit dem Sänger Thomas Winkler im grünen Panzerkostüm. (Bild: zvg)

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