Wo Bier statt Löschwasser fliesst ...

Thun

Herzstück der IG Füürrot ist ein ausrangiertes Feuerwehrfahrzeug: Dieses haben die Vorstandsmitglieder um Hans Pinezich vor Jahren in ein Partyfahrzeug umgebaut, das sich für Anlässe aller Art mieten lässt.

Die Füürrot-Crew und ihr ganzer Stolz: (unten von links) Thomas Scherler, Walter Brunner und Hans Pinezich sowie (oben von links) Rolf Schweizer, Rolf Reisinger, Matthias Nyffeler und Adrian Glauser mit ihrem Partyfahrzeug. Auf dem Bild fehlt aus beruflichen Gründen Kassier Jürg Beyeler.

Die Füürrot-Crew und ihr ganzer Stolz: (unten von links) Thomas Scherler, Walter Brunner und Hans Pinezich sowie (oben von links) Rolf Schweizer, Rolf Reisinger, Matthias Nyffeler und Adrian Glauser mit ihrem Partyfahrzeug. Auf dem Bild fehlt aus beruflichen Gründen Kassier Jürg Beyeler.

(Bild: Patric Spahni)

Im August 2003 wars, als die Wälder oberhalb von Leuk lichterloh brannten. Die ansässigen Feuerwehren stiessen schnell einmal an ihre Grenzen und baten andere Kantone um Unterstützung. So eilten den Wallisern schliesslich auch Thuner Feuerwehrleute mit Fahrzeugen und Material zu Hilfe.

Der heute 58-jährige Hans Pinezich erinnert sich noch sehr gut an seinen Einsatz in Guttet-Feschel mitten im Waldbrandgebiet: «Kaum waren wir an jenem Freitag vor Ort, waren wir auch schon im Geschehen drin», erzählt er. «Wir kämpften Schulter an Schulter mit den Walliser Kollegen gegen das Flammeninferno, wohnten unter ihren Dächern und feierten gemeinsam, als das Gröbste überstanden war. In diesen Tagen entwickelte sich eine tiefe Freundschaft.»

So kam es, dass die Thuner zur Weihe eines neuen Feuerwehrfahrzeuges im Dezember des gleichen Jahres nach Guttet-Feschel eingeladen waren, wo schliesslich auch die Vereinsidee geboren wurde: «Das Fahrzeug, das ausrangiert wurde, gefiel uns derart gut, dass wir noch vor Ort auf die Idee kamen, dieses zu übernehmen und umzufunktionieren», erzählt Pinezich.

Gesagt, getan: Einige Telefonanrufe später war der Handel perfekt. Die Walliser gaben den Thunern den Vorzug, obwohl sie das Fahrzeug bereits anderweitig versprochen hatten, und die Oberländer fuhren kurze Zeit später mit dem International-Oldtimer aus dem Jahr 1971 durch den Lötschberg Richtung neue Heimat.

Viel Herzblut für Füürrot

Hier waren dann vor allem Umbauarbeiten angesagt. Von Beginn an war nämlich allen klar, dass aus dem Feuerwehrauto ein Partyfahrzeug mit Bierausschank werden sollte. So hatte man es schliesslich auch den Kollegen aus dem Wallis versprochen, die aber «nicht wirklich daran glaubten», dass sich die Bieridee verwirklichen lasse.

«Erst einmal mussten wir das Fahrzeug gewichtsmässig reduzieren, damit wir es überhaupt mit einem normalen Führerausweis fahren konnten», erzählt Hans Pinezich, der hauptberuflich als Schulhausabwart tätig ist. Dann ging es an den eigentlichen Innenausbau: So installierten die Feuerwehrleute ein Konstrukt, welches Bier zu einem Kühler und schliesslich zu einem Originalhydranten mit einem Zapfhahn pumpt. Eine Besonderheit ist auch die Feuerwehrleiter auf dem Dach, welche sich durch ein paar Handgriffe zu einer beleuchteten Bar umfunktionieren lässt.

Dabei achteten die Feuerwehrleute auch auf kleinste Details: So ist der Schriftzug des Vereins, welcher eigentlich eine Interessengemeinschaft ist und am 14. Mai 2004 aus der Taufe gehoben wurde, überall auf dem Fahrzeug angebracht: «Füürrot» steht dabei nicht nur für die Farbe der Feuerwehr, sondern vor allem auch für das Herzblut der Männer dahinter.

Die Bieridee wurde Tatsache

Und was niemand für möglich gehalten hatte, wurde schliesslich Tatsache: «Im August, am ersten Jahrestreffen nach dem Brand, fuhren wir mit unserem Partyfahrzeug bei eingeschaltetem Blaulicht und Horn durch Guttet-Feschel und servierten vor dem Feuerwehrmagazin gekühltes Bier», erzählt Pinezich, welcher dem Verein seit dessen Anfängen als Präsident vorsteht.

Dieser Anlass sei gleichzeitig der Beginn eines regen Austausches gewesen: «Von da an fuhren wir jedes Jahr ins Wallis, und die Walliser besuchten uns.» Es versteht sich von selbst, dass viele Walliser in der Folge auch Mitglied von Füürrot wurden.

Die Thuner und die Walliser beschenkten sich aber auch gegenseitig: «Wir haben beispielsweise eine Sitzbank anfertigen lassen und diese dann in der Gemeinde installiert», erzählt Hans Pinezich. «Oder ein anderes Mal liessen wir einen Wegweiser mit der Aufschrift ‹Thuner Kurve› an der Stelle einbetonieren, wo wir während des Waldbrands stationiert waren.» Schliesslich hätten die Walliser die Kurve auch nur noch sogenannt...

Aber das Partyfahrzeug war nicht nur für den Eigenbedarf gedacht und kam in den vergangenen Jahren auch an Geburtstagen, Hochzeiten oder Firmenanlässen mit bis zu 120 Leuten zum Einsatz. «Anfänglich waren es zwischen 30 und 35 Anlässe pro Jahr, für welche wir aufgeboten wurden und an denen wir bis zu 200 Liter Bier ausgeschenkt haben», sagt Hans Pinezich. «Doch heute sind es nur noch 10 bis 15.»

Vorstand mit Klatschanimator

Wichtig sind dem Verein auch seine Mitglieder. 45 sind es derzeit: «Einmal im Jahr laden wir unsere Fans und ihre Angehörigen an einen schönen Ort zu Speis und Trank ein», erklärt der Vater dreier erwachsener Töchter, der mittlerweile auch zweifacher Grossvater ist. Und Hans Pinezich betont gleichzeitig den guten Zusammenhalt im Verein: «Der siebenköpfige Vorstand trifft sich jede Woche einmal im Füürrot-Stübli, welches ich an der Eisenbahnstrasse eingerichtet habe.»

Dass es im Vorstand sogar einen «Klatschanimator» gibt, der die Hauptversammlung und die Vorstandssitzungen mit speziellen Klatschkommandos startet, zeigt auf, dass dieser Verein trotz der dramatischen Hintergründe alles andere als eine bierernste Angelegenheit ist...

Weitere Informationen über die Interessengemeinschaft Füürrot, ihre Aktivitäten samt Fotogalerie und die Bedingungen für eine Miete des Partyfahrzeugs finden sich auf der Website www.feuerrot.ch.

Thuner Tagblatt

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