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Ängste überwinden und Freiräume schaffen

Die beiden Künstlerinnen Tabea Reusser und Claudia Kühne starten das Projekt «RaumFrei» und wollen damit Grenzen überschreiten.

Claudia Kühne (links) und Tabea Reusser: In ihren Workshops sollen Grenzen überwunden werden. Foto: Irina Eftimie
Claudia Kühne (links) und Tabea Reusser: In ihren Workshops sollen Grenzen überwunden werden. Foto: Irina Eftimie

«Kleine Kinder werten nicht und haben ein grosses Vertrauen in sich selbst», sagt die Thuner Fotografin Tabea Reusser. «Das ist ein wertvolles Gut, das uns schon von Geburt an mitgegeben wird. Leider geht das teils mit der Zeit verloren. Wir haben das Ziel, dieses Urvertrauen wieder freizulegen.»

Gemeinsam mit der Musikerin Claudia Kühne vom Verein RaUmWege startet sie nun das Projekt «RaumFrei» in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Thun, Mokka Thun, ProjekteNetzWerk Thun «und» dem Generationentandem und dem Dürrenast Leist Thun. Einmal pro Monat können ab Sonntag, 20. Oktober, künstlerische Workshops besucht werden, die die eigene Kreativität frei zum Vorschein bringen sollen.

Kein Zufall

«Unsere Wege haben sich eigentlich wegen eines Velos gekreuzt. Diese Begegnung hat mir dann viele Türen geöffnet und mir die Gelegenheit gegeben, mich mit den verschiedensten Menschen auszutauschen», sagt Claudia Kühne. Die Musikerin und ihre Familie wohnen erst seit zwei Jahren in Thun. Auf ihrer Suche nach einem E-Bike traf Claudia Kühne auf Tabea Reusser.

«Das war kein Zufall, sondern wir sind uns gegenseitig zugefallen», sagt Tabea Reusser. Die Arbeit an diesem Projekt habe aber auch sehr viel Durchhaltewillen gebraucht, so Claudia Kühne. Denn mit knapp zwei Jahren Vorbereitungszeit und jeweils drei Kindern war die Organisation von «RaumFrei» keine einfache Sache.

«Wir sind beide auch noch selbst künstlerisch mehrspurig unterwegs. Wir mussten dafür einige Nachtschichten einlegen. Ich spüre aber immer wieder: Durch das Projekt treffe ich die besten Menschen von Thun. Für uns alle ist das ein Herzensprojekt», strahlt Kühne.

Grenzen überschreiten

Mit dem Projekt «RaumFrei» sollen nun Menschen aus Thun und Umgebung während zehn Workshops die Möglichkeit erhalten, sich nicht nur künstlerisch, sondern auch selbst neu zu entdecken und über Generationen und Kulturen hinweg auszutauschen.

«Wir sind zum einen auf der Suche nach einem Austausch zwischen den Kunstschaffenden und den Teilnehmerinnen und -teilnehmern, zum anderen soll aber auch die individuelle Herangehensweise jedes Einzelnen zum Tragen kommen», erklärt Reusser. «Obwohl es viele Angebote gibt, sind auch künstlerische Kurse sehr von ihren eigenen Grenzen bestimmt. Natürlich mussten auch wir einige Grundregeln aufstellen, aber in unseren Workshops soll so frei gearbeitet werden, wie es nur geht.» Bewertungen und Erwartungen sollen damit möglichst in den Hintergrund treten und die Freude an Improvisation geweckt werden.

Egal, ob gut oder schlecht

Diese Einstellung selbst anzuwenden, ist aber auch für die beiden Initiantinnen nicht immer einfach. Als Tabea Reusser bei der Lesung eines ihrer Bilderbücher von Claudia Kühne zum Singen aufgefordert wurde, war ihre erste Reaktion «Nein, ich kann doch jetzt nicht singen!».

«Ich habe eigentlich das Gefühl, ich bin schon ziemlich frei. Ich musste aber merken, dass ich mich selbst eingrenze, da ich singen könnte und es eigentlich egal ist, wie gut ich es mache», sagt Tabea Reusser. «Ich lebe nämlich nach der Devise, dass die Welt um einiges besser wäre, wenn sich jede und jeder selbst gernhätte und sich dadurch frei fühlen würde.»

Die Freude an der Überwindung hindernder Grenzen soll nun durch «RaumFrei» gefördert werden. «Es hat sehr viel mit der Angst zu tun, vor anderen wie auch vor sich selbst zu versagen. Mit dem Projekt kann spielerisch ausprobiert werden, sich frei künstlerisch auszudrücken», sagt Kühne.

«So kann das eigene Selbstvertrauen gestärkt werden und man merkt, dass Grenzen, die man sich im Alltag setzt, manchmal ganz weich sind.» Für ihre eigenen Workshops haben sich die beiden Frauen ebenfalls vorgenommen, möglichst viele Freiheiten zu schaffen: In Reussers WaldLabor kann das Sinnliche des Waldes frei wahrgenommen werden, und in Claudia Kühnes MusikTheaterLabor kann man sich mit verschiedenen Sinnen auf die Ausstellung von Sophie Calle einlassen. «So schaffen wir nicht nur Freiraum, sondern auch den Raum, frei zu denken», so Kühne.

Die Workshops von «RaumFrei» sind kostenlos und im Internet auf generationentandem.ch/raumfrei aufgelistet.

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