Angeklagter bestreitet sexuelle Absichten

Thun

Einem 33-jährigen Oberländer werden versuchte Vergewaltigung, Raub und Diebstahl zur Last gelegt.

Was passierte, als der Mann von seiner Pinkelpause zurückkam?<br><i>(Symbolbild/iStock)</i>

Was passierte, als der Mann von seiner Pinkelpause zurückkam?
(Symbolbild/iStock)

Dem 33-jährigen Schweizer aus der Region Thun werden versuchte Vergewaltigung, eventuell versuchte sexuelle Nötigung, Raub, Diebstahl und Sachbeschädigung zur Last gelegt. Am Dienstag hatte er sich vor dem Regionalgericht Oberland in Thun dafür zu verantworten. Am schwersten wiegt das Sexualdelikt.

In einer Juninacht des Jahres 2018 fuhr er mit seinem Motorfahrrad eine Bekannte auf dem Gepäckträger nach Hause. Unterwegs bog er auf einen Kiesweg ab, weil er urinieren musste. Bei seiner Rückkehr zum Mofa soll er mit offener Hose und heruntergelassener Unterhose von der jungen Frau verlangt haben, ihn oral zu befriedigen. Weil sie sich weigerte, soll der Beschuldigte sie angegriffen haben, worauf sie zu Boden stürzte.

Darauf versuchte er, ihr die Hose zu öffnen und ihr sein Glied in den Mund zu führen, was infolge von deren Gegenwehr misslang. Schliesslich konnte sie sich von ihm lösen und sich entfernen. Er verfolgte sie und versuchte unter weiterer Gewaltanwendung zum Ziel zu gelangen. Schliesslich konnte sie sich endgültig befreien. Durch den Einsatz von Gewalt erlitt das Opfer verschiedene Verletzungen. So weit die Vorwürfe in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

«Keine sexuellen Absichten»

Ganz anders schilderte der Beschuldigte den Sachverhalt bei der Befragung durch das unter dem Vorsitz von Gerichtspräsident Jürg Santschi tagende Kollegialgericht in Dreierbesetzung. «Ich hatte keine sexuellen Absichten», gab er zu Protokoll. Er behauptete im Gegenteil, die Frau habe ihn nach seiner Rückkehr vom Urinieren attackiert, warum, wisse er nicht.

Anders das Opfer, das als Privatklägerin auftrat. Eingeräumt hat sie die Mitfahrt auf dem Motorfahrrad. «Der Mann hat mich dann gepackt und zu Boden gerissen», bestätigte sie die Schilderung in der Anklageschrift. Sein Verhalten habe eindeutig gezeigt, dass er Sex haben wollte.

Kann sich nicht erinnern

Als weitere Straftaten enthält die Anklageschrift Raub und nicht weniger als 21 Entreissdiebstähle. Dabei ging der Mann immer nach dem gleichen Muster vor. In der Zeit von Juni 2015 bis November 2016 soll er zu nächtlicher Stunde mit seinem Motorfahrrad Frauen überholt und ihnen dabei die Handtasche entwendet oder es versucht haben. Die Deliktsumme beläuft sich auf gut 20'000 Franken.

Von diesen Delikten hat der Beschuldigte lediglich eines eingestanden. Die übrigen will er nicht begangen haben oder sich nicht mehr daran erinnern können. Die sechs von acht anwesenden Privatklägerinnen bestätigten die Entreissdiebstähle, konnten jedoch wegen der Nachtzeit nur unterschiedliche Angaben zum Signalement des Täters machen.

Staatsanwalt Matthias Wiedmer erachtete die Aussagen des Opfers für glaubwürdiger als jene des Beschuldigten. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon die Hälfte bei einer Probezeit von drei Jahren bedingt auszusprechen sei. Die amtliche Anwältin des Opfers hieb in die gleiche Kerbe. Sie beantragte Schuldsprüche in allen Anklagepunkten und forderte eine Genugtuungssumme von 8000 Franken.

In dubio pro reo

Demgegenüber erachtet die amtliche Verteidigerin die Vorwürfe, weil nicht beweisbar, als nicht haltbar. Im Sinne von in dubio pro reo (im Zweifel für den Angeklagten) beantragte sie Freisprüche und eine Entschädigung für den Beschuldigten. Das Urteil wird am Mittwoch eröffnet. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.

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