Auf dem langen Weg in die Schule

Homberg

In ländlichen Gegenden müssen Kinder oft weite Schulwege zurücklegen. Laut Erziehungsdirektion sollen diese bis zu eineinhalb Kilometern zumutbar sein. Die beiden Brüder Jan und Robin Kaderli bewältigen diese Strecke jeden Tag und tun dies mit viel kindlicher Freude. Gestern haben wir die beiden am ersten Schultag nach den Sommerferien begleitet.

Sie freuen sich auf den ersten Schultag: Robin und Jan Kaderli haben einen Schulweg, für den sie zu Fuss mindestens eine halbe Stunde brauchen.

Sie freuen sich auf den ersten Schultag: Robin und Jan Kaderli haben einen Schulweg, für den sie zu Fuss mindestens eine halbe Stunde brauchen.

(Bild: Irina Eftimie)

Es ist 7 Uhr, und Familie Kaderli ist schon seit einer halben Stunde wach und auf den Beinen. Der siebenjährige Jan packt noch einen speziellen Stein und seine Finken in den Rucksack. Sein kleiner Bruder Robin möchte einen Apfel mitnehmen, kann ihn aber wegen seiner wackelnden Milchzähne nicht essen. Nach einigem Hin und Her sind die beiden aber dazu bereit, loszulaufen.

Jan, der jetzt in der zweiten Klasse ist, und Robin, der mit dem zweiten Kindergartenjahr gestartet hat, wohnen in Homberg bei Thun, wo sie gemeinsam die Basisstufe besuchen. Sie haben einen Schulweg von rund eineinhalb Kilometern, für die sie jeden Tag eine halbe Stunde unterwegs sind.

«Wir machen uns eigentlich keine Sorgen um die beiden», sagt ihr Vater Stephan Kaderli. Als Jan, der älteste seiner vier Söhne, in den Kindergarten kam, habe ihn seine Mutter zusammen mit seinen drei kleinen Geschwistern bis zur Schule begleitet, dies sei aber schon lange nicht mehr nötig.

«Sie überqueren nur eine grosse Strasse und sind dann in einer grossen Kindergruppe unterwegs», sagt er. Eine kritische Stelle sei kurz vor der Schule, wo sich eine unübersichtliche Kurve befinde. «Diese Stelle ist aber mit Tafeln gekennzeichnet, und es gibt nicht viele Autos, die hier durchfahren», sagt der ehemalige Polizist.

Traktoren und Spinnen

Schon nach einigen Hundert Metern stösst ein Klassenkamerad mit dem gleichen Schulweg zu den beiden Brüdern. Der Schulfreund erzählt von neuen Traktoren und vom Mähen, Robin interessiert sich aber eher für Spinnen: «Ich liebe Spinnen, vor allem die schwarzen! Ich fange sie ein und trage sie herum. Ich mag aber auch Kreuzspinnen.» Rund zehn Minuten später ist die Gruppe bereits auf 13 Kinder gewachsen. «Das ist fast die halbe Basisstufe, die zusammen zur Schule läuft», sagt Stephan Kaderli.

Laufen ist ein Muss

«Weil der Weg so lang ist, haben wir Robin erst ein Jahr später in den Kindergarten geschickt, und wir werden es mit Micha, der gerade vier Jahre alt geworden ist, auch so machen», sagt Stephan Kaderli. Für die Eltern war klar, dass die beiden Kinder, die im Juni Geburtstag haben, mit vier Jahren noch zu jung dafür sind, die vielen Eindrücke aus der Schule und vom Schulweg verarbeiten zu können.

Genauso klar war für sie aber auch, dass sie ihre Kinder bei fast jeder Witterung laufen lassen wollen – solange die Sicherheit der Buben gewährleistet sei. «Es schadet den Kindern nicht, im Regen und im Nebel zur Schule zu laufen», findet Kaderli, der in Schwendibach aufgewachsen ist und zur selben Schule ging. «Wir dürfen gar nicht damit anfangen, sie zu fahren, weil das sonst einreisst und die Kleinen nicht alleine zu Hause bleiben können.»

Durch den langen Schulweg würden sich die Kinder auch an das Laufen in anderen Situationen gewöhnen. «Ich staune immer wieder, wie gut die Jungs bei Wanderungen mithalten können», sagt Kaderli. «Die Kinder machen sich auch nicht so viele Gedanken wie wir Erwachsenen. Sie sehen nicht den Hügel hoch und denken daran, wie weit sie noch laufen müssen, sondern laufen einfach.»

Thuner Tagblatt

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