Aufhebung der Bushaltestelle gibt zu reden

Thierachern

Weil gegen das Baubewilligungsverfahren mit Aufhebung der Bushaltestelle Thierachern Brügg zwei Einsprachen mit insgesamt 155 Unterschriften eingegangen waren, organisierte die Gemeinde einen Orientierungsabend.

Hier hält der Bus nicht mehr: Die Haltestelle Brügg wurde im Dezember 2018 aufgehoben und durch ein Provisorium beim Spielplatz Brüggarten ersetzt. Foto: Patric Spahni

Hier hält der Bus nicht mehr: Die Haltestelle Brügg wurde im Dezember 2018 aufgehoben und durch ein Provisorium beim Spielplatz Brüggarten ersetzt. Foto: Patric Spahni

«Wir werden euch nicht viel Neues unterbreiten, denn die Pläne sind bereits an der Gemeindeversammlung vom 11. Juni 2018 vorgestellt worden», begrüsste Gemeindepräsident Sven Heunert (SP) die knapp 50 Anwesenden zum Infoanlass in der Aula Schulanlage Kandermatte.

Bereits 2010 war mit der Planung zur Sanierung Brüggstrasse begonnen worden. Doch es gab verschiedene Verzögerungen, vor allem durch die Aufhebung der Postautolinie 57 und das Projekt GEP-Nachführung. Der Verpflichtungskredit für ein erstes Projekt wurde von der Gemeindeversammlung im Dezember 2016 angenommen.

Gegen das damalige Baugesuch hatte jedoch Procap wegen nicht behindertengerechten Trottoirkanten Einspruch erhoben. Das überarbeitete zweite Projekt wurde der Gemeindeversammlung im letzten Sommer vorgelegt. Der Verpflichtungskredit von 340'000 Franken wurde schliesslich angenommen .

Unverständliche Aufhebung

Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens gingen bei der Gemeinde Thierachern von Esther und Andreas Blatter sowie Alicia Koch zwei Einsprachen mit insgesamt 155 Unterschriften ein. Darin geht es um die Aufhebung der Bushaltestelle Brügg.

Unverständlich sei, dass eine einigermassen behindertentaugliche Bushaltestelle aufgehoben werde. Insbesondere weil die Haltestelle Unterer Schwand nicht behindertentauglich und unbeleuchtet sei, argumentierten die Einsprechenden.

«Ich habe eine invalide Frau und für sie ist die nächste Haltestelle nicht mehr zu Fuss erreichbar», erklärte Andreas Blatter. Alicia Koch hatte die Haltestelle vor der Haustür. Nun müsse sie zur Haltestelle Zollhaus, was für eine Frau, insbesondere nachts, nicht angenehm sei, sagte sie gegenüber dieser Zeitung.

Vom Gesetz vorgegeben

Der Gemeinderat befasste sich mit diesen Anliegen und organisierte in der Folge einen Infoabend. Bauverwalter Hans Peter Bigler erläuterte den Versammelten am Montagabend, dass vieles gesetzlich vorgegeben sei. «Die Bushaltestelle Brügg beizubehalten, ist wegen den Vorgaben im Behindertengleichstellungsgesetz nicht möglich.

Wir haben deshalb ein Provisorium beim Spielplatz Brüggarten erstellt, welches bereits von den STI-Bussen von Thun her angefahren wird», erklärte er. Dies werde nach Sanierung der Brüggstrasse auch der definitive Standort sein. Die Haltestelle Richtung Thun ist aufgehoben. Wer nach Thun fahren will, muss den Bus bei der Haltestelle Unterer Schwand benützen. Hier entfällt die Haltestelle Richtung Dorf.

Niemand müsse mehr als 200 Meter zusätzlich zurücklegen, um zu einer Bushaltestelle zu kommen, erklärte Bigler. «Wir können nicht alle Begehrlichkeiten berücksichtigen. Das wäre mit enormen Kosten verbunden. Es stellt sich auch immer die Frage der Verhältnismässigkeit», äusserte er sich.

Er versprach jedoch, sich um die Beleuchtung an der Haltestelle Unterer Schwand zu kümmern. Auch die Idee aus dem Plenum, bei der neuen Haltestelle Brügg einen Veloständer zu errichten, bezeichnete er als prüfenswert.

Ein komplexes Projekt

Mit den Problemen steht Thierachern nicht alleine da. Es sei ein komplexes Projekt, erklärte der Bauverwalter und fügte an, dass es vielerorts Anpassungen geben werde. So etwa würden Bushaltebuchten verschwinden, weil die Kantenerhöhung die An- und Wegfahrt für den Bus verunmögliche.

Im Moment bleibe nichts anderes übrig, als den Ausgang des laufenden Baubewilligungsverfahrens abzuwarten. Erst dann könnten weitere Entscheide getroffen werden.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt