Ausraster kommt den ehemaligen Flüchtling teuer zu stehen

Ein Iraker hat bei einem Streit seine Partnerin geschlagen, getreten und gewürgt. Deshalb muss er die Schweiz verlassen, sobald sich die Lage in seinem Land beruhigt hat.

Der Mann hatte seine Partnerin mehrfach geschlagen, sie getreten und gewürgt.

Der Mann hatte seine Partnerin mehrfach geschlagen, sie getreten und gewürgt.

(Bild: iStock/Symbolbild)

Die Eifersucht trieb den 46-jährigen Iraker zur Weissglut. Es kam immer wieder zum Streit mit seiner Partnerin. Die Polizei rückte mehrfach aus. Meistens blieben die Auseinandersetzungen aber harmlos. Bis Anfang Jahr. Damals eskalierte es. Der Mann drohte, seine Partnerin umzubringen. Dann schlug er zu. Mehrfach. Er trat die Frau, mit der er ein paar Monate zuvor aus dem Irak in die Schweiz geflüchtet war, und würgte sie, bis ihr schwarz vor Augen wurde.

Erst als er bemerkte, dass die Frau aus der Nase blutete, liess er von ihr ab. Im Rahmen der dramatischen Auseinandersetzung gelang es der Frau, das Fenster zu öffnen und nach Hilfe zu schreien. Das war ihre Rettung. Denn die Tür zur Wohnung war abgeschlossen – und damit der einzige Weg in die Freiheit abgeschnitten.

Es bestand Lebensgefahr

Etwas überraschend hatte die Frau beim Auftakt zum Prozess am Regionalgericht Oberland in Thun alle ihre Aussagen widerrufen. Sie stützte stattdessen die Version des Mannes, welcher behauptete, er habe lediglich verhindern wollen, dass sich die Frau zum Fenster hinausstürzt. Die Würgemale am Hals würden von dieser Rettungsaktion stammen. Beim Streit sei es lediglich zu einer einzigen Ohrfeige gekommen. Insgesamt sei die Auseinandersetzung aber ungefährlich gewesen.

«Die Frau wurde beeinflusst», sagte Gerichtspräsident Jürg Santschi gestern Nachmittag, als er das Urteil sprach. So hätte der Mann bereits kurz nach der Tat sein Opfer angerufen und es instruiert. «Sag nicht: Er hat mich angegriffen!» Für Santschi war erwiesen, dass der Mann ausgerastet ist und seine Partnerin geschlagen, getreten und gewürgt hat. Und zwar derart heftig, dass sogar Lebensgefahr bestand.

«Die Stimmung war aufgeheizt.» Es sei unwahrscheinlich, dass die Frau selber die Türe abgeschlossen habe und sich damit «den einzigen vernünftigen Fluchtweg versperrt hat». Die Aussagen der Frau kurz nach der Tat seien «detailreich und stimmig» gewesen, sagte Santschi weiter. Es falledagegen auf, wie sich ihre jüngsten Aussagen plötzlich mit der Version des Mannes deckenwürden.

Wird er ausgeschafft?

Schliesslich blieben dem Gerichtspräsidenten keine Zweifel ob der Schuld des Mannes, der in seinem Heimatland unter anderem für die amerikanischen Truppen Übersetzungsdienste geleistet hatte. Er verurteilte ihn wegen Gefährdung des Lebens und Freiheitsberaubung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwanzig Monaten. Die Probezeit beträgt vier Jahre. Weiter verhängte Santschi einen Landesverweis von fünf Jahren. Ob der Mann jedoch ausgeschafft werden kann, steht in den Sternen. Laut Migrationsdiensten lässt es die Lage im Irak vorderhand nicht zu.

Wichtig sei jetzt vor allem, dass er begreife, dass die Beziehung zu seinem Opfer beendet sei, sagte Santschi in Richtung des Täters. Der Mann wurde gestern Abend aus der Sicherheitshaft entlassen. Er muss seine begonnene ambulante Therapie fortsetzen.

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