Bäume ohne Bewilligung gefällt

Ist es Landwirtschaftsland oder Wald? ein Oberländer akzeptierte einen Strafbefehl, mit dem er wegen Vergehens gegen das Waldgesetz verurteilt wurde.

Der Verurteilte hatte den Strafbefehl ursprünglich angefochten, weil er der Ansicht war, er habe Bäume auf Landwirtschaftsland gefällt.<br><i>(Symbolbild/Melanie Duchene)</i>

Der Verurteilte hatte den Strafbefehl ursprünglich angefochten, weil er der Ansicht war, er habe Bäume auf Landwirtschaftsland gefällt.
(Symbolbild/Melanie Duchene)

Wirklich gerecht, so wie er Gerechtigkeit versteht, fand der Mann den Strafbefehl vom August 2019 nicht, aber er entschied pragmatisch und zog seine Einsprache an der Gerichtsverhandlung am Mittwoch zurück. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern Region Oberland hatte ihn wegen eines Vergehens gegen das Waldgesetz und wegen mehrfacher Übertretung des Baugesetzes schuldig gesprochen. Sie verurteilte ihn zu einer bedingt auf zwei Jahre ausgesprochenen Geldstrafe und wegen der Übertretung des Baugesetzes zu einer Busse von 5000 Franken.

Der Mann hat laut Strafbefehl in der Nähe eines Oberländer Kurorts Bäume fällen lassen, einen Weg über die Instandstellungsarbeiten hinaus saniert und rund 300 bis 400 Kubikmeter Aushubmaterial von einem andern Standort deponiert. Ohne Bewilligung. Die betroffene Gemeinde reagierte mit einer Einstellungsverfügung, der Mann reagierte darauf nicht sofort, sondern baute den Weg fertig.

Im Gerichtsaal wurde es fast ein bisschen gemütlich: Gerichtspräsidentin Natalie Fritz unterhielt sich mit dem Mann, der sich in Sachen Verbauungen bestens auskennt. Das Holz der gefällten Bäume hatte er für eine Kastenverbauung verwendet.

Wenig Hoffnung auf Freispruch

Dass er beim Deponieren etwas übertrieben hat, gab er zwischen den Zeilen schon zu. Was er aber nicht gerecht fand, war die Verurteilung wegen des Vergehens gegen das Waldgesetz. Deshalb hatte er den Strafbefehl angefochten. Das Land, auf dem die rund vier bis fünf gefällten Bäume gestanden haben, sei Landwirtschaftsland, und es gebe sogar Subventionen für diese Nutzung. Er legte einen Plan vor, der dies aufzeigte. An Kursen lerne er immer wieder, dass solches Land vor der Verwaldung geschützt werden müsse.

Das Gericht hatte sich bei der zuständigen Behörde informiert und bestätigen lassen, dass es sich beim gerodeten Stück Land eindeutig um Wald gehandelt hat, der zudem noch eine Gerinneschutzfunktion hat. Die Gerichtspräsidentin wollte sich noch den Grundbucheintrag beschaffen. Der Mann wies sie darauf hin, dass das betreffende Grundstück noch gar nicht vermessen sei; ein Umstand, der laut der Gerichtspräsident dem Oberländer Gericht immer wieder Arbeit macht.

Sie deutete an, dass sie in Sachen Waldgesetz unter den gegebenen Umständen wohl keinen Freispruch fällen könnte, eventuell läge ein Urteil wegen fahrlässigem oder eventual-vorsätzlichem Vorgehen drin. Der Mann entschied angesichts der Umstände, den Strafbefehl zu akzeptieren. Die Geldstrafe von 1300 Franken bleibt so bedingt ausgesprochen, Gerichtskosten fallen weg. Die Busse hingegen ist zu bezahlen.

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