Baustelle in Sigriswil sorgt für viel Aufsehen

Sigriswil

Einige Zeit stand sie leer. Jetzt wurde die ehemalige Dépendance des Hotels Bären in Sigriswil fast gänzlich abgebrochen. Einzig zwei Erker und einige Fassadenteile sollen in die Neuzeit gerettet werden.

Filmkulisse??Nein, hier entsteht ein Neubau – die Erker und einige Hausfassadenteile der ehemaligen Dépendance des Hotels Bären werden ins Gebäude integriert.

Filmkulisse??Nein, hier entsteht ein Neubau – die Erker und einige Hausfassadenteile der ehemaligen Dépendance des Hotels Bären werden ins Gebäude integriert.

(Bild: Patric Spahni)

Das Bild ist skurril: Von kräftigen Holzbalken gestützt stehen fensterlose Teile einer Hausfassade, flankiert von zwei ausgehöhlten Erkern an exponierter Stelle. Gleich dahinter gähnt eine grosse Baugrube. Die Baustelle beim Dorfeingang in Sigriswil sorgt derzeit für Aufsehen und einigen Diskussionsstoff. Ausser von den skelettierten Erkern und den Hausfassadenteilen, die quasi in der Luft hängen, ist von der denkmalgeschützten, ehemaligen Dépendance des Hotels Bären aus dem Jahre 1890 nicht mehr viel zu sehen.

Ein Grossteil des einst auffälligen Jugendstilgebäudes ist abgebrochen. «Das Haus war in einem denkbar schlechten Zustand, viel Bausubstanz liess sich leider nicht mehr retten», sagt Architekt Thomas Abplanalp. Er ist Mitinhaber der a+b Liegenschaft AG, die das Gebäude zwecks Totalsanierung vor einiger Zeit gekauft hatte.

Retten, was zu retten ist

«Was nicht mehr zu retten war, muss eben nach den gültigen Vorgaben neu gebaut werden», so der Architekt weiter. Allerdings sei es den Besitzern schon beim Kauf klar gewesen, dass die gesetzlichen Grundlagen der Denkmalpflege eingehalten werden müssen und eben zu retten war, was noch zu retten ist. Dies seien die beiden Erker sowie die ortsbildprägende Süd- und Ostfas­sade.

Zudem wurden ebenso die Fenster und Türen ausgebaut. «Diese werden nun restauriert und später wieder montiert», erklärt Abplanalp und zeigt sich überzeugt, dass es Aufgabe sei, zu erhalten, was eben geht. «Gerade für das Dorfbild wird dieses Gebäude dann wieder im alten Glanz und seinem Charme in Erscheinung treten», betont er. Bestehen bleiben werde auch eine geschützte, parkähnliche Baumgruppe.

Die a+b Liegenschaft AG als ­Besitzerin hat dabei eng mit der kantonalen Denkmalpflege zusammengearbeitet und eine ­Zustandsanalyse durchgeführt. Thomas Abplanalp bezeichnet die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege als konstruktiv. «Sie erfüllt ihren gesetzlichen Auftrag und hat eine wichtige Funktion», sagt er.

Wohnungen und Laden

Mit der Totalsanierung werden in der ehemaligen Dépendance ein Ladengeschäft und sechs 2½- bis 4½-Zimmer-Wohnungen entstehen. Zudem sind weiter ein Neubau mit vier 3½- und 4½- Zimmer-Wohnungen sowie eine Einstellhalle und Räumlichkeiten für die Gebäudetechnik geplant.

«Ein Grossteil der Wohnungen in der Dépendance ist ­bereits verkauft», erklärt der Architekt. Zudem stehe auch ein Interessent für den Laden kurz vor Vertragsabschluss. Das gesamte Investitionsvolumen beläuft sich auf knapp neun Millionen Franken. Die Kosten für die ausserordentlichen Massnahmen seien erheblich, er rechnet aber, dass sich die Denkmalpflege zu einem Teil daran beteilige.

Gelder aus dem Lotteriefonds?

Auch Fabian Schwarz, Bauberater der kantonalen Denkmalpflege, musste feststellen, dass das Gebäude baulich in einem schlechteren Zustand war als ursprünglich angenommen. «Aus der Sicht des Ortsbildes macht es aber Sinn, die beiden Erker und Teile der Hausfassade zu erhalten», sagt er. Und weiter: «Wir sind überzeugt, an diesem Ort mit der Sanierung und Wiederherstellung des Gebäudes das Richtige zu machen.»

Zumal dieses Vorgehen auch von der Eigentümerschaft gestützt werde. Noch sei offen, inwiefern die Denkmalpflege das Projekt auch finanziell unterstütze. «Wir werden die Eigentümer nicht im Regen stehen lassen und einen Weg finden», betonte Schwarz. Steuergelder würden dazu aber keine angetastet. Infrage komme ein Beitrag aus dem Lotteriefonds.

«Das Projekt wird das Ortsbild aufwerten. Wir sind glücklich, dass dort nun etwas geht», sagt Sigriswils Gemeindepräsidentin Madeleine Amstutz (SVP) auf Anfrage. Ins gleiche Horn stösst auch Hans Boss, Geschäftsführer der Boss Holzbau AG, welche die Fassadenteile und Erker mittels Holzbalken fixiert hat: «Für das Dorf Sigriswil wird der Bau einmal etwas ganz Besonderes werden.»

Zumal sich die Denkmalpflege sehr konziliant gezeigt habe. Läuft alles rund, seien Laden und Wohnungen in der einstigen Dépendance im Mai 2017 bezugsbereit. Die Wohnungen im Neubau dürften im Herbst 2017 fertig werden.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt