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Bei den Pflanzenflüsterern von Stadtgrün

In Thun ist der Frühling da und die Leute von Stadtgrün haben alle Hände voll zu tun. Wir haben mit Ihnen einen Abstecher ins Stadion Lachen gemacht.

7.30 Uhr, 3 Grad Celsius. Die Sonne hat den Robinsonspielplatz beim Gotthelf-Schulhaus noch nicht erreicht, als der rote Pritschenwagen des Thuner Tiefbauamtes vorfährt. Niklaus Götti, Leiter Anlageunterhalt bei Stadtgrün, ist bereits da, und aus dem Auto steigen der Landschaftsgärtner Daniel Megert, der für das Gebiet Thun-Süd zuständig ist, sowie sein Berufskollege Reto Bähler und Jonas Schenk, der seine Lehre bei Stadtgrün macht.

«Hier mussten im vergangenen Winter vier kranke Weiden gefällt werden», sagt Götti, zeigt auf einen Hügel und schiebt nach: «aus Sicherheitsgründen. Wir dürfen nicht riskieren, dass eines der Kinder, die hier spielen, von einem herabfallenden Ast verletzt wird.» Megert, Bähler und Schenk werden sich an diesem Vormittag um die Neubepflanzung kümmern.

«Die Betreiber des Robinsonspielplatzes wünschen sich Pflanzen mit essbaren Früchten», erläutert Niklaus Götti. «Wir haben uns für Schwarzen Holunder, Wildapfel, Meertrübeli, Hagebutten und Kornellkirschen, im Dialekt als Tierlibaum bekannt, entschieden.»

Er bespricht mit Daniel Megert, wo welches Gehölz eingepflanzt wird. «Diesen Teil des Hügels lassen wir frei», sagt er, «damit die Kinder im Winter mit ihren Schlitten runterfahren können.»

Pflanzen brauchen Wasser, sobald sie in der Erde sind

Megert, Bähler und Schenk heben die jungen Bäume und Sträucher von der Ladefläche und tragen sie vorsichtig an ihren Bestimmungsort. Die Wurzeln von Tierlibaum und Wildapfel sind von Humus umgeben und bilden einen Ballen, der mit Jutegeflecht umwickelt ist und mit Draht zusammengehalten wird.

«Damit stellen wir sicher, dass die Wurzeln sofort Wasser aufnehmen können, sobald sie eingegraben sind», erklärt Daniel Megert. Die Wurzeln der anderen Pflanzen sind nicht in Erde und Jute einpackt – nackt und verletzlich sehen sie aus.

Sie erhalten nun eine vorbereitende Behandlung: Mit viel Feingefühl schneidet Megert mit einer Schere die Spitzen an. Das regt sie an, filigrane Saugwürzelchen zur Wasseraufnahme zu bilden.

Die drei Männer beginnen Löcher zu graben. Es hat schon lange nicht mehr geregnet; der Boden ist hart und mit Wurzeln der gefällten Bäume durchsetzt. «Nein, Jonas, mit der Schaufel geht das nicht», sagt Megert und rückt dem Erdreich mit einem Pickel zu Leibe.

Bald können die jungen Pflanzen in den Löchern platziert werden. Zugleich erhalten sie ein Stärkungsmittel: granulierten organischen Dünger. «Die Pflanzen haben wir in einer Baumschule bezogen, wo die Bedingungen anders sind als hier», erläutert Daniel Megert. «Deshalb brauchen sie zu Beginn etwas Unterstützung.»

Starkes Wachstumin den nächsten Jahren

Schon bald präsentiert sich der Hügel in seinem neuen Gewand. Von Begrünen kann zwar noch keine Rede sein, aber das ist bloss eine Frage der Zeit. «In ein paar Jahren schon werden sie um ein Vielfaches gewachsen sein», sagt Daniel Megert.

Doch die Arbeit auf dem Robinsonspielplatz ist noch nicht zu Ende. Die drei Männer häufen um jede Pflanze kreisförmig Erde auf und füllen diese Giessmulde, das sie mit der Giesskanne aus einem nahe gelegenen Hydranten holen. «Wir giessen so lange, bis das Wasser ein paar Minuten stehen bleibt, ohne zu versickern», sagt Reto Bähler.

«Das bedeutet, dass der Boden gesättigt ist.» Damit das Wasser nicht zu schnell verdunstet, werden die Mulden mit Kokosmatten ausgekleidet, die im Lauf der Zeit vermodern werden. Nun holt Jonas Schenk Holzpfosten von der Ladefläche, die neben Tierli- und Wildapfelbäumen schräg in den Boden gehämmert werden.

Die Gärtner befestigen die starken Äste mit Kokosschnur an den Pfosten und verleihen den jungen Pflanzen damit eine höhere Stabilität. Wenn sie Blätter tragen und dem Wind eine grössere Angriffsfläche bieten, wird mit dieser Vorrichtung verhindert, dass sich die jungen Wurzeln im Erdreich bewegen und wiederholt losgerissen werden.

Nun werden die letzten unbewachsenen Stellen des Hügels mit Magerrasen angesät und anschliessend mit einem flachen Brett eingeebnet. «Damit verhindern wir, dass der Wind die Samen wegwehen kann», erklärt Megert, der nun mit seinem Team in die Znünipause geht, um sich anschliessend den neuen Kreisel beim Lidl im Gwatt vorzunehmen. Dort haben sie zwar bereits Bäume und Sträucher gepflanzt, aber das Ansäen einer Magerwiese fehlt noch.

Rasenplätze und Anlagenfür die Leichtathletik

Szenenwechsel. Beim Stadion Lachen trifft der Reporter Tizian Wenger, den stellvertretenden Leiter Sportanlangenunterhalt, der ebenfalls zu Stadtgrün gehört. Er und seine Kollegen kümmern sich um 8 Rasensportplätze à 7500 Quadratmeter, ein paar Trainingsfelder und um rund 100 000 Quadratmeter Schulhausrasen.

Hinzu kommen die Anlagen für Kugelstossen, Diskuswerfen, Hoch- und Weitsprung sowie den Laufsport. «Unsere Herausforderung bei den Rasenspielfeldern gliedert sich in drei Bereiche», erklärt Wenger. «Die Benutzer wollen ein ebenes Spielfeld ohne Löcher, und wir haben das Ziel, den Rasen nach ökologischen Kriterien zu unterhalten und gleichzeitig unser Budget einzuhalten.»

Thun hat Vorreiterrollebeim Rasenfelderdüngen

Seit zwei Jahren werden die Rasen auf Thuner Stadtgebiet organisch gedüngt, was zurzeit gemäss Niklaus Götti noch ziemlich unüblich ist. Es kommen also Produkte zum Einsatz, die aus Mist und kompostierten Pflanzen bestehen und keine chemischen Hilfsmittel enthalten.

Dies im Gegensatz zum mineralischen Dünger, dessen Bestandteile zwar auch ohne menschliches Zutun in den Böden enthalten sind, der aber synthetisch hergestellt wird. Und nun wird es etwas kompliziert: Denn das Ausbringen von organischem Dünger bewirkt im Endeffekt eine mineralische Düngung.

Tizian Wenger bringt Licht ins Dunkel: «Der organische Dünger wird von den Kleinstlebewesen im Boden verzehrt und als mineralischer Dünger wieder ausgeschieden.» Mit anderen Worten: Die Pflanzen können den organischen Dünger nur dank der Vorarbeit von Würmern und Mikroorganismen aufnehmen.

Teurere, aber dauerhaftere Düngung

«Die organische Düngung, die wir sechsmal jährlich vornehmen, kostet rund 1½-mal mehr als die mineralische, und beim Wachstum ergibt sich eine Verzögerung», sagt Wenger, nennt aber auch die Vorteile: «Nach unserer Beobachtung treiben die Rasenpflänzchen tiefere Wurzeln und machen den Rasen strapazierfähiger – was auch im Sinne der Benutzer ist.»

Der Rasen müssen zudem regelmässig geschnitten sowie aufgelockert und mit Sand bestreut werden, damit das Wasser nach Regenfällen optimal abfliessen könne.

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