Beseelte Klänge, ergriffenes Schweigen

Die 30. Bachwochen Thun feierten am Sonntag mit dem Ensemble Arcangelo und der Sopranistin Lydia Teuscher in der Stadtkirche ihr ­Eröffnungskonzert. Mit Werken von Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann und Georg Friedrich Händel wussten die virtuosen Barockinterpreten rund 250 Gäste in ihren Bann zu ziehen.

Das Eröffnungskonzert in der Stadtkirche: Die Sängerin Lydia Teuscher und das Ensemble Arcangelo rissen das Publikum mit sich.

Das Eröffnungskonzert in der Stadtkirche: Die Sängerin Lydia Teuscher und das Ensemble Arcangelo rissen das Publikum mit sich.

(Bild: Raffael Thielmann)

«Ich freue mich sehr, die Bach­wochen in deinen Händen zu wissen», meinte die scheidende Intendantin Julia Vincent zu ihrem Nachfolger Vital Julian Frey, der es sich bei seiner Begrüssung nicht nehmen liess, ihr statt Blumen eine Flasche Single Malt zu überreichen. Sie habe das Festival in den letzten neun Jahren auf eine neue Ebene gehoben, betonte der neue Intendant und würdigte ebenso die Schaffenskraft der Gründerin Besse Welsh wie auch den nachfolgenden Professor Jakob Stämpfli.

«Nicht Bach, sondern Meer sollte er heissen», sagte Ludwig van Beethoven über den grossen Barockmeister und dessen unerschöpflichen Einfallsreichtum. Mit dieser Erkenntnis entdecken die Bachwochen Thun auch im dreissigsten Jahr ständig neue schönste «Bach-Blüten»: so am Eröffnungskonzert beim beseelten Preludio aus der Partita E-Dur für Violine mit Stephanie-Marie Degand.

Ein ergriffenes Schweigen ging dem Applaus voraus

Das musikalische Herz der Sängerin Lydia Teuscher schlägt für den Liedgesang. Die vielfach ausgezeichnete Sopranistin aus Freiburg im Breisgau beeindruckte durch die Interpretation der Bach-Arien «Auch mit gedämpfter, schwacher Stimme» und «Ich esse mit Freuden mein weniges Brot» sowie mit den Händel-Werken wie «Süsse Stille, sanfte Quelle» oder «Das zitternde Glänzen der spielenden Wellen».

Die Begeisterung des Publikums zeigte nach ihrem Vortrag ­jeweils, dass dem Applaus ein paar Herzschläge ergriffenes Schweigen vorausgingen.

Die Oboistin Clara Blessing zeichnet sich durch ihr Spiel sowohl der modernen als auch der historischen Oboen aus. 2015 konnte die 25-Jährige als erste Oboistin überhaupt einen Preis beim renommierten internationalen Telemann-Wettbewerb Magdeburg gewinnen. Am Konzert in der Stadtkirche Thun brillierte sie mit gespenstischer Sicherheit bei Werken wie der Triosonate G-Dur für Violine, Oboe und Basso Continuo BWV 1039 oder Triosonate d-Moll von Telemann.

Das Orchester liess das Publikum im Klangerlebnis baden

Zum britischen Ensemble ­Arc­angelo unter der Leitung von Jonathan Cohen (Cembalo, Orgel), das vor zwei Jahren schon an den Bachwochen konzertierte, gehören Stephanie-Marie Degand (Violine), Jonathan Manson (Viola da Gamba) und Paul Kieffer (Laute). Das Kammerorchester liess sein Publikum in einem barocken Klangerlebnis baden, das unendlich fein ziseliert und doch mitreissend musikalisch ins 18. Jahrhundert entführte.

Das mit feinem Händchen zusammengestellte Programm mit Cello- und Cembalo-Soli schöpfte die Vielfalt der drei Komponisten aus – zur Freude des Publikums sowie der Musikerinnen und Musiker, die als Zugabe «Brich mein Herz, zerfliess in Tränen» aus Händels «Neun deutsche Arien» zu Gehör brachten.

Nächste Konzerte: 19. 8., 15 Uhr, ­Familienkonzert, Stadtkirche Thun, «Johann Sebastian? Ach, Bach!», 19. 8., 17 Uhr, «Bachspiegelungen», Ensemble Paul Klee. 20. 8., 17 Uhr, Stadtkirche, «Viva Venezia», Bach und Vivaldi, Albrecht Mayer, Oboe, Vital Julian Frey, Cembalo.

Thuner Tagblatt

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