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Beweislage für Vergewaltigung reichte nicht - Freispruch

Der Mann, der am Dienstag wegen Vergewaltigung und Drohung vor Gericht stand, ist gestern in beiden Punkten freigesprochen worden. Die Richter haben sich den Entscheid nicht leicht gemacht.

Die Beweislage reichte nicht, um den Mann der Vergewaltigung schuldig zu sprechen.
Die Beweislage reichte nicht, um den Mann der Vergewaltigung schuldig zu sprechen.
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Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, ­hatte einem heute 30-jährigen Schweizer aus der Region Thun Vergewaltigung und Drohung zur Last gelegt. Wegen dieser Straftatbestände hatte er sich am Dienstag vor dem Regionalgericht Oberland in Thun zu ver­antworten. Während der Staatsanwalt und die amtliche Anwältin des angeblichen Opfers Schuldsprüche beantragten, forderte der Pflichtverteidiger Freisprüche in beiden Fällen.

Drei Jahre von Tat bis Anzeige

«Bei Sexualdelikten stellt sich grundsätzlich immer das gleiche Problem: Es steht Aussage gegen Aussage», führte Gerichtspräsident Jürg Santschi gestern bei der Urteilseröffnung aus. Auch im vorliegenden Fall war es nicht anders. Was das Kollegialgericht in Dreierbesetzung jedoch erstaunte, war der zeitliche Abstand zwischen der angeblichen Vergewaltigung und deren An­zeige.

Das Delikt soll im Sommer 2012 begangen worden sein, erstmals aktenkundig geworden sei es im Frühling 2015 im Zusammenhang mit gegenseitigen Anzeigen des zerstrittenen Ehepaars. Erst im Laufe einer psy­chiatrischen Behandlung und eines sogenannten Rückführungsverfahrens zum damaligen Zeitpunkt habe sich die Ehefrau wieder an das Ereignis erinnert. Dieser Umstand mache es be­sonders schwer, ein gerechtes Urteil zu fällen, so Santschi.

«Lange um Urteil gerungen»

«Wir glauben tendenziell der Ehefrau, die als Opfer und Privatklägerin aufgetreten ist, mehr als dem beschuldigten Ehemann», sagte Santschi. Der von den Be­teiligten geschilderte Tagesablauf lasse jedoch einige Zweifel an der Darstellung der Frau offen. «Das Gericht hat lange um das Urteil gerungen», betonte der Gerichtspräsident. Vielleicht tue man der Frau unrecht. Die Beweislage genüge angesichts theoretischer und praktischer Bedenken jedoch nicht für eine Verurteilung.

Viele Fragen offen

Auch beim zweiten Delikt, der Drohung, begangen im Frühling 2015, blieben beim Gericht viele Fragezeichen offen. Angesichts der damaligen Situation mit den Streitereien, dem Scheidungsverfahren und dem von der Mutter – so der Vater – torpedierten Besuchsrecht für die Tochter wäre ihm die Drohung zuzutrauen, befand Santschi. Es sei aber keineswegs erwiesen, dass es so passiert sei, wie es die Noch-Ehefrau geschildert habe.

Das Gericht sprach schliesslich den Beschuldigten vom Vorwurf der Vergewaltigung und der Drohung frei. Die Verfahrenskosten werden dem Kanton überbunden. Die Zivilklage ist abgewiesen worden.

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