Bootstankstelle sorgt für Kontroverse

Bei der Jahresrechnung 2018 herrschte im Thuner Parlament grosse Einigkeit. Anders beim Postulat für eine Bootstankstelle im Hafen Lachen.

Die Bootstankstelle in Merligen: Sie bleibt vorläufig die einzige am Thunersee. Foto: Patric Spahni

Die Bootstankstelle in Merligen: Sie bleibt vorläufig die einzige am Thunersee. Foto: Patric Spahni

Die Stadt plant, den Hafen Lachen während der grossen Seeabsenkung im kommenden Winter zu sanieren – und die Ampeln stehen nach der Vorprüfung des Regierungsstatthalters «auf Grün»: Diese topaktuelle Information konnte Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP) am Donnerstagabend an den Stadtrat weitergeben. Es sei deshalb nicht opportun, das Projekt um eine mögliche Bootstankstelle zu erweitern.

Die Prüfung einer solchen hatten die Fraktionen EVP/EDU/CVP sowie SVP mit einem Postulat gefordert (vgl. Ausgabe vom Dienstag). Für den Gemeinderat ist klar, dass eine Tankstelle auch später noch gebaut werden könnte – von der Hafensanierung müsse diese Idee entkoppelt werden. «Sonst gefährdet man ein unbestrittenes Projekt», führte Hädener aus.

Mit dieser Argumentation konnte Jonas Baumann von der Fraktion EVP/EDU/CVP leben. Zwar betonte er: «Es kann nicht sein, dass man, um ein Boot zu tanken, nach Merligen fahren muss. Wir wollen, dass der Gemeinderat weitere Abklärungen macht.» So sollen etwa auch Gespräche mit möglichen Betreibern einer solchen Tankstelle geführt werden. Die Hafensanierung solle aber «nicht ausgebremst werden».

Das sah auch Philipp Deriaz von der zweiten am Postulat beteiligten Fraktion – der SVP – so. Und er skizzierte einen Zeithorizont: «2022/2023 hätten wir gerne eine Tankstelle.» Er ist zudem überzeugt: Die vom Gemeinderat grob auf rund 720 000 Franken geschätzten Kosten könnten mit Blick auf mögliche Gewinnaussichten deutlich gesenkt werden.

Dass die Kosten mit dem Betrieb wieder hereingeholt werden müssen, ist derweil für Simon Werren (Fraktion GLP/BDP) klar. Es mache Sinn, eine Tankanlage zu prüfen, und es sei vertretbar, dies erst nach den vordringlichen Sanierungen zu tun. «Man verbaut sich nichts», begründete Margrit Schwander (SP) die Zustimmung zu einem schrittweisen Vorgehen.

Grüne tanzen aus der Reihe

Grosse Einigkeit also? Nein. Für Markus van Wijk (FDP) ist die Verzögerung «nicht ganz opportun», wenn im Hafen schon gebaut werde. Das Boot in der Nähe des Stellplatzes zu betanken, sei ökonomischer und ökologischer. Ganz anders die Gemütslage bei der Fraktion Grüne/Junge Grüne.

«Wir bezweifeln, dass der Umwelt mit einer zweiten Tankstelle gedient ist», sagte Michelle Marbach. Dadurch gäbe es mehr Bootsverkehr, weil auch andere nach Thun zum Tanken kämen – «und das in einem Naherholungsgebiet». Für sie müsste der Bedürfnisnachweis genauer ausgeführt werden.

Auch SP-Vertreterin Schwander fand: Es müsse geklärt werden, ob es durch die Tankstelle mehr Bootsverkehr gäbe. Marbachs Fraktionskollege Thomas Hiltpold fügte an: «Es geht um die Befriedigung eines Luxusbedürfnisses.»

In der Abstimmung blieben die Grünen chancenlos: Das Postulat wurde mit 25 zu 7 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Das heisst, dass der Bau einer Tankstelle im Nachgang zur Hafensanierung eingehend geprüft wird. Ein Teil der Abklärungen wird laut Konrad Hädener sein, ob Private ein solches Projekt umsetzen wollen.

Berner Zeitung

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