Braucht es die Städtepartnerschaft mit Gabrovo?

Thun

Ohne mehr Mitglieder und Helfer ist der Förderverein Gabrovo gefährdet. Die Betroffenen in Thun und Bulgarien sind frustriert.

Oktober 2011: Zum 15-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft begrüsste Thuns Stadtpräsident Raphael Lanz (rechts, mit dem damaligen ERT-Direktor Melchior Buchs links) eine Delegation aus Bulgarien.

Oktober 2011: Zum 15-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft begrüsste Thuns Stadtpräsident Raphael Lanz (rechts, mit dem damaligen ERT-Direktor Melchior Buchs links) eine Delegation aus Bulgarien.

(Bild: Archiv/Patric Spahni)

Erstaunen – Unverständnis – Enttäuschung – Trauer: So umschreibt Präsident Hans Stalder die Stimmung im Förderverein und in der Städtepartnerschaft Thun - Gabrovo. Die Gründe: Die Stadt beendet die Partnerschaft nach Abschluss der laufenden Projekte per Ende 2019. Deshalb entstanden in Bulgarien und beim Förderverein (FV) die geschilderten Gefühle. «Wir hatten im Februar einen Strategie-Workshop zum Thema Zukunft der Partnerschaft», schildert Hans Stalder. Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) habe das Ausscheiden Thuns nicht angesprochen.

Schwieriger Entscheid

«Dass der Gemeinderat die Städtepartnerschaft neu beurteilen will, wurde kommuniziert», relativiert dieser auf Anfrage. Der Entscheid sei damals noch nicht gefällt gewesen. «Ich habe durchaus Verständnis für das Unverständnis; auch für den Gemeinderat war es ein schwieriger Entscheid», versichert Raphael Lanz. Es sei allerdings wohl unbestritten, dass sich die Umstände in Bulgarien mit dem Eintritt in die EU «grundlegend verändert» haben. Auch andere Gemeinden hätten inzwischen ihre Partnerschaften in ehemaligen Ostblockstaaten aufgelöst.

Immer noch nötig

«Unterstützung ist immer noch nötig und gefragt. Die EU wird sich mit ‹unseren› Projekten nicht befassen», schildert Hans Stalder. So auch mit dem Transfer von Wissen und Umsetzen, wie es etwa Stadtgrün Thun erfolgreich und höchst willkommen gemacht habe. Aber auch die Projekte des Fördervereins in sozialen und kulturellen Belangen seien nach wie vor gefragt. Am Workshop habe man beschlossen, sich «auf eine eingeschränkte Anzahl Projekte mit grosser Wirkung» zu beschränken.

Ohne Unterstützung der Stadt sei das dem Verein aber kaum möglich. Er habe dafür mit ­aktuell 80 zahlende Mitgliedern und nur noch vier Vorstandsmitgliedern schlicht zu wenig Ressourcen. Wenn es nicht mehr würden, sei der Förderverein gefährdet.

Zahlt Stadt punktuell?

Die Stadt hat offengelassen, auf Gesuch hin allenfalls punktuell Projekte zu unterstützen. Die Koordinationsstelle allerdings steht ab 2020 nicht mehr zur Verfügung. «Der Gemeinderat ist sich durchaus bewusst, dass der Verein vor grossen Herausforderungen steht», sagt Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP). Das weitere Engagement der Stadt sei zu vage, findet Hans Stalder. «Mit unseren wenigen Ressourcen können wir uns die grosse Vorarbeit mit Projektbeschreibungen nicht leisten, um dann eine Absage zu erhalten», präzisiert er. Man warte nun noch etwas ab und hoffe auf Neuzugänge.

«Ende Jahr entscheiden wir, ob und wie es weitergeht», gibt sich Hans Stalder noch nicht ganz geschlagen.

Thuner Tagblatt

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