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Bundesrätlicher Glanz am Gesslerschiessen

Vor 50 Jahren Hoher Besuch beim Thuner Ausschiesset 1966: FDP-Bundesrat Paul Chaudet war zu Gast beim Gesslerschiessen und hatte nur lobende Worte übrig für den Traditionsanlass.

Hohe Gäste vor dem Scheibenstand: Bundesrat Paul Chaudet (links neben dem Sonnenbrille tragenden Leiter des Armbrustschützenkorps Ernst Grundbacher) besuchte 1966 das Gesslerschiessen.
Hohe Gäste vor dem Scheibenstand: Bundesrat Paul Chaudet (links neben dem Sonnenbrille tragenden Leiter des Armbrustschützenkorps Ernst Grundbacher) besuchte 1966 das Gesslerschiessen.
Archiv Thuner Tagblatt

Der Thuner Ausschiesset findet bekanntermassen jedes Jahr statt. Nicht jedes Jahr dürfte es jedoch vorgekommen sein, dass ein Bundesrat dem Traditions­anlass beigewohnt hat. Zum Ausklang des Ausschiesset im Jahr 1966 war beim Gesslerschiessen Bundesrat Paul Chaudet zu Gast. Bei der Rangverkündigung und nach der Begrüssung durch Korpsleiter Erwin Schärer ergriff der hohe FDP-Politiker das Wort. «Von mächtigem Beifall begleitet» habe Chaudet erklärt, dass er «mit besonderer Freude an das traditionelle Jugendfest der Thuner gekommen» sei, hiess es im «Thuner Tagblatt» vom 28. September 1966. Der Fulehung er­innere an eine glorreiche Epoche in der Stadtgeschichte.

Weniger glorreich ging genau zwei Monate später die Karriere des Bundesrates zu Ende. In der Folge der Mirage-Affäre gab Chaudet am 28. November 1966 seinen Rücktritt bekannt.

Was vor 50 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

1. 9. 1966 Der Augustgrossmarkt verzeichnete eine Auffuhr von 102 Stück Grossvieh, 220 Schweinen, 16 Schafen und 2 Ziegen. Gute Kühe galten 2500 bis 2700 Fr., mittlere Kühe 1800 bis 2300 Fr., kleine Ferkel per Paar 165 bis 185 Fr., grosse Ferkel 220 bis 240 Fr., grössere Fasel 350 bis 380 Fr.

1. 9. 1966 Die 7. OHA wurde er­öffnet. Sie präsentiert sich erstmals in neun Hallen. Als Ehrengast zeigt das rechte Thunersee­ufer Produkte und Erzeugnisse. Als Sachgebiete werden unter anderem die Atom- und die Wasserkraft einander gegenübergestellt. Weiter wurde eine «Schnupperbäckerei» eingerichtet. Das geheizte OHA-Schwimmbad steht für Demonstrationen der Faltbootfahrer, Rettungsschwimmer und Badenixen zur Verfügung.

2. 9. 1966 Gerhard Aeschbacher, seit 18 Jahren Organist an der Stadtkirche Thun, trat am 30. Juni zurück. Nachfolger wurde Bruno Vergés, der zurzeit noch als Klavierlehrer am Konservatorium und als Orgellehrer am Seminar Bern und Thun unterrichtet. B. Vergés tritt sein Amt am 4. September an.

2. 9. 1966 Der Basler Jörg Schulthess stellt in der Galerie Steiner eine Reihe seiner Ölbilder aus der jüngsten Schaffensperiode aus. An der Vernissage erschienen Basler Pfeiffer und Trommler in der Hauptgasse. Neben Thuner Gemeinderäten, Stadträten und Kunstliebhabern waren Vertreter der russischen Botschaft in Bern anwesend. J. Schulthess ist ein Vertreter der Ornamentmalerei und zeigt über zwanzig meist grossformatige Ölbilder.

3. 9. 1966 1966 wurden in Thun 11 266 Wohnungen gezählt. Viele Wohnungen stehen infolge hoher Mietzinse leer. Die Nachfrage nach günstigen leeren Wohnungen steigt an, aber gleichzeitig nahm die Bautätigkeit ab. Nun entschlossen sich die Wohnbaugenossenschaften Thun, Nünenen und Schönau dazu, mehr als 400 neue Wohnungen zu erstellen. Bei einem Quadratmeter-Preis von 80 Fr. kosten 2½ Zimmer 274 Fr., 3½ Zimmer 337 Fr., 4½ Zimmer 387 Fr. und 5½ Zimmer 425 Fr.

3. 9. 1966 Als Neuerung erhielt der OHA-Turm eine Neonbeschriftung. Die Spezialfirma Neon Kunz GmbH aus Zürich erstellte den 1,85 Meter hohen und 1,6 Meter breiten Leuchtschriftzug.

5. 9. 1966 H. von Gunten eröffnete nach zweimonatiger Pause die jüngste Thuner Galerie Berntor-Keller. Als Erster stellt Joseph Beuret, Maler aus Luzern, über sechzig seiner Werke aus. Über den Beruf des Grafikers/Dekorateurs kam er zur Malerei. Die Gemälde sind in Ölkreide, Misch- und Lacktechnik oder Pinsel ausgeführt und sind eine Mischung von gegenstandsloser und gegenständlicher Kunst.

8. 9. 1966 Der Turnverein Goldiwil weihte am 4. September seine erste Vereinsfahne ein. Der Verein wurde 1952 gegründet. Das Banner zeigt das Goldiwiler Wappen und auf drei Bändern die Wappen der umliegenden Gemeinden Schwendibach, Heimberg und Heiligenschwendi.

9. 9. 1966 Im Thunersee wurden im Jahr 1965 insgesamt 82 155 Kilo Fisch gefangen. Diese Zahl setzt sich zusammen aus 96,5% Felchen, 0,3% Seeforellen, 0,1% Saiblingen, 0,9% Hechten, 1,3% Barschen und 0,9% übrigen Fischsorten. Der Fangertrag des Brienzersees, der 1964 bereits einen Rückgang von 12 Tonnen verzeichnete, sank weiter auf 15 160 Kilo. Diese Zahl setzt sich aus 94,8% Felchen, 1,6% Seeforellen, 0,2% Saiblingen, 2,6% Hechten, 0,1% Barschen und 0,7% übrigen Fischsorten zusammen.

9. 9. 1966 Im Lamm Gwatt wurde am 8. September die neue Dachorganisation «Vereinigte Schützengesellschaften der Gemeinde Thun» gegründet. Zwölf Thuner Schützengesellschaften beteiligten sich an der Gründung. Erster Präsident wurde Erwin Röthlisberger, Strättligen. Die neue Organisation setzt sich zum Ziel, auf Frühjahr 1969 eine grosse, zen­trale Schiessanlage in der Gun­telsey zu bauen. Einstimmig wurde die Durchführung des Eidgenössischen Schützenfests 1969 in Thun beschlossen.

13. 9. 1966 150 Teilnehmer aus 21 Küchen der ganzen Schweiz nahmen am Grand Marmitage der Confrérie de la Marmit teil. Die Fulehung-Chuchi Thun war Gastgeber des Anlasses. Höhepunkt bildete ein Essen, das neun Thuner Köche im Restaurant Wendelsee zubereiteten.

13. 9. 1966 Zu Beginn der Theatersaison der Kunstgesellschaft Thun führt das Atelier-Theater Bern W. Faulkners «Requiem für eine Nonne» auf. Dr. Keller, Präsident der KGT, begrüsste den gelungenen Auftakt und hofft, dass diese Aufführungen in Thun zur Tradition werden.

14. 9. 1966 Die Grütlischützen, Thun, führten ihre Jubiläums­feier zum 100-jährigen Bestehen im Restaurant Maulbeerbaum durch. G. Schläppi überreichte die Grüsse des Kantonalbernischen Schützenvereins und schenkte ein Buch zum Schreiben der neuen Vereinschronik. Der Oberländische Schützenverband übergab den Thuner Schützen eine Silberkanne.

15. 9. 1966 Der «Schurwollexpress», eine fahrbare Ausstellung über die Verarbeitung von reiner Schurwolle zu einem Qualitätsprodukt, soll jungen Leuten die beruflichen Möglichkeiten in dieser Branche aufzeigen. Dazu wird ein Überblick von diesem leistungsfähigen Zweig der Schweizer Industrie gezeigt.

19. 9. 1966 Im Spitzenspiel der Nationalliga B gewann der FC Thun gegen Aarau verdient mit 2:0 Toren. Nach fünf Spielen belegt der FC Thun mit 10 Punkten den 1. Rang der Nationalliga B. Der FC Luzern, an zweiter Stelle liegend, weist einen Rückstand von 3 Punkten auf.

19. 9. 1966 Im Rahmen der Ausstellung «Berner Künstlerinnen» im Thunerhof stellen 68 Küstlerinnen 188 Werke aus. Dr. Ganz teilte mit, dass die Ausstellung seit 10 Jahren durchgeführt wird und «dass die weibliche Kunst ihre tief begründeten Eigenheiten besitzt». Eingeladen wurde Meret Oppenheim, die als Einzige den Surrealismus vertritt, Nell Walden aus Schweden und die ­Japanerin Teruko Yokoi.

20. 9. 1966 Die Genossenschaft Keller-Theater Thun führt unter dem Vorsitz von Theo Moser, Präsident, seine Hauptversammlung durch. 1965 wurden insgesamt 6500 zahlende Besucher gezählt. Der Vorstand wurde be­stätigt. Max Brenner orientierte über die Absicht, einen Verein zur Förderung des Keller-Theaters zu gründen. Der Verein soll dazu dienen, zusätzliche Gelder auf­zubringen, um Ensembles und Künstler zu engagieren, die das normale Budget des Vereins übersteigen würden.

23. 9. 1966 Die Partei Junges Thun teilt mit, dass an der Generalversammlung am 15. September folgender Beschluss gefasst wurde: «a. Sich an den Gemeindewahlen von Thun vom Dezember 1966 in Ermangelung befriedigender personeller und materieller Voraussetzungen nicht zu beteiligen; b. Im Hinblick der sich aus diesem Verzicht ergebenden Konsequenzen die Partei mit sofortiger Wirkung aufzulösen.»

26. 9. 1966 Der Thuner Zuchtstiermarkt verzeichnete eine Auffuhr von 709 Stieren. Von diesen konnten 88%, das heisst 626 Stück, als Herdebuchstiere qualifiziert werden. Es waren Delegationen aus Rumänien, Bulgarien, Italien und Yugoslawien am Markt vertreten. Verkauft wurden 615 Stiere. Der Durchschnittspreis pro Stier betrug 2287 Fr. und lag damit leicht unter den Preisen im Vorjahr.

29. 9. 1966 An der Ausstellung der Berner Künstlerinnen sind unter anderem Plastiken von Marianne Grunder, Stillleben von Marguerite Frei-Surbeck und Marcella Grundig, Ei-Temperas von Yo­landa Huser, Collagen von Hildi Brunner und Gertrud Merz, Aquarelle von Elisabeth Leuenberger und feine Bleistiftzeichnungen von Trudi Schlatter zu sehen. Dazu kommen Kupferstiche von Vreni Stein-Bähler.

30. 9. 1966Die Allgemeine Orchestergesellschaft Thun führte ihre erste Hauptversammlung im Falken-Saal durch. Die Gesellschaft zählt 210 Mitglieder. Quelle:Stadtarchiv Thun.

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