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Das «fahrende Kunstwerk» lebt

Der Trampelwurm ist aus der Thuner Innenstadt nicht mehr wegzudenken. Das Kunstobjekt begeistert aber nicht nur Thuner, sondern ist vor allem auch bei Touristen beliebt.

Der Trampelwurm fährt seit über 20 Jahren durch Thun und ist nach wie vor sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen beliebt.
Der Trampelwurm fährt seit über 20 Jahren durch Thun und ist nach wie vor sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen beliebt.
Irina Eftimie
In der Garage: Lukas Külling kann seine Trampelwürmer in einer Garage des Transportunternehmens Gafner unterbringen.
In der Garage: Lukas Külling kann seine Trampelwürmer in einer Garage des Transportunternehmens Gafner unterbringen.
Irina Eftimie
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Als Lukas Külling nach nur zwei Saisons im Trampelwurm-Team wieder entlassen wurde, nahm er sich fest vor, den Trampelwurm eines Tages zu kaufen. Heute ist der ehemalige Primarschullehrer stolzer Besitzer des Thuner Kultobjekts und hält den skurrilen Wurm am Leben. Der in den 1990er-Jahren entstandene Trampelwurm erfreut sich auch heute noch grosser Beliebtheit und ist vor allem auch eine ungewöhnliche Art, die Stadt Thun und ihre Umgebung etwas besser kennen zu lernen.

Zu schnell gefahren

1996 arbeitete Lukas Külling zum ersten Mal im Team rund um den Trampelwurm mit. Schon bald wurde er der Leiter der Zentrale und organisierte die Fahrten des Trampelwurms. «Ich hatte ein riesiges Handy und ging damit im militärischen WK jeweils auf die Toilette, damit ich die Reservationen entgegennehmen konnte», erzählt Lukas Külling.

In dieser Zeit habe er rund 120 Fahrten pro Saison gemacht. «Man sagte mir dann, dass ich zu schnell ­fahre und es wegen mir mechanische Schäden am Trampelwurm gegeben habe», sagt Külling – und nennt dies als Grund für seine Entlassung.

«Ich habe den Trampelwurm jetzt an meine Bedürfnisse angepasst und so aufgerüstet, dass er bei meinem Fahrstil nicht wieder so schnell kaputtgeht.» Die drei Trampelwürmer konnte Lukas Külling vom Verein Stadtmobilität (siehe Kasten) für den symbolischen Betrag von einem Franken erwerben. «Die Fixkosten und der Unterhalt wurden dem Verein einfach zu viel», sagt Külling. «Ich hatte dann das Glück, dass mir Urs Gafner, der selber ein richtiger Velofreak ist, eine Garage zum halben Mietpreis ­anbot.»

«Japanerinnen ­flippen total aus und wollen Selfies machen.»

Lukas Külling

Heute wird der Trampelwurm für rund 40 Fahrten und ungefähr zwei Grossanlässe pro Saison gebucht. «Wenn er von grossen Firmen gebucht wird, ist die Saison jeweils gerettet!», sagt Külling. Solche Buchungen seien aber nicht immer ganz einfach. «An einem Abend wollte eine Gruppe der Credit Suisse den Weg zum Restaurant mit dem Trampelwurm fahren. Das mittlere Kader machte nicht richtig mit, da hat eine Studentin aus der Gruppe sie kurzerhand zu einer Strafrunde verdonnert.»

Normalerweise werde er für Kindergeburtstage, Teambuilding-Übungen und Vereinsausflüge gebucht. Ausserdem organisiere er einmal pro Monat Gratisfahrten auf dem Pestalozzi-Spielplatz.

Touristenliebling

«Die verrücktesten Passagiere kommen wohl aus Japan. Die Japanerinnen flippen total aus, wenn sie den Trampelwurm sehen, und wollen sofort Selfies machen», sagt Külling. Auch «eher speziell» seien die Fahrten mit Touristen aus Indien. «Sie sind es gewohnt, mit Rikschas durch die Städte zu fahren, und trampeln deshalb oft nicht mit», sagt Lukas Külling.

Eine der verrücktesten Gruppen sei jedoch der Steffisburger Veloclub gewesen. «Sie wollten für einen Junggesellenabschied mit dem Trampelwurm zum Restaurant Schwandenbad fahren, was praktisch unmöglich ist. Zum Glück haben wir es dann doch geschafft.» Auch eine internationale Gruppe von UNO-Abgeordneten aus Genf war schon an Bord des Trampelwurms.

Lukas Küllings Traumgruppe würde aus einigen Rocket-Air-Fahrern bestehen, mit denen er gerne um den Thunersee fahren würde. «Irgendwann mal möchte ich gerne mit dem Trampelwurm nach Moskau oder Berlin reisen», sagt der Heilpädagoge Külling, «In Moskau gibt es nämlich viele Familien aus den Peripherien, die bestimmt gerne mit dem Trampelwurm die Stadt erkundigen würden.»

Ein fahrendes Kunstwerk

«Der Trampelwurm ist und bleibt ein Hobby», sagt Külling. «Ich mag das Zeitlose und Unkonventionelle. Ich bin selbstständig, und ausserdem bleibt man fit. Ich kann sieben Stunden am Tag damit fahren und schwitze zwar, bin aber am Abend nicht kaputt.» Besonders möge er auch das Statement, das man mit dem Trampelwurm mache. «Mit zehn Leuten kann man gleich schnell durch die Stadt fahren wie mit einem Auto. Zudem ist der Trampelwurm ein fahrendes Kunstwerk.»

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