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«Das Geläute wird den Bären abhalten»

Fast gleichzeitig mit dem Auftauchen des Bären hat im Zulgtal der Alpsommer begonnen. Die Bauern sind emotional hin- und hergerissen: Die Gefühle reichen von respektvoll bis mulmig, aber auch bis hin zu pragmatisch.

Sandra Oehrli und Andreas Hadorn bewirtschaften die Alp Drüschubel, mit dabei sind auch die Kinder Sarina und die etwas mehr als einen Monat alte Mara. Im Hintergrund ist das Gebiet zu sehen wo der Erizer Bär gesichtet wurde.
Sandra Oehrli und Andreas Hadorn bewirtschaften die Alp Drüschubel, mit dabei sind auch die Kinder Sarina und die etwas mehr als einen Monat alte Mara. Im Hintergrund ist das Gebiet zu sehen wo der Erizer Bär gesichtet wurde.
Stefan Kammermann

Ihren ersten Alpkäse in diesem Sommer hat das Hirtenehepaar Sandra Oehrli und Andreas Hadorn auf der Alp Drüschhubel zuhinterst im Eriz am Mittwoch produziert. In der Alphütten­käserei ist es warm und ruhig. Dennoch, nebst dem ersten produzierten Alpkäse mit Jahrgang 2017 beherrscht auch hier ein ­anderes Thema die Szenerie: der Eri­zer Bär. In unmittelbarer Nachbarschaft der 100 Hektaren grossen Alp konnte ein Mann am vergangenen Freitag einen Bären fotografieren.

Tiere mit Glocken

«Die Gefühle zum Alpstart sind schon etwas speziell», sagt Sandra Oehrli. Grosse Bedenken wegen des in der Nähe gesichteten Berner Wappentiers hat die Älplerin indes nicht. «Der Bär wird sich, wenn er noch da ist, schon fernhalten.»

Besondere Vorsichtsmassnahmen hat das Ehepaar nicht vorgesehen. Allerdings werden den Alptieren heuer Glocken umgehängt, wenn sie auf die grünen Alpwiesen ausrücken. «Das Geläute wird den Bären abhalten», ist Sandra Oehrli überzeugt.

Gefahr für Biker?

Sie weist darauf hin, dass dort, wo der Bär gesichtet wurde, im Sommer auch immer viele Wanderer und Mountainbiker unterwegs sind. «Das könnte nicht ungefährlich werden.» Die Älpler auf dem Drüschhubel jedenfalls sehen es pragmatisch. «Vielleicht wird sich der Bär ja positiv auf unser Geschäft auswirken», so die Älplerin weiter.

«Vielleicht wird sich der Bär ja positiv auf unser Geschäft auswirken.»

Älplerin Sandra Oberli

Ein «mulmiges Gefühl» beschleicht dagegen Heidi Fuchser. Sie bewirtschaftet mit ihrem Mann Christian die Alp Fall. Von dort sind es nur ein paar Hundert Meter zu der Stelle, wo der Bär dem Fotografen vor die Linse lief. «Die Hühner haben wir dieser ­Tage aber dennoch mit auf die Alp genommen», sagt Heidi Fuchser. Und weiter: «Wir werden bestimmt vorsichtiger sein, aber den Alpsommer ganz normal angehen.»

Respekt ­– wegen der Schafe

«Ich habe schon etwas Respekt, wenn unsere Schafe am kommenden Samstag genau dorthin gehen», sagt derweil Bäuerin Christine Kropf. Zumal dort, wo der Bär aufgetaucht ist, schon mal ein Luchs Schafe der Familie Kropf riss. Mit ihrem Mann Roland bewirtschaftet sie in der Geissegg einen Landwirtschaftsbetrieb mit fünfzig Schafen, Ziegen und Milchkühen.

«Wir haben uns auch schon überlegt, die Schafe mit einem Schutzhund oder einem Esel auf die Alp zu schicken», erläutert Christine Kropf. Weil dort im Sommer aber viele Touristen unterwegs sind, sei dies eben schwierig.

Kropfs werden heuer jedenfalls ihre Schafe, auch die kleinen, mit Glocken ausrüsten in der Hoffnung, dass das Gebimmel Bär und Luchs abhalten werde. Und: Sie werden während Wanderungen im Gebiet auf das Übernachten im Freien verzichten.

Keine Angst um seine Honigbienen hat Imker Samuel Eicher. Seit über fünfzig Jahren lässt er seine Bienen im Eriz fliegen. «Die Menschen richten an der Natur viel mehr Schaden an als ein Bär», sagt er.

Mehrfach gesichtet?

Unterdessen wollen weitere Personen den Bären gesehen haben – unter anderem im Teuffenthal, in Sigriswil oder im Schangnau. Zudem hat Christine Kropf nach ihren Angaben im Gebiet bereits im März entsprechende Spuren im Schnee entdeckt. «Allerdings dachte ich damals, die Spuren ­seien wohl von einem grossen Berner Sennenhund», sagt sie.

«Wir sind froh über diese Hinweise und nehmen sie ernst», betont der für das Zulgtal zuständige Wildhüter Andreas Rubin. Die einzelnen Beobachtungen könne das Jagdinspektorat indes nicht bestätigen. Zumal es, ausser dem Foto des Erizer Bürgers, bislang keine weiteren gesicherten Hinweise auf den Bären gibt. Weil es im Gebiet derzeit sehr trocken ist, sei es zudem «sehr schwierig», entsprechende Spuren in der Natur zu finden.

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