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Das tragische Ende einer Nacht

In Thun steht ein Mann vor Gericht, ihm wird vorgeworfen, seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben.

Der Vorfall geht zurück auf eine Oktobernacht 2016.
Der Vorfall geht zurück auf eine Oktobernacht 2016.
iStock

«Es war eine Nacht, nichts Besonderes eigentlich, sondern so weit alles normal», begann die Staatsanwältin ihr Plädoyer. Und sagte dann: «Es kam dazu, dass sich die Frau auf Sex einliess, auch das ist normal.» Nur kam dann alles ganz anders, als die Frau erwartet hatte. Der Mann verhielt sich grob, ja gewalttätig, wie die Frau später bei der Polizei aussagte.

Er liess sie kommen

Die beiden waren an jenem Freitagabend im Oktober 2016 unabhängig voneinander in Thun im Ausgang. Am frühen Samstagmorgen zwischen 3 und 4 Uhr schickte der Mann der Frau eine SMS und fragte, ob sie noch zu ihm kommen könne. Sie kannten sich da etwa ein halbes Jahr und hatten schon ein paarmal Sex miteinander gehabt.

Die Frau sagte zu, aber nur unter der Bedingung, dass es kameradschaftlich – das heisst ohne Sex – sei, weil sie gerade ihre Monatsblutung habe. Sie ging daraufhin zu ihm nach Hause, wo sie ihn in schlechtem Zustand antraf. Es war ihm übel, er musste erbrechen und war psychisch schlecht drauf.

Dass sie zuerst zusammen normalen Sex hatten, das erzählen beide noch gleich. Doch dann ­hören die Gemeinsamkeiten auf: Sie erzählt, wie er sie auf dem Sofa gepackt, niedergedrückt und festgehalten habe und grob in sie eingedrungen sei. Sie habe mehrmals Nein gesagt und versucht ihn abzuwehren, was ihr später gelang. Sie ging dann ins Bad.

Als sie von dort zurückkehrte, habe er sie nochmals – diesmal im Stehen – genommen, obwohl sie wiederum abgewehrt und auch gesagt habe, er tue ihr weh und sie wolle dies nicht. Schliesslich verliess sie die Wohnung und rief bei der Polizei an. Diese fand die Frau vor dem Haus, in dem die beiden Vergewaltigungen stattgefunden haben sollen.

Der Mann erzählte vor Gericht, dass es ihm nicht um Sex gegangen sei, als er sie bat zu kommen. Er wollte mit ihr über Probleme reden, die er hatte. Er habe den Sex in dieser Nacht nicht erzwungen. Als sie sagte, sie wolle nicht, habe er sie auch in Ruhe gelassen.

Es gab keine Zeugen

Wie immer in solchen Fällen gibt es keine Zeugen, sondern bloss die Angaben, die die beiden Beteiligten machen. Das Gericht muss herausfinden, wer die wahre Geschichte erzählt. Die Frau schildert ihre Erlebnisse mit Details, mit ihren Gedanken und Gefühlen und der Erleichterung, die sie verspürte, als sie wieder draussen stand. Seine Erzählung ist geordnet, nicht besonders detailreich und ein wenig beschönigend.

Die Staatsanwältin prüfte und verglich die Aussagen der beiden und ging schliesslich davon aus, dass die Frau die Wahrheit sagt. Sie verlangt eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Die Verteidigerin des Mannes hingegen geht nicht von Vergewaltigung aus und fordert vom Regionalgericht einen Freispruch. Zu welchem Ergebnis das Regionalgericht Oberland kommt, wird am Freitag bekannt gegeben.

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