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Zuhörbänkli im Bahnhof darf bleiben

Seit zwei Monaten lädt das Zuhörbänkli in der Thuner Bahnhofshalle ein zum Erzählen und Plaudern.

Initiantin Helen Zita Schlatter freut sich, dass das Zuhörbänkli in der Bahnhofshalle bleiben darf. Foto: zvg/Mara Ludwig
Initiantin Helen Zita Schlatter freut sich, dass das Zuhörbänkli in der Bahnhofshalle bleiben darf. Foto: zvg/Mara Ludwig

Eine Sitzgelegenheit in einer Bahnhofshalle mag nicht der schlechteste Ort sein, um mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen. Die gelb angestrichene Holzbank, die seit Anfang Dezember in der Thuner Bahnhofshalle steht, ist jedoch mehr als das. Sie ist auch für jene da, denen sonst niemand zuhört. Denn auf dem Zuhörbänkli des Vereins «Und – das Generationentandem» nehmen rund 20 Freiwillige regelmässig Platz, um einfach nur zuzuhören.

Eine «Einladung an alle»

«Das Zuhörbänkli ist eine Einladung an alle, Platz zu nehmen und zu erzählen, was einem momentan auf dem Herzen liegt», sagt Franz Klopfenstein, der im Rahmen der Aktion «Thun nimmt Platz» die Idee zum Bänkli hatte.

Helen Zita Schlatter vom Verein «Und – das Generationentandem» wollte das Angebot unbedingt am Leben erhalten. Die SBB bewilligten das Zuhörbänkli in einem ersten Schritt bis zum 31. Januar. Nun, nach den ersten zwei Monaten, zieht Schlatter eine durchwegs positive Bilanz.

Qualität vor Quantität

«Das Zuhörbänkli hat sich in Thun herumgesprochen», sagt Schlatter. Die Mehrheit der Gespräche entstünden sicher spontan und zufällig, beim Warten auf einen Anschlusszug oder -bus. Manche nützten das Angebot jedoch auch ganz gezielt.

Ein Wochenplan verrät einem, zu welchen Zeiten das Zuhörbänkli mit freiwilligen Zuhörerinnen und Zuhörern besetzt ist. Genutzt werde das Angebot von den unterschiedlichsten Menschen, sagt Schlatter, ob vom Ferienreisenden aus Dubai, von der ortsansässigen Schriftstellerin oder der Jugendlichen, die unter dem Druck in der Ausbildung leide. Statistik werde aber bewusst keine geführt. «Entscheidend ist nicht die Quantität, sondern die

Qualität, ob sich eine Person während der Zeit auf der Bank verstanden und angenommen fühlt», sagt Helen Zita Schlatter.

Sie selbst hatte lustige Begegnungen, bei denen viel gelacht wurde. Dann denkt sie aber auch an das Gespräch mit der Frau, die gerade von ihrem Mann verlassen wurde. Oder an den Obdachlosen und seine riesige Dankbarkeit für die Stulpen und Pulswärmer, die sie für ihn gestrickt hatte. «Jedes einzelne Gespräch hinterlässt in mir etwas», sagt sie. Umso mehr freut es sie, dass letzte Woche durch die SBB der Entscheid fiel, dass das Zuhörbänkli bis auf weiteres in der Bahnhofshalle bleiben darf.

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