«Deheime läbe im Alter – wie?»

Thun

Der Wunsch, im Alter zu Hause in der vertrauten Umgebung bleiben zu können, ist nicht neu. Die 15. Erfa-Tagung von Pro Senior widmete sich in Thun diesem Thema und suchte nach Antworten.

Werner Schärer, Direktor von Pro Senectute Schweiz, mit Eveline Widmer-Schlumpf, Präsidentin des Stiftungsrates Pro Senectute Schweiz. Foto: hko

Werner Schärer, Direktor von Pro Senectute Schweiz, mit Eveline Widmer-Schlumpf, Präsidentin des Stiftungsrates Pro Senectute Schweiz. Foto: hko

«Mensch sein heisst wohnen.» Mit diesen Worten des deutschen Philosophen Martin Heidegger (1889–1976) begrüsste Peter Siegenthaler, Vizestadtpräsident und Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales, am Dienstag die rund 280 Anwesenden im Kultur- und Kongresszentrum Thun, die zur 15. Erfa-Tagung von Pro Senior Bern zum Austausch von Wissen und Erfahrung in Altersfragen angereist waren.

Diese Grussbotschaft passte ausgezeichnet zum Tagungsthema, das dem Wohnen im Alter gewidmet war. Der Anlass richtete sich an Behörden und Entscheidungsträger vorwiegend des Kantons Bern, an die Einwohner- und Kirchgemeinden sowie an Institutionen und Organisationen des Altersbereiches.

Selbstständig bis ins hohe Alter

Den Reigen der Referate eröffneten Eveline Widmer-Schlumpf, Präsidentin des Stiftungsrates Pro Senectute Schweiz, und Werner Schärer, Direktor von Pro Senectute Schweiz. Sie analysierten die Perspektiven, die Finanzierung und die gesellschaftlichen Aspekte der alternden Gesellschaft unter Wahrung von Autonomie und Selbstständigkeit bis ins hohe Alter.

«In den Gründerjahren von Pro Senectute stand die Linderung der existenziellen Not unter alten Menschen im Zentrum der Aktivitäten der im Jahr 1917 ins Leben gerufenen Stiftung», sagte Widmer-Schlumpf. Schon bald seien nach der Altersvorsorge Wohnfragen in den Mittelpunkt der Tätigkeit von Pro Senectute gerückt. So entstand 1932 in Genf die erste Wohnsiedlung mit 165 Wohn­einheiten für alleinstehende Frauen.

Nach dem Rückblick kamen die Vortragenden auf die aktuelle Situation mit den veränderten Lebensformen und der erhöhten Lebenserwartung zu sprechen. «Das stellt uns vor grosse Herausforderungen», waren sie sich einig. Sie zeigten sich jedoch zuversichtlich, dass die Verfügbarkeit von Unterstützungs-, Betreuungs- und Pflegeangeboten wie beispielsweise der Spitex, sowie vermehrt auch von technischen Hilfsmitteln dazu führen werde, dass die Anzahl Menschen, die ihr Leben bis ins hohe Alter zu Hause verbringen könnten, weiter steigen werde.

Ein Kostenvergleich zeige, dass das Leben zu Hause auch volkswirtschaftlich günstiger ausfalle als ein Aufenthalt im Alters- oder ein Pflegeheim. «Eine zentrale Bedeutung kommt dabei der Hilfe durch Angehörige und Nahestehende zu», sind sie überzeugt.

Keine Patentrezepte – aber viele Denkanstösse

Die weiteren Vorträge der Fachpersonen betrafen die gute Betreuung im Alter in der Schweiz, Nachbarschaftshilfe mit Zeitgutschriften (Verein Kiss), die sozialen Aspekte des Wohnens im Alter, die Entwicklung der regionalen Altersarbeit im Frutigland und die Entwicklungen in der Stadt Bern. Patentrezepte konnten keine präsentiert werden, vermittelt wurden aber viele Denkanstösse.

Neben den sechs Referaten war die Tagung auch ein idealer Ort dafür, sich zu vernetzen und Erfahrungen auszutauschen. Daneben hatten an die zwanzig Organisationen einen Infomarkt aufgebaut, der von den Teilnehmern rege besucht wurde.

Musikalisch umrahmt wurde die Tagung von Jucharte.

Thuner Tagblatt

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