Der Digitaltag ist noch kein Strassenfeger

Thun

Erstmals fand der Schweizer Digitaltag am Dienstag auch in Thun statt. Noch spricht die Veranstaltung vorab Insider an.

Versuchten, die «Smart City» zu definieren (v.l.): Pfarrer Kurt Schweiss, Energie-Fachmann Markus Riner, Edy Portmann von der Uni Freiburg, Daniel Wedtli von der Kantonspolizei, Steffisburgs Gemeindepräsident Jürg Marti, seine Spiezer Amtskollegin Jolanda Brunner und Moderator Peter Jost vom Thuner Stadtmarketing. Foto: Patric Spahni

Versuchten, die «Smart City» zu definieren (v.l.): Pfarrer Kurt Schweiss, Energie-Fachmann Markus Riner, Edy Portmann von der Uni Freiburg, Daniel Wedtli von der Kantonspolizei, Steffisburgs Gemeindepräsident Jürg Marti, seine Spiezer Amtskollegin Jolanda Brunner und Moderator Peter Jost vom Thuner Stadtmarketing. Foto: Patric Spahni

Marco Zysset@zyssetli

Nein, ein Strassenfeger war der Digitaltag im Kino Rex nicht. Zu viele Plätze waren bei den Referaten im Saal noch frei, zu gross der Anteil an bekannten Gesichtern aus der Branche gegenüber zufälligen Passantinnen und Passanten. Aber die Referate und Diskussionsrunden illustrierten eindrücklich, wie viele Gesichter Begriffe wie «Digitalisierung» oder «Smart City» haben.

Während die Spiezer Gemeindepräsidentin Jolanda Brunner (SVP) aufzeigte, wie die Gemeinde an einer App arbeitet, über die Bürger Beobachtungen und Inputs direkt an die Verwaltung einreichen können, plädierte ihr Steffisburger Amtskollege Jürg Marti (SVP) dafür, den Verkehr regional zu lenken – und das Velo als Verkehrsmittel für kurze Distanzen zu fördern. «Denn: Die meisten Fahrten sind kürzer als fünf Kilometer.»

Vielseitiger Marktplatz

Auch das Online-Erfassen von Anzeigen ist eine Facette der Digitalisierung, die im Alltag ganz konkret wirken kann. «Auch wenn unsere Infrastruktur vernetzt ist, wir deshalb weniger Zeit am Schreibtisch verbringen und mehr Zeit in der Stadt unterwegs sein können, profitieren Bürgerinnen und Bürger», sagte Daniel Wedtli, Chef der Polizei Thun, am Dienstag im Kino Rex.

Die Kantonspolizei und sieben weitere Institutionen zeigten auf einem Marktplatz im Rahmen des Digitaltags, wie sie mit dem Thema umgehen. Während die Schüler von «Progy-Robotik» vom gleichnamigen Thuner Oberstufenschulhaus demonstrierten, wie Lego-Roboter vorgegebene Aufgaben erfüllen, erklärte Michael Imboden am Stand eines Versicherers, dass man sich gegen die Folgen von Datenverlust, Urheberrechtsverletzung oder Persönlichkeitsverletzung im Internet versichern lassen kann. André Renfer, Mitglied der Geschäftsleitung der Hypothekarbank Lenzburg AG, hatte zuvor im Referat erläutert, wie die «Hypi» es schaffte, als Regionalbank zu einem der führenden Dienstleister für Finanztechnologie in Europa zu werden. Seine Botschaft: «Nicht die Bank steht im Mittelpunkt. Es geht um den Kunden.»

Zufriedene Veranstalter

Während in Thun vor allem Diskussion, Information und Austausch auf dem Programm standen, ging es am Digitaltag in anderen Städten ans Eingemachte: In Basel lernten Politiker beispielsweise bei den ICT-Scouts in Workshops, wie man einfache Computerprogramme schreibt. In Thun reichte es noch nicht für dieses Angebot – nicht zuletzt, weil die Standbetreiber nicht genügend Leute hätten stellen können, um solche Workshops anbieten zu können.

Eine Tatsache, die Digitalisierungsskeptiker am Ende milde stimmen könnte. Denn sie zeigt: Digitalisierung geht nicht ohne Menschen. Vielleicht nicht zuletzt deshalb fiel die Bilanz von Stefan Otziger, Geschäftsführer des Wirtschaftsraums Thun, trotz vergleichsweise bescheidenem Publikumsinteresse positiv aus. «Gerade in Anbetracht dessen, dass wir den Anlass sehr kurzfristig noch organisieren konnten, sind wir zufrieden», sagte er. «Und ich bin guter Dinge, dass die Veranstaltung in irgendeiner Form eine Fortsetzung finden wird.»

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