Thun

Der Herr über Zeiten und Abläufe

Thun Hannes Erb ist seit der ersten Ausgabe des Rocket Air zuständig für die Betreuung der Fahrer. Ein Job zwischen Kindergarten und Management – auch am nächsten Wochenende wieder.

Sie sind die Chefs über den Kurs am Rocket Air: Kursbauer Ramon Hunziker (rechts) bespricht sich mit Hannes Erb, der als Rennleiter die Verantwortung dafür hat,  dass der Wettkampf reibungslos abläuft.

Sie sind die Chefs über den Kurs am Rocket Air: Kursbauer Ramon Hunziker (rechts) bespricht sich mit Hannes Erb, der als Rennleiter die Verantwortung dafür hat, dass der Wettkampf reibungslos abläuft. Bild: André Maurer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er lag im Spital, als die Brüder Jérôme und Ramon Hunziker ihm bei einem Besuch ihre Idee für einen Freestyle-Bike-Event in der Thuner Eishalle eröffneten. «Ich stand wohl unter dem Einfluss der Medikamente, als ich einfach so zusagte», flachst Hannes Erb. Die Hunzikers kannte er schon länger, und dass es in der Thuner Bikeszene eine Handvoll auffälliger Figuren gibt, war ihm als Mitglied der legendären Dört-Crew durchaus bekannt. So gehörte Erb zu den Pionieren des Bike- und Freestylesports in Thun.

«Angefixt wurde ich im Rollorama», sagt der heute 40-Jährige, der in Thierachern aufgewachsen ist. Von der Freizeithalle im ehemaligen Selve-Areal führte ihn seine «Karriere» auf den Hof von Freunden in Höfen. «Wir durften dort unsere eigenen Schanzen fürs BMX-Fahren aus Erde bauen», sagt Erb. Auf diesem Hof begegnete er denn auch den Hunzikers und ihren Bikes, die nicht mehr BMX, aber auch nicht so gross wie die damals gängigen Mountainbikes waren.

Pioniere und Charakterköpfe

Dieser Mix aus Pioniergeist und der Fähigkeit, mit Charakteren umzugehen, die nicht immer stromlinienförmig leben und handeln, kommt Erb nun bei seinem Job für den Rocket Air zugute. Als Rennleiter bezeichnet er sich selber, Contest Manager steht im Organigramm neben seinem Namen. «Ich stelle die Jury zusammen, die Teams zur Betreuung der Fahrer, die Starter – und schreibe den Detailablauf zuhanden der Regie für die grossen Bildschirme in der Eishalle», fasst Erb sein Aufgabengebiet zusammen, «insgesamt rund 20 Personen.» Oder mit anderen Worten: Er ist der Herr über Zeiten und Abläufe an einem Event, der bekannt ist für ein ekstatisches Publikum, das Fahrern zujubelt, die – so sagt man – nicht immer fähig oder willens sind, sich in geordnete Strukturen einzufügen.

Wie im Kindergarten?

«Manchmal komme ich mir schon vor wie in einem Kindergarten», sagt Erb und grinst. «Wir haben wirklich einen tollen Umgang mit den Fahrern», sagt er. «Aber es gibt ein paar unter ihnen, denen man in der Tat alles zehnmal sagen muss.» Ist das nicht mühsam? «Diese Frage stelle ich mir gar nicht. Ihr Job ist das Fahren. Wir kümmern uns um alles andere.» Die oberste Devise beim Freestyle-Event, der nächstes Wochenende zum 9. Mal in der Eishalle Grabengut stattfindet (vgl. Kasten), laute seit Anbeginn «Von Fahrern für Fahrer», sagt Erb.

Und das werde geschätzt. «Wo sie an anderen Events zwei, drei Trainingsläufe absolvieren können, können es hier in Thun auch deren fünfzig werden», weiss der Rennleiter. «Und letztlich ist es das, was die Fahrer wollen: fahren.» Dass sie das tun können, danken sie Jahr für Jahr mit spektakuläreren Tricks.

Ab in die Wellen

Was die Fahrer indes auch noch wollen, ist feiern. «Natürlich hat es in den letzten Jahren die eine oder andere Geschichte gegeben – aber die wollen wir nicht in der Zeitung lesen», sagt Erb und grinst wieder – um dann doch zu verraten: «Die Idee, die wir 2013 hatten, als wir den Siegern Kuhglocken schenkten, war keine gute. Wir entschuldigen uns nachträglich bei den Hotelgästen . . .!»

Wenn der Tross der FMB-Welttour, zu deren zehn wichtigsten Events der Contest in Thun gehört, weitergezogen ist, zieht es Hannes Erb jeweils auch in andere Gefilde. Neben Biken und Snowboarden ist das Surfen seine grosse Leidenschaft. «Am liebsten auf Sumbawa in Indonesien – aber heuer auf den Malediven», erklärt der Elektrotechniker, der heute in Gunten lebt und seit 17 Jahren bei Meyer Burger arbeitet. Wenn sein Wesen als treue Seele neben der Fähigkeit, Zeitpläne zu managen und eine Horde bisweilen leicht Verrückter junger Erwachsener im Zaum zu halten, seine wichtigste Eigenschaft ist, dann stehen die Chancen gut, dass er dem Rocket Air in der Thuner Eishalle noch eine Weile erhalten bleibt.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 25.04.2018, 06:46 Uhr

Artikel zum Thema

Rocket Air fliegt in die Zukunft

Thun Die neunte Ausgabe des Swatch Rocket Air steht unter dem Motto «Rocket Air 3000». Der Vorverkauf für den Thuner Bike-Event vom 27. und 28. April ist eröffnet. Mehr...

«Die Rocket Air-Organisatoren geben extrem Gas»

Einst produzierte er VHS-Kassetten von der Street-Parade, jetzt liefert er Bilder vom Rocket Air via Youtube in die ganze Welt: der Thuner TV-Macher Toni Krebs. Mehr...

Rocket Air mit neuem Publikumsrekord

Thun Perfektes Wetter am Samstag, Sportler in Hochform und Publikum, das in Scharen kam: Der 8. Swatch Rocket Air wurde zum Grosserfolg. Im Wettkampf schwang Nicholi Rogatkin aus den USA obenaus. Mehr...

Programm

Wer einen Sprung in die Zukunft wagen will, kann das am Wochenende in Thun tun: «In der Nacht auf Donnerstag springen die Uhren 982 Jahre vorwärts», schreiben die Veranstalter des Swatch Rocket Air.
Wie sieht die Welt im Jahr 3000 aus? Diese Frage hatte die Organisatoren umgetrieben – und zwar derart, dass sie sich entschieden, die 9. Ausgabe des grössten Freestyle-Bike-Events der Schweiz in eine ferne Zukunft zu verlegen. Seit letzter Woche bauen rund 30 Helfer aus 3000 Paletten Landungen um, schütten zig Kubikmeter Humus auf und balancieren auf schwindelerregenden Gerüsten, um acht Meter hohe Drops auf Raketenabschussrampen zu errichten.
Dreifacher Sieger?
Mit Nicholi Rogatkin und Thomas Genon sind die Gewinner der letzten vier Jahre am Start. Nachdem Thomas Genon den Rocket Air 2014 und 2015 mit technischer Exzellenz für sich entschieden hatte, konnte Nicholi Rogatkin in den letzten zwei Jahren mit drei­fachen Drehungen zuschlagen. «Die Zuschauer trieben mich zu Bestleistungen an», meinte Rogatkin nach seinem Sieg im Jahr 2017, «was wir hier in der Thuner Eishalle erleben, ist einzigartig auf der Tour.» Neben den beiden Topfavoriten mischt ein weiterer zweifacher Gewinner mit, der Brite Sam Pilgrim.
Bevor aber am Samstag entschieden wird, ob sich ein neuer Fahrer in die Siegerliste einträgt oder ob es einen Dreifachsieger gibt, steigt am Freitag die grosse Teambattle. In dieser werden die 45 Fahrer in sechs Teams aufgeteilt und die Eishalle mit einer spektakulären Show zum Kochen bringen.
Kunstrad und BMX
Im Rahmenprogramm batteln sich Kunstrad- und BMX-Flatland-Künstler – Velokunst von gestern trifft auf Style von morgen. Hinzu kommt eine spektakuläre Trial-Show; auch Trial ist eine Velokunst, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, ohne an Faszination einzubüssen. Heiss zu und her gehen wird es zweifellos auch beim Bergamont Pumptrack-Race, bei dem sich alle auf den wilden Wellenritt wagen können. Abgerundet werden die Side-Events von zahlreichen Familienaktivitäten – unter andrem dem beliebten Like-a-Bike- Race – sowie musikalischen Highlights. Traditions­gemäss wird am Samstag im Club The Legacy auch dieses Jahr die ­legendäre Big Baang Party gefeiert – treu nach dem Motto: «Party with the Riders!».
Der Rocket Air wird am Samstag um 19 Uhr live auf Rocketair.ch und auf Teleclub übertragen. Tickets sind online sowie an den Tageskassen erhältlich. Am Freitag sind Gelände und Gastronomie ab 15 Uhr geöffnet, am Samstag ab 11 Uhr. Die Teambattle am Freitag beginnt um 20.30 Uhr, der Final um den Rocket Air Slopestyle am Samstag um 19 Uhr. (pd/maz)

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Kommentare

Blogs

History Reloaded Die Schweiz, ein Land der Streiks

Beruf + Berufung Die Angst des Rebellen

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Light- Abo.

Den Berner Oberländer digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...