Der Schritt am Strand

Mit der Europa- und der Weltmeisterschaft stehen für Christa von Niederhäusern die Saisonhöhepunkte an. Doch die bald 19-jährige Wattenwilerin hat ein Problem: Sie geht derzeit an ­Krücken.

Christa von Niederhäusern bestreitet ihre erste Saison als Elitefahrerin.

Christa von Niederhäusern bestreitet ihre erste Saison als Elitefahrerin.

(Bild: Andreas Blatter)

Peter Berger@PeterBerger67

Mit Knieschiene und Krücken wartet Christa von Niederhäusern beim vereinbarten Termin auf der BMX-Bahn in Blumenstein. An ein geplantes Fotoshooting mit spektakulären Bildern auf dem Parcours ist nicht zu denken. Die Verletzung am rechten Knie bedeutet für die junge Frau allerdings nicht das Ende.

Ärgerlich ist der Rückschlag indes allemal. Von Niederhäusern bestreitet ihre erste Saison als Elitefahrerin und wurde von Swiss-Cycling gleich für die EM in Bordeaux (14.–16. Juli) und die WM im amerikanischen Rock Hill (25. –29. Juli) selektioniert – als einzige Schweizerin. «Natürlich ist die Verletzung sehr schade, aber ich bin noch jung. Das wird nicht meine letzte Chance sein», sagt die Ende Monat 19 Jahre alt werdende Wattenwilerin.

Missgeschick in Valencia

Eben erst hat von Niederhäusern das Gymnasium in Thun absolviert. Der gemeinsame Ausflug in der letzten Juniwoche nach Valencia bildete den Abschluss . «Da ist es passiert. Wir waren am Strand, ich machte einen Schritt zurück und hörte es knacken.» Vor eineinhalb Jahren hatte sie ein ähnliches Geräusch im rechten Knie gehört, als sie sich nur umdrehen und in eine andere Richtung gehen wollte.

Abklärungen und MRI-Untersuchungen haben mittlerweile ihre Vermutung bestätigt: «Die Kniescheibe ist tatsächlich wieder rausgesprungen. Jetzt habe ich einen neuen Knorpelschaden und das Kniescheiben-Halteband ist gerissen.»

Ich bin noch jung. Das wird nicht meine letzte Chance sein.Christa von Niederhäusern

Paradoxerweise hat das alles nichts mit ihrer Passion, dem BMX, zu tun. Eine leichte Hirnerschütterung ist bis anhin das grösste Malheur, das sie sich bei ihrem Sport zugezogen hat. Schürfungen und Prellungen zählt sie nicht dazu. «Stürze gibt es immer wieder, wenn acht Athletinnen gleichzeitig um die beste Position kämpfen.»

Stürze hatte sie auch diese Saison schon, aber nicht zu Beginn. Im belgischen Zolder fuhr von Niederhäusern Anfang April im Europacup auf die Ränge 6 und 8. «Diese Resultate bilden bisher meine Highlights.» Klar, als Juniorin erreichte sie schon zweimal einen EM-Halbfinal, aber in der Elite fahren die Cracks, wie bei den Männern etwa der Schweizer Olympiateilnehmer David Graf.

Von Niederhäusern sieht noch viel Potenzial. Rund 15 Stunden pro Woche beträgt der Trainingsumfang. «Neben dem Üben der Technik auf der Bahn gehören da auch Sprints, Kondition oder Krafttrainings dazu.» Und regelmässig reist von Niederhäusern nach Grenchen in die grosse BMX- und Pumptrackanlage. «Dort übe ich vor allem Starts. Wie man aus den Gates kommt, ist im BMX entscheidend, denn es ist definitiv einfacher, vorne wegzufahren, als zu überholen.»

Bisher war der Start ihre Schwäche. Doch die Einheiten mit Kadertrainer Hervé Krebs zahlen sich aus. «In diesem Jahr ist es mir gelungen, die Bewegungsabläufe so zu verändern, dass die Kraft ideal auf die Pedale übertragen wird.»

«Mein Vater fährt mittlerweile auch BMX und ist sogar Trainer geworden.»Christa von Niederhäusern

BMX ist eine Randsportart. Die Reisen nach Frankreich, Belgien, England oder Dänemark müssen in der Regel selber bezahlt und organisiert werden. «Wir sind oft mit dem Wohnwagen unterwegs», erzählt die Bernerin.

«Wir» bedeutet bei von Nieder­häuserns die ganze Familie. «Ideal ist, dass mein eineinhalb Jahre jüngerer Bruder Nils und ich das gleiche Hobby haben. Mein Vater fährt mittlerweile auch BMX und ist sogar Trainer geworden.» Die Mutter, eine Lehrerin, macht die Reisen ebenfalls mit. «Der Aufwand ist riesig, aber auch schön. Die gemeinsamen Wochenenden schweissen unsere Familie zusammen.»

Sport und Studium

Derzeit plant von Niederhäusern nicht nur ihre sportliche Zukunft. Am vergangenen Freitag absolvierte sie die Zulassungsprüfung für ein Medizinstudium. «Klappt es, beginne ich in Freiburg ein Studium. Allerdings lasse ich mir das BMX dadurch nicht nehmen.»

Und sogar die neue Verletzung kann sie nicht von ihrem Sport abhalten. «Die Ärzte haben mir die Starterlaubnis für die WM in den USA Ende Monat gegeben, wenn mein Knie die Belastung aushält.»

Danach allerdings wird eine Operation unumgänglich sein, aber wie schon bei der ersten Verletzung ist von Niederhäusern fest entschlossen, spätestens nach drei Monaten wieder auf dem BMX zu sitzen.

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