Thun

Gymer-Neubauten für 55 Millionen

ThunDer Kanton gibt den Standort Seefeld des Thuner Gymnasiums auf. Dafür wird beim Standort Schadau ausgebaut. Kostenpunkt: 55 Millionen Franken.

Dort, wo heute Veloständer und ein Schulraumprovisorium stehen, plant der Kanton beim Gymnasium in der Schadau einen Neubau.

Dort, wo heute Veloständer und ein Schulraumprovisorium stehen, plant der Kanton beim Gymnasium in der Schadau einen Neubau. Bild: Patric Spahni

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Ich bin sicher, dass wir der ­wunderschönen Anlage im Seefeld mitunter nachtrauern werden.» Das sagt Hans-Ueli Ruchti, Rektor des Gymnasiums Thun. Aber: «Zusammen mit dem Kollegium und den Mitarbeitenden bin ich überaus dankbar, dass nach der organisatorischen Zusammenführung der Thuner Gymnasien die Fusion jetzt auch örtlich vollzogen wird und dadurch die Entwicklung der Schule auf einen verlässlichen Horizont ausgerichtet werden kann», sagt der Gymer-Rektor.

Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) des Kantons Bern gab am Donnerstag bekannt, dass der Standort Seefeld des Gymnasiums Thun aufgehoben wird und der gesamte gymnasiale Unterricht am Standort Schadau erfolgt.

Fusion vor vier Jahren

Bereits 2014 wurden das Gym­nasium Schadau und das Gym­nasium Seefeld organisatorisch zum Gymnasium Thun zusammengelegt. Die beiden Standorte blieben aber bestehen. «Ein Umstand, den wir von der Schul­leitung von Anfang an kritisiert hatten», wie Hans-Ueli Ruchti betont.

Denn die gewünschten Effekte wie Effizienz- und Qua­litätssteigerungen und nicht zuletzt Kosteneinsparungen würden erst eintreten, wenn die Schule an einem Standort zusammengelegt werde.

Heute sind die acht Liegenschaften am Standort Seefeld stark sanierungsbedürftig. Zudem stieg gemäss der kantonalen Mitteilung durch die Integration der Quartaklassen in die Gymnasien an beiden Standorten der Raumbedarf.

Zum Teil erfolgt der Unterricht heute in drei Provisorien und in zugemieteten Räumen. «Auf Dauer ist dieser Zustand unhaltbar», schreibt die BVE. Und weiter: «Vertiefte Abklärungen haben gezeigt, dass eine Verlegung des Unterrichts an den Standort Schadau am op­timalsten ist.»

Aus- und Neubauten

Dazu muss dieser Standort – wie bereits seit längerem geplant – ausgebaut werden. Die entsprechende Überbauungsordnung wurde schon im Frühling 2015 ­genehmigt. Die geplante Erweiterung des Hauptgebäudes am Standort Schadau basiert auf dem Projekt «Focus», das 2006 in einem Architekturwettbewerb als Siegerprojekt hervorging.

In den Jahren 2022 bis 2025 soll das Hauptgebäude nördlich gegen die Marienstrasse mit einem Anbau ergänzt werden. Östlich des Hauptgebäudes ist ausserdem ein Neubau für weitere Unterrichtsräume geplant. Zusätzlich soll östlich neben der heutigen Sporthalle eine neue Doppelturnhalle mit Unterrichtsräumen gebaut werden.

Die beiden Provisorien am Standort Schadau werden aufgehoben. Ziel ist, dass ab dem Schuljahr 2025/2026 der gesamte gymnasiale Unterricht in Thun in der Schadau stattfindet. Im Gymnasium Thun unterrichten derzeit 156 Lehrpersonen rund 1140 Schülerinnen und Schüler in 55 Klassen. Davon sind 26 Klassen hauptsächlich im Seefeld «stationiert».

So soll das Gymnasium Schadau bis 2025 erweitert werden. Klicken Sie auf die Grafik, um diese zu vergrössern.

Übernimmt Stadt im Seefeld?

Der Kanton rechnet mit Netto­investitionen von rund 55 Millionen Franken. Die acht kantonalen Liegenschaften am Standort Seefeld sollen verkauft werden. Der Gemeinderat und städtische Bildungsvorsteher Roman Gimmel (SVP) begrüsst den Entscheid des Kantons ebenso wie Rektor Ruchti. «Die Stadt steht seit dem Jahr 2013 in Kontakt mit dem Kanton bezüglich der Zukunft des Seefelds.»

Eine naheliegende Variante sei, einen Teil der Liegenschaften im Areal vom Kanton zu erwerben und als städtische Schule zu nutzen, um nicht – wie früher angedacht – einen Neubau im selben Quartier ins Auge fassen zu müssen. Mit Blick auf die Tatsache, dass die Stadt die Liegenschaften frühestens 2025 übernehmen könnte und dann auch noch Sanierungsarbeiten anstünden, bleibe indes «bis auf weiteres» alles beim Alten; die Arbeiten an der Schubert- sowie an der Äusseren Ringstrasse liefen nach Plan weiter, so Gimmel.

«Wir können jetzt jedoch die konkrete Planung in Angriff nehmen – entsprechende Aufträge zur Prüfung des weiteren Vorgehens hat der Gemeinderat bereits erteilt.» Zur langfristigen Schulraumplanung im Gebiet Seefeld und zum damit allenfalls verbundenen Erwerb von Liegenschaften sowie zur Aufhebung von Schulstandorten wird sich der Gemeinderat erst noch äussern müssen. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 27.04.2018, 08:21 Uhr

Vorgeschichte

Der bernische Grosse Rat beschloss Ende 2013 die Fusion der Thuner Gymnasien. Ein alternativer Sparvorschlag der beiden Schulleitungen fand kein Gehör. Gegen die Fusion hatten insbesondere Schüler des Gymnasiums Seefeld mobil gemacht. Entsprechend gross war die Enttäuschung über den Entscheid des Grossen Rates. Unter anderem trat deshalb die Seefelder Co-Schulleiterin Christine Greder-Specht von ihrem Amt zurück.

Schubertstrasse

«Unser Ziel ist, dass die beiden Klassen in den oder spätestens nach den Herbstferien umziehen können», sagt Konrad Hädener (CVP), Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften der Stadt Thun. Die Rede ist von den beiden Schulklassen, die seit Beginn dieses Schuljahres nicht mehr in die Baracke der Seefeld-Schule, sondern in das Pestalozzischulhaus zur Schule gehen. ­Dieser Umzug war aber nur vor­übergehend. Nun wurde im «Thuner Amtsanzeiger» die Baupublikation zum geplanten Abriss der bestehenden Holzbaracken und zum Ersatz durch neue Container an der Schubertstrasse veröffentlicht. «Geplant sind Klassenzimmer und ein Gemeinschaftsraum für zwei Klassen», sagt Hädener. «Die Containermodule werden nach unseren Spezifikationen gefertigt, geliefert und aufgestellt.» Das Baugesuch liegt beim Bauinspektorat Thun auf und kann dort eingesehen werden. Einsprachen können bis zum 7. Mai beim Regierungsstatthalteramt eingereicht werden.
Beim Neubau des Doppelkindergartens an der Äusseren Ringstrasse braucht es laut Konrad Hädener im Mai noch leichte Anpassungen im Zonenplan. Man wolle den Kindergarten aber auf jeden Fall unabhängig von allen Möglichkeiten, die der Kanton biete, neu erstellen.iek

Artikel zum Thema

Gymnasium Seefeld: Co-Rektorin tritt wegen Fusion zurück

Thun Die Mittelschulfusion in Thun sorgt für einen ersten Abgang: Die Seefelder Co-Schulleiterin Christine Greder-Specht tritt im Sommer zurück. Mehr...

6000 Unterschriften gegen Gymer-Schliessung

Thun Die Schülerinnen und Schüler des Thuner Gymnasiums Seefeld kämpfen um den Fortbestand ihres Gymers. Sie haben mehr als 6000 Unterschriften für ihre Petition «Pro Seefeld» gesammelt. Mehr...

Erziehungsdirektor Pulver erklärt die Fusionsgründe

Am Montag startet die Session des Grossen Rats in Bern. Zur Debatte stehen gewaltige Sparpakete. Da nimmt sich die geplante Fusion der Thuner Mittelschulen als Randnotiz aus. Dennoch gibt Regierungsrat Bernhard Pulver zu, dass er die Reaktion unterschätzt hat. Mehr...

Paid Post

Tipps für eine einfache und sichere Tourplanung

Das Smartphone ist auf gutem Weg, die Skitourenplanung zu erobern. Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Helfer.

Kommentare

Blogs

Geldblog So werden Sie im Alter zum Lebenskünstler

Mamablog Gewalt entsteht aus Überforderung

Die Welt in Bildern

Ungewisse Zukunft: Ein Indischer Fischer wartet in einem Gefängnis in Karachi, Pakistan auf seine Bestrafung. Er wurde gemeinsam mit elf weiteren Männern von der Marine aufgegriffen, als sie versehentlich in pakistanischem Hoheitsgebiet unterwegs waren. Indien und Pakistan nehmen regelmässig Fischer des jeweils anderen Landes fest, da die Territorien im Meer nicht klar abgegrenzt sind. (18. November 2018)
(Bild: SHAHZAIB AKBER) Mehr...