Deutliches Votum des Stimmvolkes

Heimberg

Fast drei Viertel der Stimmenden sagten am Sonntag Nein zur Süderschliessung. Damit ist die direkte Anbindung von Heimbergs Süden an den Bypass Thun-Nord und den Autobahnzubringer vom Tisch. Zumindest vorerst.

Heimberg sagt Nein – diese Landschaft bleibt also vorerst unangetastet. Durch das braune Feld in der linken Bildhälfte hätte die Süderschliessung Heimberg an den Autobahnzubringer (im Hintergrund) anbinden sollen.

Heimberg sagt Nein – diese Landschaft bleibt also vorerst unangetastet. Durch das braune Feld in der linken Bildhälfte hätte die Süderschliessung Heimberg an den Autobahnzubringer (im Hintergrund) anbinden sollen.

(Bild: Christoph Gerber)

Marco Zysset@zyssetli

Das Verdikt an der Urne ist klar: Mit 1403 oder 73,8 Prozent Nein- gegen 497 oder 26,2 Prozent Ja-Stimmen haben die Heimberger Stimmberechtigten die Süderschliessung abgelehnt.

Damit sagten sie Nein zum 6,959 Millionen Franken teuren Strassenprojekt, das die Obere Au – namentlich den Jägerweg und die Blümlis­alpstrasse – hätte vom Gewerbeverkehr entlasten und das dortige Gewerbe über die Zulg und Steffisburg direkt an den Bypass Thun-Nord sowie den Autobahnzubringer anschliessen sollen.

Zufriedene Gegner

Die Gegner, die in den letzten Wochen mit einer wahren Flut an Flugblättern alles unternommen hatten, um die Abstimmung zu ihren Gunsten zu beeinflussen (wir berichteten), zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis: «Die Kosten und der Nutzen hätten nicht gestimmt», sagte etwa Hans-Ulrich von Gunten, Präsident des Leists Obere Au, durch dessen Gebiet die neue Strasse geführt hätte.

In den Augen von Ruedi Remund, Präsident der Grünen, war das Projekt «nicht ausgereift». Dies und die Kosten sieht er als Hauptgrund für das klare Nein der Bevölkerung zur Süderschliessung.

SP-Präsidentin Andrea Hari sagte, die Deutlichkeit des Votums sei für sie überraschend. «Aber offenbar hat nicht nur die direkt betroffene Bevölkerung genug vom rasanten Wachstum der letzten Jahre.»

Froh, dass Verdikt klar ausfiel

Gemeindepräsident Niklaus Röth­lisberger (SVP) betonte, er sei froh, dass das Verdikt klar ausfiel – auch wenn es inhaltlich nicht dem entspreche, was er und der Gemeinderat sich gewünscht hätten. Insbesondere die vergleichsweise hohe Stimmbeteiligung von 40,27 Prozent – höher als bei den nationalen Vorlagen am Sonntagern – zeige, dass der Entscheid «im ganzen Dorf breit abgestützt» sei.

«Da hat nicht ein betroffenes Quartier alle anderen überstimmt. Dafür bin ich dankbar», sagte Röthlisberger. Und: «Offenbar war die Besorgnis der Heimberger Stimmberechtigten über die hohen Investitionskosten sehr gross.» Gleichwohl sei er überzeugt, dass «eine einmalige Chance für die Ortsentwicklung vergeben» worden sei. «Ein allfälliger neuer Anlauf dürfte definitiv eine Aufgabe für die nächste oder gar übernächste Generation sein.»

Neuauflage wird kommen

Eine Aussage, der auch die Gegner zustimmen. Ruedi Remund wünscht sich, dass dieses «unglückliche Projekt für mindestens 20 Jahre entsorgt wird», und Andrea Hari ist dankbar, dass das Stimmvolk «Handlungs- und Entwicklungsspielraum für die kommenden Generationen freigehalten hat.» Hans-Ulrich von Gunten sagte, die Strasse könne dann gebaut werden, «wenn sie wirklich nötig ist».

Dass die Süderschliessung ein für allemal vom Tisch ist, darf in der Tat angezweifelt werden. Die Obere Au ist der einzige Ortsteil, in dem sich Heimberg noch substanziell entwickeln kann. Zudem wird spätestens Mitte der 20er-Jahre die Sanierung und Renaturierung der Zulg in Angriff genommen.

Wenn im Zug dieser Arbeiten die heutigen Schwellen durch Blocksteinrampen ersetzt werden und damit sowieso am Flussbett gearbeitet werden muss, würde es niemanden wundern, wenn im gleichen Zug der Bau einer Brücke nach Steffisburg und damit ein neuer Anlauf für eine Süderschliessung schon wieder Thema würde.

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