Die Geburtsstunde des Schmelzkäses

Thun

1860 kaufte das in Langnau beheimatete Käsehaus Gerber ein Grundstück an der heutigen Gewerbestrasse in Thun und begann, dort Käse herzustellen.

Die Villa Gerber in Thun, wo Walter Gerber 1913 den Schmelzkäse erfand.

Die Villa Gerber in Thun, wo Walter Gerber 1913 den Schmelzkäse erfand.

(Bild: PD)

Walter Gerber vom gleichnamigen Langnauer Käsehaus war ein innovativer Geist. Inspiriert vom Berner Professor Robert Burri, der die konservierende Wirkung von Natriumcitrat auf Lebensmittel untersucht hatte, pröbelte er in seinem Versuchslabor im ersten Stock der Thuner Villa Gerber, wo das Unternehmen einen Ableger eröffnet hatte, wie man Käse haltbar machen könnte.

Schmelz- und haltbarer Käse

Am 18. Juli 1913 war es so weit: Beim Zusammenfügen von zwei Lösungen bildete sich eine cremig gelbe Masse. Fügte man dieser geriebenen Emmentaler bei, entstand Käse, der sich schmelzen liess, gleichzeitig aber auch haltbar und bekömmlich war. Der Schmelzkäse war geboren.

Unter der Bezeichnung «Fleur des Alpes» wurde er an der Schweizerischen Landesausstellung 1914 mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Seit 1936 gibt es die Gala-Chäsli, seit 1960 das Fertigfondue.

Die von Alfred Lanzrein im Heimatstil entworfene, um 1910 an der Allmendstrasse gebaute zweigeschossige Produktionsanlage wurde 1952 nach Plänen von Edgar Schweizer um einen weiteren viergeschossigen Trakt mit einer nüchternen Rasterfassade ergänzt. Der langgezogene Gebäudetrakt bildete bis zum Abbruch ein mächtiges Gegenüber zu den feingliedrigen Stadtvillen auf der Nordseite der Allmendstrasse.

Zwei Gebäude blieben stehen

Aus der Ära Gerber Käse blieben bis heute zwei Bauten erhalten: Die 1865 erbaute neoklassizistische Villa Gerber besticht durch ihre Fensterrahmungen und Mauerblenden sowie ein fein profiliertes Kranzgesims aus Sandstein. Zusammen mit den dekorativen gusseisernen Balkongeländern und Konsolen verleihen sie dem markanten Kopfbau am Guisanplatz ein herrschaftliches Aussehen.

Auf der Speisekarte

Das repräsentative, wohlproportionierte ehemalige Geschäfts- und Lagerhaus an der Gewerbestrasse 4, erbaut von Alfred Lanzrein 1920 für die Samenhandlung Schweizer & Cie., ist heute das Boutique-Hotel und Restaurant Spedition.

Die charakteristischen Mauerblenden aus farbigem Kunststein blieben erhalten, die aus der Bauzeit stammenden Türen und Fenster wurden renoviert. Ein Bild des Medaillons aus Sandstein ziert heute die Speisekarte des Restaurants.

Thuner Tagblatt

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