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Die magische Oboe des Heinz Holliger

Im Rahmen der Orgelkonzertreihe gastierte am Dreikönigstag der Oboist, Dirigent und Komponist Heinz Holliger in der Thuner Stadtkirche.

Christina Burghagen
Heinz Holliger mit seiner Mitoboistin Marie-Lise Schüpbach am Dreikönigstagkonzert in der Stadtkirche Thun.
Heinz Holliger mit seiner Mitoboistin Marie-Lise Schüpbach am Dreikönigstagkonzert in der Stadtkirche Thun.
Christoph Gerber

Hoher Besuch in der Stadtkirche Thun: Heinz Holliger, geboren 1939 in Langenthal, zählt zu den vielseitigsten Musikerpersönlichkeiten unserer Zeit. Als Oboist räumte er weltweit zahllose Preise ab. Auch als Dirigent bewegte er sich auf internationalem Parkett, und namhafte Komponisten widmeten ihm Werke. Holliger erweiterte immer wieder die spieltechnischen Möglichkeiten der Oboe. Zu seinen Werken gehören auch die Opern «Schneewittchen» und «Lunea».

Dass der Musiker in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, wollte am Konzert in der Stadtkirche niemand glauben. Schon sein federnder Gang zum Kirchenchor zeigte die Energie, die er in seinem virtuosen Spiel wenig später versprühte, bei den ersten zwei Sätzen der Sonata 1, F-Dur, für zwei Oboen, Cello und Basso continuo von Jan Dismas Zelenka. Das Zusammenspiel mit der renommierten Oboistin Marie-Lise Schüpbach, der Cellistin Anita Leuzinger und der Organistin Babette Mondry trug das Publikum fort in der barocken Erhabenheit des Adagio ma non troppo des böhmischen Komponisten. Das Allegro im zweiten Satz kitzelte mit verspielten Läufen und lebensfroher Ausstrahlung die Gemüter des Publikums. Holliger ist die Wiederentdeckung von Zelenka zu verdanken, dessen Werke in Vergessenheit geraten waren.

Augen zu bei der Fantasia

Während des rund 70-minütigen Konzerts schlossen zahlreiche Gäste immer wieder die Augen, um sich ganz auf den Hörgenuss einlassen zu können. Das galt auch bei der Fantasia g-Moll für Orgel und Oboe von Johann Ludwig Krebs. Babette Mondry und Heinz Holliger konzertierten das Werk nun auf der Empore fürs Publikum unsichtbar, dafür für die Ohren umso betörender in seiner lieblichen Weise.

Hingerissen zeigten sich die Konzertgäste auch von der Elegie op. 24 für Cello und Klavier, übertragen auf die Orgel, von Gabriel Fauré. Mit zärtlicher Intensität spielte Cellistin Anita Leuzinger die ergreifende Melodie, getragen vom virtuosen Orgelspiel der Stadtorganistin. Die Solostücke für Orgel Präludium und Fuge C-Dur von Johann Sebastian Bach und «Prélude sur l’introit de l’Epiphanie», die Mondry spielte, luden auf magische Weise zum Innehalten ein.

Oboen im Doppelpack

Wie zwei meisterlich gespielte Oboen gefangen nehmen können, stellten Marie-Lise Schüpbach und Heinz Holliger beim Duo Nr. 4 in F-Dur von Wilhelm Friedemann Bach unter Beweis. Die atemberaubenden Läufe und technischen Herausforderungen des Werks entzogen sich fürs Ohr jeglicher Nachvollziehbarkeit. Mit den beiden letzten Sätzen von Zelenkas Sonata 1, F-Dur, Larghetto und Allegro assai für zwei Oboen, Cello und Basso continuo schloss sich der Kreis eines erstklassigen Konzerts, das die Botschaft des Dreikönigsfestes vollendet feierte.

Das nächste Orgelkonzert findet am 2. Februar um 16.15 Uhr in der Stadtkirche Thun statt. In Zusammenarbeit mit der Konzertreihe «Rathaus um 4» gastiert der finnische Organist Pauli Pietiläinen mit Werken von Jean Sibelius, Taneli Kuusisto, Oskar Merikanto und Esko Ryökäs. Das Finale bildet der «Grand March» aus der Oper «Aida» von Giuseppe Verdi. Eintritt frei, Kollekte.

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