Die Regierung will den Aarequai so belassen, wie er ist

Thun

Mehr Grün, mehr benutzerfreundliche Zugänge für Badefans: Das wünschen sich Thuner Stadtratsmitglieder am Aarequai. Für den Gemeinderat sind offene Unterbrüche im Geländer allerdings zu gefährlich.

Winterliche Stimmung am Aarequai unterhalb des Thunerhofs – doch der nächste Sommer kommt bestimmt. Für die warme Jahreszeit wünschen sich Alice Kropf (SP) und Mitunterzeichnende mehr Begrünung und benutzerfreundliche Zugänge zur Aare.

Winterliche Stimmung am Aarequai unterhalb des Thunerhofs – doch der nächste Sommer kommt bestimmt. Für die warme Jahreszeit wünschen sich Alice Kropf (SP) und Mitunterzeichnende mehr Begrünung und benutzerfreundliche Zugänge zur Aare.

(Bild: Michael Gurtner)

Nein, zum Bade locken die Temperaturen derzeit beileibe nicht. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt – und mit ihm all die Badefreudigen, die sich in der Thuner Innenstadt in die Fluten der Aare stürzen. Ihnen möchten SP-Stadträtin Alice Kropf und Mitunterzeichnende den Einstieg in den Fluss erleichtern.

In ihrem im August 2018 eingereichten Postulat «betreffend klimaangepasste Gestaltung des Aarequais» fordern sie den Gemeinderat auf, mehr benutzerfreundliche Zugänge für Badende sowie eine stärkere Begrünung des Quais zu prüfen. Städte seien besonders stark von der Klimaerwärmung mit vermehrten Hitzesommern betroffen. «Abhilfe können beispielsweise eine Begrünung, optimierte Gehweg- und Platzbelage oder Wasserspiele schaffen», heisst es im Vorstoss.

Am Aarequai biete sich eine ans Klima angepasste Gestaltung an. Der Temperaturunterschied zwischen dem Bereich (von der Stadt aus gesehen) vor dem Thunerhof mit Schatten spendenden Bäumen auf der einen und der blanken Mauer direkt unterhalb des Thunerhofs auf der anderen Seite sei «frappant». Die Postulanten schlagen eine «geeignete Begrünung» der Mauer vor. Für all jene, die für die Abkühlung im Wasser nicht die öffentlichen Bäder aufsuchen möchten, soll zudem der Zugang zur Aare attraktiver gemacht werden. «Einfache Metallleitern würden möglicherweise bereits genügen», heisst es im Postulat.

«Sehr riskant»

Dass die Aare entlang des Quais im Abschnitt von der Einmündung Bächimatte bis zum Hotel Freienhof viele geübte Schwimmer zum Bade lädt, ist auch dem Gemeinderat bewusst. Ein Badeverbot besteht nicht. Die Regierung hält in ihrer Antwort auf das Postulat aber fest: Das Baden in der Aare ab dem Restaurant Dampfschiff Richtung Freienhof sei «sehr riskant», als Badeort sei der Fluss hier ungeeignet.

«Die Risiken im Bereich der Schleusen werden unterschätzt», heisst es weiter. Und: «Die Strömungen machen, je nach Wasserstand, das Baden auf dem ganzen Abschnitt riskant. Besonders bei ruhigem und tiefem Wasserstand werden die unter Wasser herrschenden Kräfte unterschätzt.» Das «Vorbild» der geübten ortskundigen Schwimmer ­könne besonders Touristen und ungeübte Badende zu einem verhängnisvollen Bad verführen.

Der Gemeinderat weist darauf hin, dass mögliche Ein- und Ausstiegsstellen bei der Bächimatte, der Ländte Hofstetten und dem Hotel Freienhof bereits vorhanden seien. «Offene Unterbrüche im Geländer oder weitere freigelegte Badezugänge in die Aare erachten wir aufgrund des Sicherheitsaspekts als zu gefährlich. Sie vermitteln ein falsches Bild einer für alle geeigneten Badelandschaft», heisst es weiter.

Beste­hende Tore im Aaregeländer, die früher noch mit Leitern versehen waren, dienten ursprünglich als Notausstieg – und nicht als Einstiegshilfe. Im Zusammenhang mit den anstehenden Massnahmen für den Hochwasserschutz und der Sanierung des Geländers am ganzen Aarequai werde die teilweise Erneuerung der Leitern bei den Toren geprüft. Dafür sei laut Kanton eine Bewilligung erforderlich.

Mauer könnte leiden

Auch in Sachen Begrünung sieht der Gemeinderat keinen Handlungsbedarf. Vor der Trockensteinmauer unterhalb des Thunerhofs sei es zwar im Sommer zu warm. Im Frühling, Herbst und Winter bringe aber bereits eine schwache Sonneneinstrahlung eine angenehme Wärme, die oft zum Verweilen auf den Bänken genutzt werde.

Und: Die rund 150-jährige Mauer ist denkmalgeschützt. Eine statische Beurteilung hat laut Gemeinderat ergeben, dass eine stärkere, tief wurzelnde Begrünung die Stand- und Tragfähigkeit schwächen würde. Dies war beim vor rund sechs Jahren entfernten Efeubewuchs der Fall. Eine vorgelagerte Begrünung wiederum würde «ein optimales Mikroklima erzeugen und so den Bewuchs zwischen den Fugen begünstigen».

Willkommen sei auch künftig, was bereits heute wachsen darf: Pflanzenarten, die nicht verholzen und ein feines Wurzelwerk haben – etwa Thymian, Gräser oder Streifenfarn. Die heutige Begrünung des Aarequais bietet aus Sicht des Gemeinderats zusammen mit den vielen Sitzgelegenheiten und offenen Rasenflächen «eine städtebaulich gute Gestaltung». Sie entspreche den unterschiedlichen Nutzungsbedürfnissen über das ganze Jahr.

Da die Prüfung des Anliegens mit der Stellungnahme des Gemeinderats bereits erfolgt sei, beantragt dieser dem Stadtrat an der Sitzung vom 18. Januar die Annahme und gleichzeitige Abschreibung des Postulats.

Thuner Tagblatt

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