Die Schnecken – ihr Schatz

Mein Hobby

Die 74-jährige Maria Merz setzt sich für den Schutz von Gehäuseschnecken ein. In der Region Thunersee untersucht sie, welche Arten wo und wie häufig anzutreffen sind.

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Franziska Zaugg

Für Maria Merz war es die Entdeckung des Jahres, in ihrem Garten in Oberhofen war sie auf eine Schneckenart gestossen, die bisher nur im Wallis nachgewiesen worden war. Die Naturliebhaberin war vor Freude aus dem Häuschen, und ihr Interesse für Gehäuseschnecken war geweckt. Das war vor einem Jahr. Seitdem setzt sie sich aktiv für den Schutz der Tiere ein.

Es war bei der Gartenarbeit, als Maria Merz die genabelten Puppenschnecken sah. Die Tiere sind winzig, ihr kegelförmiges Haus misst maximal vier Millimeter. «Leicht sind sie zu übersehen», sagt die 74-Jährige. Jedoch nicht für sie, die gerne beobachtet, was in ihrem Garten lebt und wächst. «Die Schnecken befanden sich unter einem Blumentopf.» Aus Neugierde schickte sie einige leere Häuschen einer Bekannten, die Schnecken kartiert. «Die Antwort folgte rasch und mit ihr ein neues Hobby.»

Die pensionierte Musiklehrerin beschloss, selber Gehäuseschnecken zu kartieren, und zwar jene in der Umgebung ihres Wohnortes – der rechten Thunerseeregion. Kartieren war ihr nicht fremd, seit Jahren widmet sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Alfred Wälchli der Bestandesaufnahme von wild wachsenden Orchideen.

Bedrohte Arten

Oft sitzt Maria Merz am Küchentisch vor leeren Schneckenhäusern, mitgebracht von Spaziergängen. Geduldig und konzentriert studiert sie jedes Stück mit der Lupe. Manche sind nur knapp zwei Millimeter gross, wie etwa die Linksgewundene Windelschnecke. Entscheidend für die Bestimmung der Art sei der Durchmesser des Nabels auf der Rückseite. Aber auch, wie das Gehäuse beschaffen sei. Es gebe behaarte, gerillte oder durchsichtige. «Die Farbe hingegen ist kein Garant.» Zum einen setze dem Gehäuse aus Kalk die Witterung zu, zum anderen könne eine Schneckenart gestreifte und ebenso unifarbene Häuser tragen.

«Erst wenn genügend Daten über das Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten vorliegen, ist deren Schutz möglich.»

Wie viele Arten in der Region Thunersee anzutreffen sind, sei schwer zu beziffern. In der Schweiz gebe es ungefähr 200 verschiedene. Erschreckend ist für Maria Merz dabei die Tatsache, dass «rund die Hälfte davon auf der roten Liste der bedrohten Arten zu finden sind».

Eintrag in Datenbank

Ist Maria Merz sich sicher, welche Art sie in den Händen hält, dann trägt sie Name, Fundort und Anzahl gesichteter Exemplare in die Datenbank des Schweizerischen Zentrums für die Kartografie der Fauna ein. Ihr grosses Wissen über heimische Gehäuseschnecken hat sie aus Büchern. «Selten kommt es vor, dass ein Stück so verwittert ist, dass ich es nicht hundertprozentig einer Art zuweisen kann.» Dann vermerke sie das so in der Datenbank. Ihr Interesse gelte übrigens einzig den Gehäuseschnecken, betont sie. «Nacktschnecken gefallen mir gar nicht.»

Wichtig für die Biodiversität

Maria Merz, die mit ihrem Mann in einem Haus im Grünen und nahe am Waldrand lebt, bedauert, dass sie die Einzige in der Region ist, die Gehäuseschnecken kartiert. «Dabei ist die Arbeit so wichtig für den Erhalt der Biodiversität», sagt die Naturfreundin. «Erst wenn genügend Daten über das Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten vorliegen, ist deren Schutz möglich.»

Die Mutter zweier erwachsener Kinder und Grossmutter treibt aber nicht einzig der Artenschutz an. Das Aufspüren von Schnecken unter dem Laub, in der Erde oder unter dem Schnee, und das egal bei welchem Wetter, fühlt sich für sie wie eine Schatzsuche an. «Vielleicht entdecke ich ja wieder einmal eine Art, wie jene in meinem Garten, die in der Region Thunersee bisher noch nicht nachgewiesen worden ist.»

Berner Zeitung

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