Die Stadt will keine Schullager streichen

Thun

Ein Bundesgerichtsurteil hat Auswirkungen auf die Durchführung von Schullagern. Doch die Stadt Thun beteuert: Es sollen keine Lager oder Schulreisen gestrichen werden.

Unser Symbolbild zeigt gemeinsame Waschräume in einem Schullager. In Thun sollen keine Lager gestrichen werden. Foto: Adrian Moser

Unser Symbolbild zeigt gemeinsame Waschräume in einem Schullager. In Thun sollen keine Lager gestrichen werden. Foto: Adrian Moser

Zwischendurch aus dem Schulalltag ausbrechen, zusammen mit den Mitschülerinnen, Mitschülern und Lehrkräften etwas anderes erleben – wo ist das besser möglich als in einem Schullager oder auf einer Schulreise? Die allermeisten dürften entsprechende Geschichten aus ihrer Schulzeit zum Besten geben können. Das soll so bleiben, wenn es nach der Thuner Stadtregierung geht: «Schullager und Schulreisen werden als für die Schülerinnen und Schüler prägend und pädagogisch wertvoll erachtet.

Alle Thuner Schülerinnen und Schüler sollen während der Schullaufbahn solche erleben dürfen.» Das hält der Gemeinderat in der Antwort auf eine Interpellation der Fraktion der Mitte fest. Diese bezieht sich auf ein Bundesgerichtsurteil zu zwei Regelungen im Volksschulgesetz des Kantons Thurgau.

«Aufgrund der teilweise massiv tieferen Eltern­beiträge wird eine Erhöhung der im städtischen Budget ab 2020 eingestellten Mittel notwendig.»Aus der Gemeinderatsantwort auf die Interpellation

Laut den Richtern dürfen bei Schullagern maximal 10 bis 16 Franken pro Tag als Elternbeitrag eingezogen werden. Die Fraktion der Mitte wollte Klarheit darüber, wie sich die Stadt Thun zur Durchführung von Lagern stellt. «Aufgrund des Bundesgerichtsentscheids sollen keine Schullager oder Schulreisen gestrichen werden», hält der Gemeinderat fest.

Budget muss erhöht werden

Die Erziehungsdirektion des Kantons Bern hat die Tarife aufgrund des Urteils leicht gesenkt, die Bandbreite jedoch bei 15 bis 25 Franken belassen. Der damalige Erziehungsdirektor Bernhard Pulver befürchtete keinen Widerstand dagegen. Die Stadt Thun schliesst sich gemäss Vorstossantwort des Gemeinderats an die kantonale Regelung an. Die Schulkommission habe entschieden, die entsprechende Empfehlung mit Elternbeiträgen von 15 bis 25 Franken pro Tag einzuhalten.

Die bisher erhobenen Beiträge seien etwa doppelt so hoch oder sogar noch höher gewesen. Das hat Folgen: «Aufgrund der teilweise massiv tieferen Elternbeiträge wird eine Erhöhung der im städtischen Budget ab 2020 eingestellten Mittel notwendig», schreibt der Gemeinderat weiter. Für 2019 sollten die wegfallenden Beträge durch eine «besonders kostenbewusste Angebotsgestaltung sowie durch die Schulbudgets» aufgefangen werden.

Im Budget der Stadt sind jährlich rund 275000 Franken zur Finanzierung von Schulveranstaltungen eingestellt. Diese Gelder stehen den Schulen im Rahmen ihrer jährlichen Globalbudgets zur Verfügung. Bei Familien mit einem geringen Einkommen übernimmt die Stadt einen Teil der anfallenden Kosten: Diesen Eltern werden 50 Prozent ihrer Ausgaben für Lager, Landschul- und Projektwochen sowie Schulreisen rückerstattet.

Alle sollen Chance haben

Eine mehrjährige Statistik über die durchgeführten Lager an der Thuner Volksschule existiert laut Gemeinderat nicht. Im aktuellen Schuljahr 2018/2019 seien an den Oberstufenschulen rund 20 Landschulwochen und 10 Skilager, an den Primarschulen rund 25 Lager geplant, was ungefähr den Werten der Vorjahre entspreche.

Die Schulkommission habe aus pädagogischen Gründen beschlossen, dass jedes Schulkind während der obligatorischen Schulzeit die Chance auf den Besuch von Klassenlagern und -reisen habe – unabhängig davon, welche Schule es besucht. So ist etwa von der 7. bis zur 9. Klasse für alle eine Landschulwoche, eine Schneesportwoche, eine mehrtägige Schulreise und jährlich eine Exkursion vorgesehen.

Thuner Tagblatt

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