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Die unendliche Geschichte des ehemaligen Gasthofs

Der Umbau des ehemaligen Gasthofs Steghalten steht still – seit einem Jahr. Der Bauherr hatte sich nicht an die genehmigten Pläne gehalten.

Der ehemalige Gasthof Steghalten in Amsoldingen. Der Umbau zu einem Wohnhaus dauert nun schon mehr als sechs Jahre.
Der ehemalige Gasthof Steghalten in Amsoldingen. Der Umbau zu einem Wohnhaus dauert nun schon mehr als sechs Jahre.
Marc Imboden

Daniel Chiaberto betreibt zum einen in Uetendorf ein Occasionsnutzfahrzeug-Center. Zum anderen hat er ein teures Hobby: Er kauft alte Liegenschaften und saniert sie. Das hatte er auch mit dem Gasthof Steghalten in Amsoldingen im Sinn.

Nachdem der Besitzer Konkurs gemacht hatte, ersteigerte er die Liegenschaft im Oktober 2009. «Ein Restaurant wirtschaftlich zu betreiben, ist an diesem Standort unmöglich», sagte Chiaberto, als er 2012 das Gesuch einreichte, den Gasthof zu einem Wohnhaus umzubauen. Bis Chiaberto 2015 die Baubewilligung bekam, sollte aber noch viel Zeit verstreichen. Gegen den Umbau des Landgasthofs waren nach der Publikation im Herbst 2012 zwei Einsprachen und eine Rechtsverwahrung eingereicht worden.

Gegen den Neubau von zwei Einfamilienhäusern gleich nebenan wurden drei Einsprachen und vier Rechtsverwahrungen eingereicht. «Aufgrund der engen Platzverhältnisse musste eine gemeinsame Erschliessung geplant werden, was längere Verhandlungen und Anpassungen auslöste», teilte Regierungsstatthalter Marc Fritschi vorletztes Jahr mit.

Auch die denkmalpflegerischen Aspekte führten zu ­Projektänderungen. Die zwei ursprünglich separaten Baupro­jekte wurden schliesslich gemeinsam überarbeitet. Der Öko­nomieteil des Altbaus wurde um zweieinhalb Meter verkürzt, damit eine sichere Ausfahrt er­möglicht werden konnte.

Der ­Regierungsstatthalter entschied, dass die überarbeitete Erschliessung genügend ist und dass die ­bau- und planungsrechtlichen Vorschriften eingehalten sind. Gegen die beiden Baubewilligungen wurden keine Beschwerden eingereicht, und der Umbau konnte beginnen.

Rien ne va plus

Doch inzwischen läuft auf der Baustelle nichts mehr. Rund ein Jahr ist es her, dass die Bohrmaschinen und Sägen verstummt sind und keine Arbeiter mehr ein und aus gehen. Denn der Gemeinderat von Amsoldingen hatte als Baupolizeibehörde einen Baustopp verfügt, wie Gemeindepräsident Stefan Gyger an der letzten Gemeindeversammlung erklärte.

«Ein Bürger hatte uns gemeldet, dass der Bauherr neun Wohnungen einbauen liess statt deren sechs, wie vom Statthalter bewilligt.» Chiaberto müsse nun neue Baupläne einreichen. «Sobald diese bewilligungsfähig sind, kann das Baugesuch erneut publiziert werden.»

Rund ein Jahr ist es her, dass die Bohrmaschinen und ­Sägen verstummt sind und keine Arbeiter mehr ein und aus gehen.

Warum hat Daniel Chiaberto neun statt sechs Wohnungen eingebaut? Der Bauherr verweist in dieser Frage an seinen Anwalt. Er habe lediglich nicht projektierte Dachfenster eingebaut und die Wohnungsgrundrisse anders aufgeteilt, sagt er weiter. «Ohne die Dachfenster wären die obersten Wohnungen so dunkel, dass man den ganzen Tag künstliches Licht bräuchte.»

Es sei ein nicht enden wollender Spiessrutenlauf, zu einer Baubewilligung für den Steghalten zu gelangen, fügt er an. Chiabertos Anwalt versucht gegenüber dieser Zeitung, etwas Licht in die Angelegenheit zu bringen: «Das Problem ist nicht die Anzahl Wohnungen», sagt Hans Ulrich Kobel aus Rubigen. In wie viele Wohnungen ein Bauherr die maximal zulässige Fläche aufteile, sei seine Sache.

Das Problem sei vielmehr, dass in dem als erhaltenswert eingestuften Gebäude mehr von der alten Bausubstanz entfernt worden sei als geplant. «Sie war an mehreren Stellen in einem derart schlechten Zustand, dass sie nicht mehr weiterverwendet werden konnte.»

Dabei habe es auch Meinungsverschiedenheiten mit der kantonalen Denkmalpflege gegeben, die inzwischen aber beigelegt worden seien. Sein Mandant habe inzwischen neue Pläne eingereicht, die den Anliegen der Denkmalpflege Rechnung trügen.

Gyger widerspricht

Amsoldingens Gemeindepräsident Stefan Gyger widerspricht Kobels Darstellung. «Der Baustopp erfolgte sehr wohl wegen des Einbaus von neun statt sechs Wohnungen.» In Bauplänen müsse die Aufteilung der Gesamtwohnfläche in die einzelnen Wohnungen genau festgelegt sein.

«Es gibt verschiedene Bestimmungen, wie eine Wohnung gebaut werden darf und wie nicht. So ist zum Beispiel ein Badezimmer ohne Fenster erlaubt, ein Kinderzimmer ohne Fenster hingegen nicht.» Von der Anzahl Wohnungen hänge auch die Zahl der Parkplätze und Spielmöglichkeiten für Kinder im Aussenbereich ab. «Abweichungen gegenüber den genehmigten Bauplänen sind also nicht erlaubt.»

Stefan Gyger verneint nicht, dass die Entfernung von alter Bausubstanz ein weiterer Punkt ist, der gerügt worden war. «Darauf wurden wir aber erst nach dem Baustopp aufmerksam, als wir mit dem Regierungsstatthalter das Gebäude besichtigten.»

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