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«Dieses Cello besitzt offenbar Zauberkräfte»

István Várdai spielt beim Gaia-Musikfestival in Oberhofen vom 3. bis zum 7. Mai an drei Konzerten auf einem Stradivari-Cello mit besonderer Geschichte. Ein kurzes Gespräch mit dem ungarischen Musiker.

Ein besonders Begabter mit einem besonderen Instrument: István Várdai tritt am Gaia-Musikfestival mit einem Stradivari-Cello auf.
Ein besonders Begabter mit einem besonderen Instrument: István Várdai tritt am Gaia-Musikfestival mit einem Stradivari-Cello auf.
zvg / Balázs Böröcz

István Várdai, Sie stammen aus einer Musikerfamilie. Wie genau dürfen wir uns das vorstellen?István Várdai: Die Eltern meiner Mutter waren über 50 Jahre als Chordirigenten und Schulmusiklehrer tätig. Meine Mutter ist seit langem die Klavierbegleiterin in Pécs, meiner Heimatstadt. Mein Vater hat Musiktheorie und Hörbildung unterrichtet, leitete Chöre und Orchester und ist auch Pianist.

Seit dem Kindergarten habe ich oft die Proben und den Unterricht meiner Eltern besucht und habe früh viele Instrumente kennen gelernt. Zu Hause gab es auch viel Musik, aber nicht nur klassische: auch Tanzmusik, Jazz, Funk, alles Mögliche eben.

Sie haben mit 8 Jahren begonnen, Cello zu lernen. Warum dieses Instrument?Weil mir sein Klang am besten gefallen hat. Und das Instrument fühlte sich in meinen Händen gut an.

Welche Fähigkeiten kennzeichnen einen «aussergewöhnlich Begabten»? In der Franz-Liszt-Musikakademie Budapest wechselten Sie ja mit 12 Jahren in diese besondere Klasse.Man muss trotz des jungen Alters eine gute musikalische Ausdrucksfähigkeit besitzen, aber auch ein sehr gutes Gehör, Rhythmusgefühl und besondere kognitive Fähigkeiten besitzen.

Obwohl Sie erst Anfang 30 sind, wurden Sie schon mit zahlreichen internationalen Preisen für Ihr Spiel geehrt. Welcher Preis liegt Ihnen besonders am Herzen?Alle und keiner so richtig, denn Wettbewerbe und Preise sind eigentlich «nur» Zwischenziele und positive Feedbacks. Nun ja, vielleicht liegt mir der 1. Preis des Genfer Wettbewerbs doch am Herzen, weil ich dort so viel positive Energie vom Publikum und der Jury bekommen habe. Seitdem fühlt sich Genf wie ein weiteres Zuhause an, jetzt muss ich nur noch Französisch lernen . . .

Seit einigen Monaten spielen Sie ein Stradivari­-Cello aus dem 17. Jahrhundert der berühmten britischen Cellistin Jacqueline du Pré, die 1987 verstarb, als unbegrenzte Leihgabe. Welche Beziehung haben Sie zu diesem kostbaren Instrument? Sind Sie gute Freunde geworden?Es ist ein herrliches Cello, und wir sind schon gut befreundet! Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich es spielen darf. Es ist jedes Mal eine Freude, darauf zu üben. Dieses Gefühl gibt mir immer den nötigen Schwung, auch wenn ich ganz erschöpft bin. Dieses Cello besitzt offenbar Zauberkräfte.

Mit was beschäftigen Sie sich, wenn Sie nicht Cello spielen? Wofür schlägt Ihr Herz noch?Ach, für so vieles! Erstens für meinen zweijährigen Sohn und meine Frau, die ich leider zu wenig sehe. Dann für den Geigenbau und verschiedene neue Entwicklungen für Klangeinstellung, für meine Freunde weltweit, fürs ­Im-Garten-Grillen, Fahrradfahren und für gute Rotweine . . .

Vor ein paar Tagen haben in Budapest rund 70'000 Menschen vor dem Parlament gegen das umstrittene Hochschulgesetz und die Schliessung der Central European University demons­triert. Wären Sie gerne dabei ­gewesen?Wenn ich in Ungarn leben würde und/oder es zeitlich hätte einrichten können, wäre ich bestimmt rausgegangen, um zu sehen, ob dies was bei den Regierenden bewegt. Aber realistisch gesehen sind Politiker nicht für Empfindsamkeit, Empathie und soziale Sensibilität berühmt. Und das nicht nur in Ungarn.

Proteste laufen auch oft so primitiv und provokant ab, dass sie einen schlechten Eindruck hinterlassen. Ein «richtiger» Protest sollte still ablaufen, über eine lange Zeit, wie zum Beispiel in Südkorea. Dafür braucht man aber viel mehr Menschen als 70'000.

Jetzt ist das noch nicht der Fall, und die Regierung spielt seit langem «all in». Mal schauen, was daraus wird. Meiner Meinung nach sind Ignoranz, Aggression, manipulative Medien von beiden Seiten und der Mangel an Dialog unsere grösste Gefahr.

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