Dorfladen AG muss Konkurs anmelden

Spiez

Die Dorfladen Spiez AG wird aufgelöst. Der Verwaltungsrat hat das Gesuch zur Konkurseröffnung eingereicht. Auch letzte Massnahmen haben nicht mehr gefruchtet.

Das Geschäft bleibt zu. Dei Dorfladen AG am Kronenplatz wird aufgelöst.

Das Geschäft bleibt zu. Dei Dorfladen AG am Kronenplatz wird aufgelöst.

(Bild: Guido Lauper)

Svend Peternell

Nun ist der letzte Funken Hoffnung für eine Weiterführung der Dorfladen AG erloschen. Nach der Schliessung des Geschäfts am 9. Februar sieht sich der Verwaltungsrat gezwungen, das Gesuch für eine Konkurseröffnung einzureichen. «Der Verwaltungsrat der Dorfladen Spiez AG hat aufgrund der erneuten Gefahr einer Überschuldung per 28. Februar die Erstellung der Zwischenbilanz in Auftrag gegeben», schreibt dieser in einer Mitteilung an die Aktionäre und Medien.

Die Ergebnisse der revidierten Zwischenbilanz und der nicht genügenden Sanierungsmassnahmen zwangen den Verwaltungsrat laut eigenen Angaben zum eingangs geschilderten Schritt.

Auch Druck des Vermieters

Damit ist von der Auslegeordnung, die der Verwaltungsrat am 1. Februar an einem Orientierungsabend präsentierte, die schlimmstmögliche Variante eingetroffen. Die erhoffte Wiedereröffnung ist ebenso gescheitert wie die Lösung einer Untervermietung oder der Verkauf der Dorfladen AG. Darauf war nach den Worten von VR-Präsident Sepp Zahner voll fokussiert worden: «Noch wenige Tage vor der Information an das Regionalgericht Thun wurden Verhandlungen mit Aussichten zum Fortbestand der Aktiengesellschaft geführt.»

Konkret heisst dies: «Im Bereich Geschäftsführung war eine Lösung in Sicht. Letzte Woche haben wir noch Gespräche geführt für eine Variante mit Untermiete. Wir hatten auch andere Optionen, wie das Modell für eine Weiterführung aussehen könnte.» Letzten Freitag sei Deadline gewesen bezüglich der Situation des Dorfladens als Mieter. Da konnten wir nicht sagen, dass uns der Druck des Vermieters nichts angeht.»

Am Freitag auf Konkursamt

Die Auflösung der Dorfladen Spiez AG wird nun Tatsache. Am Freitag war Zahner auf dem Konkursamt in Interlaken. Der Konkursverwalter hat die Unterlagen geprüft und wird das Konkursverfahren in den nächsten Tagen im Amtblatt publizieren. Somit steht die Führung der Dorfladen AG nun unter der Schirmherrschaft des Konkursverwalters.

«Das Konkursamt wird in den nächsten Wochen das Vorgehen in Bezug auf Veräusserung des Inventars und den vorliegenden Forderungen gegenüber der Dorfladen Spiez AG festlegen», hält der VR der Dorfladen AG fest. Dazu gehört auch die Frage, ob die Löhne der Angestellten ausbezahlt und weitere Teile der Gläubigerforderungen an zweiter und dritter Stelle befriedigt werden können. Viele Gläubiger – darunter Lebensmittel-Lieferanten, KMU-Betriebe und Private – hatten Solidarität bekundet und dazu beigetragen, dass ein Startkapital von 250 000 Franken zusammengekommen war.

«Der Verwaltungsrat bedauert sehr, dass am Ende doch kein anderer Weg als die Konkurseröffnung mehr möglich war», lässt er in der Medienmitteilung verlauten. «Es ist uns nicht gelungen, als Detailshandelsgeschäft Fuss zu fassen», ergänzt Zahner. «Unsere Idee war etwas Langfristiges. Doch der Sauerstoff zum Leben war über die Marge und zusätzliche Aktionäre nicht in genügend grossem Ausmass vorhanden.»

Knapp 100 Rückmeldungen

Zum «Wie Weiter?» meint er: «Uns ist es ein Anliegen, eine Lösung etwa mit einem Lebensmittelladen zu finden. Dann hat das Inventar deutlich mehr wert als bei einem anderen Gewerbe», sagt Zahner. «Und das wäre durchaus in unserem Interesse.»

Zu den Rettungsvarianten des VR gehört auch die im Nachgang zur Informationsveranstaltung vom 1. Februar eingeleitete Umfrage «Ideen und Ansätze für die Zukunft Dorfladen Spiez», um noch eine breitere Masse an potentiellen Unterstützern und Massnahmen zu erreichen. Insgesamt sind knapp hundert Rückmeldungen eingegangen. Die Umfrage wollte auch eruieren, wieviele allenfalls bereit gewesen wären, freiwillig und ohne Entlöhnung im Dorfladen mitzuhelfen oder bestimmte Funktionen wahrzunehmen.

Gründe für Schlingerkurs

Dass der Dorfladen am Kronenplatz finanziell so stark ins Schlingern geraten war, hat verschiedene Gründe. So vermochte der Dorfladen Spiez die budgetierten Produktgewinnmargen nicht zu erreichen. «Das Ziel, den Produzenten faire Preise für ihre Produkte zu zahlen und gleichzeitig marktfähige Preise zu erzielen, war eine zu grosse Herausforderung», bestätigt der VR in seiner aktuellen Medienmitteilung. Da nützte es auch nicht, dass der Dorfladen im Tagesgeschäft durchaus zufriedenstellende Zahlen erreicht hatte.

Bereits Mitte Dezember informierte die Dorfladen Spiez AG, dass die Gefahr einer Überschuldung auf Basis der Hochrechnung per 31. Dezember 2018 besteht. «Die Abschlusszahlen haben ergeben, dass keine Überschuldung vorlag», so der VR. «Um die Aufwände möglichst tief zu halten und in Anbetracht der Anfang Jahr schwachen Umsatzmonate im Detailhandel» wurde der Betrieb am 9. Februar eingestellt.

Die Geschäftsführerin hatte schon im Januar 2018 darauf aufmerksam gemacht, dass der Betrieb in Liquidationsschwierigkeiten geraten könne, wenn keine finanziellen und konzeptionellen Anpassungen erfolgen würden. Vorwürfe hatte sich der VR am 1. Februar anhören müssen. Einer lautete, dass das Startkapital mit 250’000 Franken zu tief gewesen sei bei einem so ambitionierten Konzept.

Auch die klare Vorgabe einer Aktienkapitalerhöhung von 125’000 Franken, welche die ausserordentliche Generalversammlung am 19. Juni letzten Jahres beschlossen hatte, schenkte nicht in gewünschtem Masse ein, wie Zahner schon vor über zwei Monaten zum Ausdruck brachte.

Berner Zeitung

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