Drei Schafe gerissen – war es der Wolf?

Gurzelen

Ein Schaf war bereits tot, zwei weitere mussten von ihren Leiden erlöst werden. Ob es sich beim Angreifer auf die Herde von Martin Bigler um einen Wolf oder ein anderes Tier handelt, ist unklar. Eine DNA-Analyse soll Antworten liefern.

Eines der gerissenen Bergschafe von Züchter Martin Bigler.

Eines der gerissenen Bergschafe von Züchter Martin Bigler.

(Bild: zvg)

Seit rund 40 Jahren züchtet Martin Bigler im Gummösli in Gurzelen schwarzbraune Bergschafe. Seine Widder und Auen räumten bereits an diversen Ausstellungen und Märkten Preise und erste Plätze ab. Momentan hält Bigler 25 Mutter- und mehrere Jungtiere.

Seit letztem Freitag sind es allerdings 3 weniger: In der Nacht zuvor muss ein kräftiger Eindringling die Herde aufgesucht haben. «Drei meiner Schafe wurden gerissen. Eines fand ich bereits angefressen vor, zwei andere mussten wir von ihren Leiden erlösen», erzählt der Züchter.

Ein Sprecher der kantonalen Volkswirtschaftsdirektion bestätigte auf Anfrage den Vorfall: «Der aufgebotene Wildhüter hat von den drei toten Tieren DNA-Proben genommen. Sie werden derzeit in einem spezialisierten Labor der Uni Lausanne untersucht.» Ob es sich beim Angreifer um einen Wolf oder ein anderes Tier gehandelt hat, sei nach dem aktuellen Wissensstand noch reine Spekulation.

Bisher nichts erwiesen

In Gurzelen selbst sind Wölfe bisher nicht in Erscheinung getreten, in der weiteren Umgebung hingegen sehr wohl. In den Voralpen sowie im Gantrischgebiet, im Grenzbereich zwischen den Kantonen Bern und Freiburg, setzen mehrere Schafhirten auf Schutzhunde, um ihre Herden vor dem Raubtier zu schützen.

Trotzdem kommt es immer mal wieder vor, dass Schafe nachweislich vom Wolf gerissen werden. Im Sommer 2016 identifizierten Behörden des Kantons Freiburg im erwähnten Gebiet ein männliches Exemplar. Und vor gut zwei Monaten wurde bei Jaun in den Voralpen ein vergiftetes Weibchen vorgefunden.

Laut dem Berner Jagdinspektor Niklaus Blatter ist es gut möglich, dass Wölfe vom Gantrisch ins Gürbetal vorstossen – auch in bewohntes Gebiet. Der Wolf könne problemlos in kurzer Zeit mehrere Dutzend Kilometer zurücklegen und daher ausserhalb seines angestammten Gebiets auftauchen.

«Bisher haben wir im Gürbetal in diesem Jahr aber noch keine bestätigten Risse durch Wölfe verzeichnet», betont der Jagdinspektor. Nebst einem Wolf komme oft auch ein grosser Hund infrage.

Gewissheit bringt meistens erst eine DNA-Analyse. Betroffenen rät Blatter, bei verletzten oder toten Tieren immer sofort den Wildhüter aufzubieten. Dieser ist täglich von 7 bis 19 Uhr unter Tel. 0800 940 100 erreichbar; ausserhalb dieser Zeiten ist die Polizei zu avisieren. Gerissene Tiere dürften keinesfalls berührt werden, auch nicht durch Hunde, da dies allfällige Laboruntersuchungen verfälschen kann.

Schafe waren eingezäunt

Züchter Martin Bigler traf der Angriff auf seine Schafe aus heiterem Himmel: «Ich hätte nie damit gerechnet, dass hier so etwas passieren kann. In den letzten 40 Jahren kam das noch nie vor.» Bigler hält seine Tiere bei einem Bauernhof leicht ausserhalb des Dorfkerns.

Die Schafe sind in zwei Gruppen aufgeteilt und teilen sich je eine Weide, die von einem Elektrozaun geschützt ist – ein ungenügender Schutz, wie sich jetzt gezeigt hat. Allerdings sei es auch mehreren Schafen gelungen, vor dem Angreifer zu flüchten und direkt beim Bauernhof Schutz zu suchen.

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