Ein Baldachin über dem Bälliz?

Thun

Wie kann die Thuner Innenstadt attraktiver werden? Zum Beispiel mit einem Baldachin über dem Bälliz, findet die SVP/FDP-Fraktion – und reicht ein Postulat im Stadtrat ein.

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Es war Mitte März, als Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) die Idee eines Baldachins über dem Bälliz ein erstes Mal ins Spiel brachte. Damals sprach er beim Innenstadtleist – und erklärte, es brauche innovative und mutige Visionen. Wie die Baldachin-Idee genau entstanden ist, kann Lanz heute nicht mehr mit Sicherheit sagen: «Es hat sich aus Diskussionen ergeben. Ich will nicht für mich in Anspruch nehmen, dass ich es erfunden habe.»

Beim Leist habe er den Baldachin als Symbol gebraucht für eine Vorwärtsstrategie in der Innenstadt: «Wir können uns nicht nur gegen Entwicklungen wie den Onlinehandel und das veränderte Einkaufsverhalten wehren. Wir müssen auch versuchen, die Entwicklungen in gute Bahnen zu lenken.» Und der Stadtpräsident fügt an: «Wir sollten etwas Grosses denken.»

Eben zum Beispiel einen Baldachin als Attraktion, die zugleich ein wettersicheres Einkaufserlebnis ermöglicht, das die Leute im Onlinehandel nicht haben. Es sei wichtig, nicht zu früh zu sagen: «Es geht nicht.» Und: Wenn andere mit besseren Ideen kommen – «dann ist das super!».

«Wir planen nächsten grossen Wurf»

Zuerst kommt nun aber die Baldachin-Idee ganz konkret auf die politische Agenda. Am Donnerstag reicht die SVP/FDP-Fraktion im Stadtrat ein Postulat ein – mit dem Namen «Aufenthaltsqualität in der Thuner Innenstadt erhöhen – für einen stilvollen Baldachin im Thuner Bälliz!». Ausrufezeichen inklusive.

Fraktionspräsident Lukas Lanzrein sagt denn auch unbescheiden gegenüber dieser Zeitung: «Wir planen den nächsten grossen Wurf nach dem Parking im Schlossberg.» Dabei habe man sich von der Rede des Stadtpräsidenten beim Innenstadtleist inspirieren lassen – und zudem von der Galleria Vittorio Emanuele in Mailand, einer Überdachung des öffentlichen Raums, die zum Touristenmagneten wurde. Auch der Baldachin beim Berner Bahnhof gehöre mittlerweile zum Erscheinungsbild des Bahnhofplatzes.

Im Vorstoss wird als möglicher Perimeter für die Überdachung der Bereich ab Höhe Mühlegässli bis zur Kuhbrücke genannt. «Wir sind uns bewusst, dass ein solches Vorhaben teuer und juristisch komplex wäre», sagt Lukas Lanzrein. «Aber irgendwo muss man den Ball ins Rollen bringen.»

Gratis WLAN und Onlinereiseführer

Geprüft werden soll aber nicht nur ein Baldachin – die SVP/FDP-Fraktion listet weitere Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung auf. Etwa die Aufwertung der Grünflächen und der Brunnen, die Beleuchtung der historischen Gebäude oder Gratis-WLAN in der Innenstadt, verbunden mit einem Onlinereiseführer.

Bereits im März hatte die Fraktion zudem einen Vorstoss für einen Steg zwischen Kuh- und Mühlebrücke eingereicht. Der neuerliche Vorstoss sei auch eine Reaktion auf die im Stadtrat geäusserte Kritik der Schwarzmalerei in Bezug auf die Innenstadt. Die Politik stehe «in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Attraktivität und damit die Aufenthaltsqualität in der Innen- und Altstadt gestärkt wird», heisst es im Postulat. Dies, um auch künftig Leute anzulocken – Einheimische wie Touristen.

Die Eröffnung des Parkings im Schlossberg im November sieht die SVP/FDP-Fraktion «als optimalen Zeitpunkt, sich neue Gedanken über künftige grössere Würfe zu machen». Eben zum Beispiel mit einem Baldachin, der zur Touristenattraktion werden könne.

Thuner Tagblatt

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