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Ein Hauch von Musical in der Produktion

In zwei Monaten ist Premiere von «Ich war noch niemals in New York» bei den Thunerseespielen – jetzt gilt es, die Kostüme fertig zu nähen. Die Lernenden des Nähwerks IDM in Thun arbeiten fleissig daran.

Margrit Kunz
Kleider machen Musicals: Sabine Portenier (l., Betriebsleiterin Nähwerk IDM) und Kostümbildnerin Mareike Delaquis Porschka. Foto: Markus Hubacher
Kleider machen Musicals: Sabine Portenier (l., Betriebsleiterin Nähwerk IDM) und Kostümbildnerin Mareike Delaquis Porschka. Foto: Markus Hubacher

In den hellen Räumen der Textilen Fachschule surren die Nähmaschinen. Nichts deutet im ersten Moment darauf hin, dass hier auch Kostüme für das Musical «Ich war noch niemals in New York» am Entstehen sind. Doch dann entdeckt man mehrere Kleiderständer, sie sind mit «Seespiele» angeschrieben. Orangefarbene Etuikleider, schwarze Abendkleider und auf den Tischen durchscheinende Stoffe in Türkis und Weiss.

Mareike Delaquis Porschka, die Kostümbildnerin, erklärt: «Jedes Element ist wichtig, die Musik, die Requisiten, das Bühnenbild und die Kostüme der Darsteller, damit die Aufführung des Musicals zu einem mitreissenden Erlebnis wird.» Das Musical spielt zu einem grossen Teil auf einem Kreuzfahrtschiff. «Bei den Kostümen für die Thuner Seebühne muss man anders vorgehen als bei einem Musical in einem Indoor-Theater.

Die tolle Aussicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau lenkt die Zuschauer ab, und die Distanz zwischen Bühne und Zuschauertribüne ist grösser», sagt Delaquis. Sie muss satte Farben wählen und scharfe Silhouetten entwerfen, die die Konturen gut sichtbar machen. Die Farben werden für die Rollen, zum Beispiel die Blondinen des Liedes «Siebzehn Jahr, blondes Haar», passend ausgewählt. Mit diesen Kleidern werden die Inhalte der Songs von Udo Jürgens noch besser hervorgehoben.

280 Kostüme

«Ich war noch niemals in New York» ist ein Jukebox-Musical und besteht aus vielen Evergreens. Für die verschiedenen Szenen braucht es insgesamt 280 Kostüme. Mareike Delaquis entwirft sie und organisiert deren Beschaffung. Sie entscheidet: Was kann man kaufen? Was stellt sie in ihrem eigenen Atelier her? Was lässt sie produzieren?

«Bei den Kostümen für die Thuner Seebühne muss man anders vorgehen als bei einem Musical in einem Indoor-Theater.»

Mareike Delaquis Porschka Kostümbildnerin

Ihre Anforderungen an die Stoffe sind hoch, die Kostüme werden oft getragen. Sie werden immer wieder in ganz kurzer Zeit gewechselt und dürfen nicht reissen; es darf kein Reissverschluss kaputtgehen. Auch ein bisschen Regen müssen sie aushalten können. Seide oder Wollstoffe eignen sich gar nicht, Baumwolle nicht immer.

Delaquis setzt darum auf Kunstfasern und technisches Material, auch mal auf Neopren. Die Kostüme der Blondinen werden transparent sein. Delaquis konnte für die Matrosen weisse Hosen kaufen, doch passende weisse Oberteile waren nirgends aufzutreiben. Auch die Kostüme für die Blondinen waren so, wie sie es sich vorstellte, nicht zu kaufen.

Produktion auch in Thun

So entschloss sich Mareike Delaquis, wie schon bei früheren Aufträgen für die Seespiele, erneut mit dem Nähwerk IDM (Industrie, Dienstleistung, Modegestaltung) in Thun zusammenzuarbeiten. An der Textilen Fachschule weiss man um die Anforderungen, die an das Herstellen von Kostümen gestellt werden.

Betriebsleiterin Sabine Portenier zählt auf: «Wichtig ist die Wirkung, dann das Material, die Verarbeitung, und zuletzt muss es auch wirtschaftlich sein.» Besonderes Gewicht legt sie auf die Machart. Das heisst, es muss leicht zu ändern sein, und es müssen robuste Reissverschlüsse eingenäht werden, die nie klemmen. Die Kleider für die Darsteller werden nach Mass angefertigt. Aber bei den Anproben zeigt sich dann gelegentlich, dass es doch noch Änderungen braucht.

«Solche Aufträge sind spannend für die Lernenden», sagt Sabine Portenier. «Sie lernen auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen. Vielseitigkeit ist in der Ausbildung sehr wichtig und trägt viel zum späteren Einstieg ins Berufsleben bei.» Die Fachschule führt ausschliesslich Kundenaufträge aus. Das heisst zum Beispiel, dass Altersheime hier Arbeitskleider entwerfen und fertigen lassen. Aber es kommen auch Designer, die ihre Entwürfe als Prototypen fertigen lassen, bevor sie sich entscheiden, ein Modell in die Kollektion aufzunehmen.

Werden die Kleider auch rechtzeitig fertig? «Doch, da sehe ich kein Problem. Sie müssen jedoch mindestens zehn Tage vor der Premiere fertig sein», sagt Portenier. Delaquis fügt an: «Vor der Premiere werden ja noch Kostümproben durchgeführt, es gibt zwei Vorpremieren, darum brauchen wir genügend Vorlaufzeit.»

Ticket-Bestellmöglichkeiten und weitere Informationen über die Hotline 0800 551 800 oder unter www.espacecard.ch

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