Zum Hauptinhalt springen

Ein Hobby der Vergangenheit

An der zehnten Thuner Vogelausstellung waren am Wochenende Tauben und Brieftauben die Ehrengäste.

Kurt Schmid mit einigen Brieftauben, die in der Sonderschau gezeigt werden.
Kurt Schmid mit einigen Brieftauben, die in der Sonderschau gezeigt werden.
Irina Eftimie

Seit der Antike waren sie bis vor ungefähr hundert Jahren eine der sichersten und schnellsten Methoden, Menschen in Kontakt zu halten: Brieftauben. Obwohl sie heute nicht mehr regelmässig Nachrichten transportieren, gibt es auch heute noch begeisterte Brieftaubenhalterinnen und -halter.

Zur zehnten Ausgabe der Vogelausstellung des Zier- und Singvogelvereins Thun und dem Astrild Thun im Gewächshaus von Wittwer Blumen wurden die Tauben- und Brieftaubenvereine aus der Region Thun einge­laden, ihre Vögel und damit auch ihr Hobby den Gästen vorzustellen. Darunter war auch Kurt Schmid aus Mülenen.

Leben in Spanien

«Ich hatte schon als Schuljunge mit Brieftauben zu tun, weil mein Vater auch Brieftauben hielt», erklärt der 77-Jährige. Kurt Schmid hat bis 1975 selber Brieftauben gehalten, nach einem Umzug musste er dieses Hobby jedoch aufgeben. «Vor 23 Jahren bin ich dann mit meiner Frau nach Spanien ausgewandert und betrieb dort eine Olivenplantage», sagt Schmid. «Ich wollte schon mein Leben lang Bauer sein, aber weil ich von zu Hause aus keinen Hof hatte, war das vorher nicht möglich für mich. Mit 50 Jahren sagte ich dann einfach ‹Jetzt gehen wir!›.»

Auf seinem Hof konnte Kurt Schmid auch Tiere halten. «Ich hatte in Spanien Schafe, Ziegen, Pferde und einen Brieftaubenschlag», sagt der Oberländer. «Ich bin natürlich dem Brieftaubenclub beigetreten, und im Vergleich zur Schweiz gab es im spanischen Club viel mehr Mitglieder. Hier ist das grösste Problem, dass zu wenig junge Menschen das Hobby betreiben möchten.» Zurzeit gibt es im Brieftaubenverein Thun-Berner Oberland laut Kurt Schmid lediglich sieben aktive Mitglieder.

Intensives Training

2015 kehrte Kurt Schmid gemeinsam mit seiner Frau aus gesundheitlichen Gründen in die Schweiz zurück und richtete in Mülenen einen neuen Brieftaubenschlag ein. Der grösste Reiz, Brieftauben zu halten, sei für ihn das Wettfliegen und das stolze Gefühl, wenn die Tauben den Weg nach Hause gefunden haben. «Ich muss nicht mehr unbedingt Siegertauben haben. Für mich ist es viel wichtiger, dass sie wieder zu mir zurückkommen, zu sehen, wie sie fliegen und wie sie reagieren, wenn ich sie zu mir pfeife», erklärt Kurt Schmid.

Damit Brieftauben tatsächlich in den richtigen Schlag zurückkehren, braucht es zuerst ein intensives Training. «Das Ziel ist es, dass die Tauben 600 oder 700 Kilometer weit fliegen können und wieder nach Hause finden. Dazu bringen wir die Brieftauben jede Woche ein paar Kilometer weiter weg und schauen ob sie den Weg finden», sagt Kurt Schmid.

«Heute sind aber die verschiedenen Strahlungen von Handynetz und Strommasten ein grosses Problem für die Tauben. Man weiss zwar immer noch nicht genau, warum, aber die Strahlungen können den Orientierungssinn der Vögel beeinflussen. Auch die geschützten Raubvögel sind ein grosses Problem für uns. Früher hat man viel weniger Tauben verloren als heute.»

Start bei null

Seine eigenen Tauben konnte Kurt Schmid leider nicht während der Vogelausstellung zeigen. «Ich habe erst vor kurzem alle meine Tauben verloren», sagt Kurt Schmid. Ein Marder sei in den Schlag gelangt und habe an einem Nachmittag alle Tiere getötet. «Das ist ein grosser Verlust, und ich muss wieder von ganz vorne beginnen», sagt der Rentner. «Ein Freund hat mir zwölf Jungtiere gegeben, die schon ein wenig trainiert wurden. Diese Tauben züchte ich dann, bis ich wieder vierzig Brief­tauben habe, mit denen ich in zwei Jahren Wettflüge machen kann.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch