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Ein Leben, so normal wie möglich

Die Stiftung Silea feiert heuer ihr 50-jähriges Bestehen. Die 1967 gegründete Institution möchte ihre Bewohner in Zukunft noch individueller unterstützen.

Die Werkstatt der Silea anno 1969. Damals hiess die Institution noch «Invalidenwerkstätte».
Die Werkstatt der Silea anno 1969. Damals hiess die Institution noch «Invalidenwerkstätte».
zvg

«Es hat sich seit den Anfängen viel verändert», sagt Heidi Meyer, Präsidentin des Stiftungsrates von der Silea. «Gegründet wurde unsere Stiftung im Mai 1967. Engagierte Eltern wollten damals einen Platz schaffen, wo ihre Kinder nach der Sonderschule gut aufgehoben sein würden», erklärt Meyer.

Nach der Einführung der Invalidenversicherung (IV) sechs Jahre zuvor gab es nun auch finanzielle Unterstützung vom Staat für Stiftungen wie die Silea, die sich für integriertes Leben und Arbeiten für erwachsene Menschen mit geistiger, psychischer oder mehrfacher Beeinträchtigung einsetzen.

Gemeinsam mit den Thuner Rotariern wurden die Invalidenwerkstätten Region Thun geschaffen, Andreas Bühlmann wurde zum ersten Präsidenten ernannt.

Der damalige Standort befand sich an der Eisenbahnstrasse in Thun, die erste Produktionsstätte war in einer Militärbaracke untergebracht. 1974 zog die Silea in ein neu errichtetes Gebäude am Hännisweg 3 im Gwatt um.

Hier waren nun 45 Arbeits- und 20 Wohnplätze verfügbar. Ebenfalls neu waren ein Therapiebad und ein Gymnastikraum, die den Bewohnern auch heute noch für Freizeitaktivitäten zur Verfügung stehen. Sechs Jahre nach der Einweihung am Hännisweg kam die erste Aussenstation an der Gwattstrasse 153 dazu.

«Seit damals sind wir kontinuierlich gewachsen», so Meyer, die seit 2006 den Stiftungsrat präsidiert. Nach und nach wurden weitere Aussenstandorte mit Wohn- und Arbeitsplätzen eröffnet, darunter auch die Abteilung «AareBrügg», wo psychisch beeinträchtigte Personen im geschützten Rahmen arbeiten.

Die insgesamt 241 beeinträchtigten Bewohner der Stiftung Silea werden von 134 Mitarbeitenden betreut. Es steht ein Jahresbudget von 13,6 Millionen zur Verfügung.

Begleitung auch im Alter

Insgesamt bietet die Stiftung Silea heute 76 Wohnplätze, verteilt auf 11 Wohngruppen. Eine der Wohngruppen ist speziell auf ältere Bewohner ausgerichtet, die nicht mehr arbeiten.

Manchmal erfolge zwar ein Übertritt in ein Alters- oder Pflegeheim, «denn 24-Stunden-Betreuung können wir hier nicht bieten, da wir keine Nachtwache haben», erklärt Ruth Zaugg, Leiterin des Sekretariats und Mitorganisatorin der Jubiläumsfeier vom 12. Januar. «Wir möchten den Menschen aber ermöglichen, auch im Alter hier zu leben. Schliesslich ist das ihr Zuhause, einige unserer Bewohner sind seit 45 Jahren da.»

Freie Lebensgestaltung

«Die Namensänderungen unserer Stiftung zeigen die Veränderungen, die wir gemacht haben», sagt Heidi Meyer. So erhielt die als «Invalidenwerkstätte» gegründete Institution im Jahr 1974 die Bezeichnung «Eingliederungsstätte», 2005 wurde daraus die Stiftung für integriertes Leben und Arbeiten.

«Unsere Bewohner haben heute viel mehr Mitspracherecht», sagt Meyer. Man wolle wegkommen von einer bevormundenden Betreuung, vielmehr wolle man die Bewohner bei ihrer individuellen Lebensgestaltung unterstützend ­begleiten und sie in ein normales Leben integrieren.

Auf dieses Nor­malitätsprinzip verweist auch Hans-Rudolf Zaugg, Bereichsleiter Produktion: «Jede Wohngruppe entscheidet beispielsweise selber, ob sie unabhängig von uns einkaufen möchte oder ob die Lebensmittel von uns bereitgestellt werden. Früher waren Einschränkungen beim Essen durchaus gängig. Das ist heute anders, wer Schoggi essen will, kann das auch machen. Das verbieten wir sicher niemandem.»

Individuellere Modelle

Als Zukunftsmodell sieht Meyer vor allem das begleitete Wohnen mit Assistenz. «Momentan betreut der Silea drei Frauen mit Beeinträchtigung, die selbstständig in einer WG wohnen.» Sie bekommen wöchentlich ein Coaching.

«Der Betreuer bespricht mit den Bewohnerinnen Fragen bezüglich Freizeitgestaltung, aber auch Hilfestellung bei der finanziellen Planung ist besonders wichtig.» Eine solche individuellere Form der Begleitung wird nach Meyer vermehrt aufkommen, da der Kanton Bern in den nächsten Jahren die Gelder zur Unterstützung von Beeinträchtigten neu verteilen will.

So sollen in Zukunft nicht mehr Institutionen direkt subventioniert werden, stattdessen wird bei allen Betroffenen abgeklärt, wie viel Betreuung sie benötigen. Anschliessend wird ein entsprechender Betrag gesprochen, mit dem die Leistungen der Institutionen eingekauft werden können.

«Momentan ist der Aufwand dieses Systems zwar noch zu gross», so Meyer, deren Tochter Christine auch in der Silea arbeitet und gerade am Pilotprojekt zum neuen Modell teilnimmt.

«Positiv daran ist aber, dass Betroffene so wirklich die Unterstützung erhalten, die sie brauchen, und wir weiter von der Bevormundung wegkommen, die früher herrschte.»

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