Einblicke in die Geschichte der Computer

Thun

Das erste Vintage Computer Festival in der Konzepthalle 6 bot dem Publikum allerlei spannende Einblicke in die Computergeschichte.

Computergeschichte in Thun: Lilith (in der Bildmitte) war eines der ersten Geräte mit grafischer Bedienung.

Computergeschichte in Thun: Lilith (in der Bildmitte) war eines der ersten Geräte mit grafischer Bedienung.

(Bild: Angela Krenger)

«Digitalisierung ist keine plötzliche Entwicklung», sagte Thomas Riesen, Mitinhaber der Predata AG in Thun und Initiant des ersten Vintage Computer Festivals in Thun. Kurz darauf begann der Technikfachmann und Computersammler Robert Weiss seinen Vortrag über die Schweizer Computergeschichte mit mechanischen Rechnern und Logarithmentafeln. Den Beginn der digitalen Entwicklung setzte der Sammler und Buchautor im Jahr 1941 an. Damals sei der erste programmierbare Computer Zuse Z3 entwickelt worden, erklärte er den rund 50 Zuhörern.

Pascal-Erfinder musste passen

Einen wesentlichen Beitrag zur digitalen Entwicklung habe die Schweiz durch den Professor Niklaus Wirth geleistet, so Robert Weiss. Niklaus Wirth hätte übrigens persönlich referieren sollen, war aber krank geworden und Weiss für ihn kurzfristig eingesprungen. Niklaus Wirth hatte mit seiner Erfindung der Programmiersprache Pascal vorgezeigt, wie eine solche Sprache aussehen sollte. Das Programmieren ermöglicht es, eine Maschine zu nutzen, ohne deren Aufbau und Funktionieren genau verstehen zu müssen.

Spielerischer Umgang

Spielen, das kann jede und jeder, egal auf welchem Gerät. Das machte sich die Retro-Game-Lounge zunutze. «Wir machen alte Geräte einfach zu benutzen, indem wir Spiele auf ihnen zum Laufen bringen», so Gerald Süss, Mitgründer des formlosen Zusammenschlusses Computer­museum beider Basel. Tatsächlich tippten oder steuerten sich Besucher jeden Alters durch Egoshooter oder spielten zum Beispiel auf einem alten Bürocomputer das Text-Adventure «Zork».

Kinder legten Hand an

«Wer die Technik versteht, kann besser und flexibel damit umgehen», so eine Ausstellerin von der European Society for Computer Preservation, die mit Retro-Desktop-Computern aus dem Tessin angereist waren.

Dieses Kredo schienen viele der Besucher zu teilen, denn sie schauten die Modelle an, als würden sie sie am liebsten gleich auseinandernehmen. Kinder konnten in einem Workshop von der Agentur Actioncy wirklich Hand anlegen und bastelten Bild­schirme mit Papier und LED-Lämpchen.

Viele Lerncomputer

Die ausgestellten PCs waren in der Schweiz sehr oft zu Ausbildungszwecken verwendet worden. Zum Beispiel an der ETH Zürich, wo unter anderem eine der ersten Computerstationen mit Grafikdisplay verwendet wurde. An Westschweizer Schulen wurde in den 70er- und 80er-Jahren der Computer Smaky zum Lernen eingesetzt. Sein Vorgängermodell zum Beispiel für Geologie und Sprachen; darauf lässt sich aber auch Flipper spielen, wie das Yves Bolognini, Präsident der Fondation Mémoires Informa­tiques aus Lausanne auf einem der Exponate vorführte.

Bubenträume: Die Retro-Game-Lounge. Bild: Angela Krenger

«Dieses Festival entstand aus einer Leidenschaft für Computer. Ich war schon immer fasziniert von PCs und war selbst schon an grossen Vintage Computer Festivals in Amerika», sagte Thomas Riesen. Der Event sei nicht gewinnorientiert und basiere wesentlich auf dem Engagement der Sammler, Partner und der organisatorischen Unterstützung durch die Konzepthalle 6, so der 56-jährige Uetendorfer. «Der Anlass hat verschiedene Menschen angezogen, nicht nur Computerfreaks. Wenn möglich werden wir diesen wiederholen», so Thomas Riesen.

Thuner Tagblatt

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