Eine Nische für Influencer Goethe

Unterseen

Johann Wolfgang Goethe war im Oktober 1779 in der Jungfrauregion. Das regionale Touristik-Museum widmet dem deutschen Dichter ein neues Ausstellungsmodul.

Ein Herzog und drei Goethes, v.l.: André Dähler als Carl August von Sachsen-Weimar, Ernst Voegeli spielte vor 40 Jahren in einem Kurzfilm Goethe, Goethe als Pappfigur im Touristik-Museum und Peter Wenger als Goethe-Darsteller.

Ein Herzog und drei Goethes, v.l.: André Dähler als Carl August von Sachsen-Weimar, Ernst Voegeli spielte vor 40 Jahren in einem Kurzfilm Goethe, Goethe als Pappfigur im Touristik-Museum und Peter Wenger als Goethe-Darsteller.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Goethe war ein Influencer. Die sozialen Medien funktionierten vor rund 250 Jahren zwar langsam, aber dafür nachhaltig.Johann Wolfgang Goethe reiste und sorgte dafür, dass seine Reisedestinationen bekannt wurden, indem er seine Eindrücke in vielen Briefen an sein Netzwerk von einflussreichen Persönlichkeiten beschrieb und seine Erlebnisse zu Erzählungen und Gedichten verarbeitete.

Eines der berühmtesten, «Gesang der Geister über den Wassern», enthält in Versform eine genaue Beschreibung des Staubbachfalls in Lauterbrunnen. Vor 240 Jahren hat Goethe ihn, von Unterseen herkommend, gesehen. Vor 40 Jahren hat die Jungfrauregion die Schweizerreise des Dichterfürsten gefeiert.

Unter anderem finanzierten die Jungfraubahnen einen kinotauglichen Kurzfilm über Goethes Wanderung über die Kleine und die Grosse Scheidegg, wobei natürlich auch die Bergbahnen ins Bild fuhren. Der Goethe-Darsteller im Film war der heutige Unterseener Gemeinderat Ernst Voegeli. In Unterseen wurde im gleichen Jahr das 700-Jahr-Jubiläum gross gefeiert.

Die Gemeinde restaurierte zum Geburtstag ein ehemaliges Pfarrhaus in der obersten Altstadthäuserzeile. Ein Verein richtete darin ein regionales Touristikmuseum ein. Aktuell wird intensiv an einer Neuausrichtung des Museums gearbeitet, Interaktivität und Reflexion sind die Themen. Auch das der Gemeinde gehörende Gebäude braucht eine Sanierung.

Ein Goethe-Modul

Bis Ende 2020 wird es sicher noch so bleiben, wie es sich heute präsentiert. Neu neben Bergbahnen, Brauchtum und Hotelgeschichte gibts jetzt auch ein Goethe-Modul in einer grossen Nische im ersten Stock. Mit einer Pappfigur des Dichterfürsten, mit einem Gletscherbild aus dieser Zeit, mit einem Staubbachbild samt Gedicht, mit dem Goethe-Reise-Film und mit Tagebuch- und Briefzitaten zu seinem Aufenthalt in Unterseen.

«Gegen zwölfe kamen wir in Untersewen an, assen eine grosse Forelle, examinirten einen Augenarzt wovon ich den Zettel hier beischliesse. Das Jungfrauhorn war mit Wolcken angezogen. Das Eisthal in Sonnenblicken auserordentlich schön», schrieb er, sichtlich noch ohne Duden, an Frau von Stein. Sie war, wie er, am Hof von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar beschäftigt, für den die «Reise zu den Glätschern» mit Minister Goethe eine Bildungsreise war.

Die Begegnung mit dem Augenarzt und der Forelle wurden am Freitag zur Feier des neuen Ausstellungsmoduls «Goethes Schweizer Reise 1779» nachgespielt: Daniel Reichenpfader präsentierte im Stadthaus eine mit Kapern und Anchovis spannend gewürzte Forelle, und der Augenarzt Tavaros trat auf.

Im Museum gibts einen kleinen Abriss zum Thema: Staroperationen werden seit 3600 Jahren durchgeführt, und der Erfolg scheint in früheren Jahrhunderten mässig gewesen zu sein. Die «Augenstecher» wanderten jeweils vorsichtshalber raschweiter.

Das Touristikmuseum ist im Oktober von Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr offen. Im Dezember wird es am Mittwoch und Sonntag geöffnet. Im benachbarten Restaurant Stadthaus steht die Goethe-Forelle im laufenden Monat auf der Menükarte.

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