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Er blieb stets weltoffen und neugierig

Kurz vor seinem 95. Geburtstag ist Bruno Lerch friedlich eingeschlafen. Er war 20 Jahre lang im Thuner Gemeinderat – und bis zuletzt am ­gesellschaftlichen und politischen Leben interessiert.

Lotte Brenner
Bruno Lerch (links) auf einer undatierten Aufnahme mit dem ehemaligen Thuner Stadtpräsidenten Ernst Eggenberg (Archivbild)
Bruno Lerch (links) auf einer undatierten Aufnahme mit dem ehemaligen Thuner Stadtpräsidenten Ernst Eggenberg (Archivbild)

Es war 1962, als Bruno Lerch mit seiner Familie von Aarberg, wo er zuletzt als Gerichtspräsident gewirkt hatte, nach Thun zog: Nach dem Tod des Schwiegervaters trat er mit seiner Frau Silvia in den Familienbetrieb Ott-Verlag ein. Bereits 4 Jahre danach wurde er in den Thuner Gemeinderat gewählt – sozusagen als Quer­einsteiger, ohne den üblichen Weg über den Stadtrat zu nehmen.

20 Jahre lang gehörte er der Exekutive an, 16 davon hauptamtlich. Als Vertreter der damaligen Bauern- und Gewerbepartei BGB, die später in die SVP mündete, übernahm er vorerst das Schulressort. 1970 wurde er in den Grossen Rat des Kantons Bern gewählt, und von 1971 bis 1986 leitete er als hauptamtlicher Gemeinderat das Baudepartement.

Jahrelang präsidierte er die AG für Abfallverwertung Avag, und er war bei der Autobahneröffnung begeistert dabei. Der technische Fortschritt faszinierte ihn. Nun ist Bruno Lerch kurz vor seinem 95. Geburtstag friedlich eingeschlafen.

Drei Alt-Gemeinderäte würdigen ihren einstigen Kollegen

«Ich erinnere mich spontan an die Thuner Bewerbung für die Kaba-Ausstellung 1974, bei der Bruno Lerch das Präsidium innehatte», sagt Kurt Lüthi, ebenfalls SVP und einst Gemeinderatskollege von Lerch. Lüthi, der im Wirtschaftskomitee war, bedauert, dass die Kaba vom Kanton ­abgeblasen wurde. Als Grund sei «Konjunkturüberhitzung» angegeben worden.

Der ehemalige Stadtpräsident Hansueli von Allmen erinnert sich an die Zeit, als Bruno Lerch, Urs Kunz (FDP) und der damalige Stadtpräsident Ernst Eggenberg (SP) hauptamtliche Gemeinderäte waren und er als Nebenamtlicher oft mit vorbesprochenen Geschäften konfrontiert worden sei. «Gegen meinen Parteikollegen Ernst Eggenberg habe ich in der Finanzpolitik etliche Male hart auf hart debattiert. Bruno Lerch hat mir dabei oft den Rücken gestärkt», sinniert von Allmen.

Mit Bewunderung erwähnt er, wie sich Bruno Lerch im hohen Alter mit dem Bau seiner Wohnung an der Wartbodenstrasse einen Lebenstraum erfüllte. Ein «legendäres Markenzeichen» nennt er Lerchs Fahrten mit Helm auf dem Flyer, die er bis vor kurzem unternommen habe. «Er bleibt mir als liebenswürdig und konsensorientiert in bester Erinnerung», sagt von Allmen.

Auch Peter Wyss (FDP), ebenfalls ehemaliger Gemeinderatskollege von Lerch, pflegte bis ins Alter kameradschaftliche Kontakte mit Lerch – so bei den Veteranen des Männerchors Thun, in dem Lerch seit 1965 und bis vor kurzem aktiv sang. Daneben bestand ein wöchentlicher Männerstamm von älteren Herren, wo laut Wyss «immer gute Gespräche geführt wurden».

Noch vor kurzem stellte er berühmte Schachpartien nach

Bruno Lerch war zeitlebens ein grosser Naturfreund. Schlittschuh- und Skifahren gehörten zu seinen sportlichen Tätigkeiten ebenso wie Bergtouren oder das Reiten bis fast ins 90. Lebensjahr. Auch wenn ihm zuletzt auf sportlicher Ebene nur noch die Fahrten auf seinem Flyer blieben, so blieb er dafür geistig auf hohem Niveau. Erst kürzlich war er in ein Schachspiel versunken anzutreffen: Auf einem grossen Brett stellte er berühmte Partien grosser Schachmeister nach und ­studierte sie eingehend.

Seine Eigenständigkeit und Selbstbestimmung behielt er bis kurz vor seinem Tod. In Gesprächen erzählte er oftmals lebendig und mit leuchtenden Augen von seinen Reisen, zum Beispiel nach Skandinavien, in die Ukraine, ins Baltikum oder nach Pakistan.

Bruno Lerch war weitsichtig und grosszügig, akzeptierte auch Andersdenkende, ohne dass er dabei jedoch seine Meinung aufgegeben hätte. Auf seine beiden Söhne Christoph und Felix, die beide ebenfalls eine juristische Laufbahn eingeschlagen haben, war er mächtig stolz. Besonders freute er sich über Christophs Wahl zum Regierungsstatthalter Bern-Mittelland. Auch mit den beiden Enkeln Till und Moritz verstand er sich gut.

Nicht nur seine Stimme am Telefon wirkte jugendlich auf Menschen, die sein Alter nicht kannten, auch sein Denken war oftmals verblüffend jung, fand er doch immer wieder Zugang zu den Jungen. Eine seiner Stärken war, dass er bis ins hohe Alter das Staunen nie verlernte. Dabei ­waren es auch kleine, bescheidene Dinge, die er aufrichtig wahrnahm.

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