Es begann in Grosis Estrich

Wattenwil

Das Museum im alten Dorfschulhaus Wattenwil zeigt Fotografien von Hannes Bhend.

Eine Libelle, kurz nachdem sie geschlüpft ist.

Eine Libelle, kurz nachdem sie geschlüpft ist.

(Bild: Hannes Bhend)

Estriche sind faszinierende Orte. Sie bergen oft die Geheimnisse und verborgenen Schätze, die ein Leben verändern können. Auch Hannes Bhend, geboren 1950, stiess in jungen Jahren auf dem Dachboden seiner Grossmutter auf einen solchen Gegenstand: «Ein Stereogucker», erinnert er sich, «ein altes Gerät, mit dem man durch zwei Linsen auf ein Bild sieht, das auf einer Glasplatte angebracht ist.» Die Liebe von Hannes Bhend zur Fotografie war erwacht, befeuert von seinem Vater, der von derselben Leidenschaft erfüllt war. Es dauerte nicht lange, und Hannes Bhend hatte seine erste Kamera, der viele weitere folgen sollten. Eine Auswahl zeigt er neben seinen Fotografien im Rahmen der Ausstellung «Licht-Zeit-Raum» im Museum im Dorfschulhaus Wattenwil.

Mohn und Ahorn

Bhend, der in Bern lebt und während Jahrzehnten Primarlehrer in Niederscherli bei Köniz war, zog es schon vor seiner Pensionierung immer wieder in die freie Natur. Eines seiner Lieblingsmotive ist der Mohn, der seinen Zauber besonders im Gegenlicht entfaltet, das dessen filigrane Blätter erst richtig zur Geltung bringt. Auch der Ahorn mit seinen charakteristischen Blättern taucht in der Ausstellung in Wattenwil mehr als einmal auf. Mal als ganzer Baum, mal aus nächster Nähe, mal rot und mal grün. Atemberaubende Nähe stellt Bhend dank minimalen Verschlusszeiten auch zu Tieren im Flug her. Schmetterlinge zum Beispiel, die in Formation eine Blüte anfliegen. Oder Rotmilane, die ein frisch gemähtes Feld nach Mäusen absuchen. Da ist jeder Fühler und jede Feder gestochen scharf, als ob die Tiere direkt vor den Augen des Betrachters durch die Luft pflügten. Ein wichtiges Gestaltungsmittel ist bei Bhend auch das Verhältnis zwischen Schärfe und Unschärfe. Oft achtet er bei der Auswahl des Motivs auf eine farbliche Reduktion, wie beim Bild mit den Libellen auf einem Blatt.

Effekte sind tabu

«Im Gegensatz zu anderen Fotografen trauere ich der analogen Zeit nicht nach», sagt er. «Schon in der Zeit vor den Digitalkameras habe ich mir immer einen Bildschirm gewünscht, um sofort zu sehen, was aus einer Aufnahme geworden ist.» Spielereien mit Farben oder Effekten bei der Nachbearbeitung sind für ihn tabu. «Ich verändere die Bilder nur, um genau das zu erhalten, was ich durch den Sucher gesehen habe», beschreibt er sein Vorgehen. Also zum Beispiel ein Gesicht aufhellen, das aufgrund des Gegenlichts etwas zu dunkel geraten ist. Dafür genügen ein paar Klicks mit der Maus. Früher war das Prozedere viel aufwendiger: «Beim Entwickeln meiner Filme musste ich jeweils ein Blatt Papier mit einem Loch über die dunkle Stelle der Fotografie halten, um sie aufzuhellen.»

Eine Kamera ist immer dabei

Hannes Bhend richtet den Fokus nicht nur auf Pflanzen und Tiere, sondern auch auf Menschen, grössere und kleinere Objekte und ganze Landschaften. Seine schwarze Tasche mit der Nikon hängt fast immer an seiner Schulter, und wenn er sie einmal zu Hause lässt, hat er zumindest das Handy dabei. Dass die Fotofunktion das Kriterium ist, nach dem er sein Smartphone kauft, versteht sich von selbst. Bhend wendet sein profundes Wissen um das Fotografieren aber nicht nur an; dank seiner Lehrer-DNA gibt er es auch weiter. Am Sonntag, 28. April, leitet er im Wattenwiler Museum von 14 bis 17 Uhr einen Fotoworkshop, wo er Tipps für bessere Bilder vermittelt.

Ausstellung «Licht-Zeit-Raum», Museum Wattenwil im Dorfschulhaus: Vernissage heute Samstag von 17 bis 20 Uhr. Öffnungszeiten: jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Dauer der Ausstellung bis 30. Juni.

Thuner Tagblatt

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