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Es ging ums liebe Geld

Vier ­Beschuldigte haben sich wegen versuchter Erpressung zu verantworten. Es blieb beim Versuch, weil das Opfer nicht darauf einging und die Polizei einschaltete.

Dem Erpressungsopfer wurde mit dem Abschneiden des kleinen Fingers gedroht, sollte er den Forderungen nicht nachkommen (Symboldbild/Fotolia)
Dem Erpressungsopfer wurde mit dem Abschneiden des kleinen Fingers gedroht, sollte er den Forderungen nicht nachkommen (Symboldbild/Fotolia)

Anfänglich waren sie Partner, der Garagist aus der Region Thun und der heute 78-jährige Rentner. Die beiden hatten 2003 eine Gesellschaft gegründet, welche den Erwerb und die Bewirtschaftung einer Industrieliegenschaft zum Zweck hatte. Zwei Jahre später kam es zu Unstimmigkeiten. Die Causa durchlief vom Schiedsgericht über die Staatsanwaltschaft, das Regionalgericht und das Obergericht bis zum Bundesgericht sämtliche Instanzen. Der Rentner verlor alle Prozesse und geriet durch hohe Prozesskosten in finanzielle Schwierigkeiten. Am Donnerstag stand er als Beschuldigter vor Gericht.

Der Rentner erhielt von einem Bekannten über einen Zeitraum von sechs Jahren Darlehen von insgesamt 180'000 Franken. Da er nicht in der Lage war, diese ­zurückzuzahlen, musste nach «Lösungen» gesucht werden. Dem Bekannten gegenüber, welcher ebenfalls angeklagt ist, gab er an, dass ihm der Geschäftsmann mehr als 4 Millionen Franken schulde. Darauf wurden zwei Mittelsmänner, ein 52- und ein 32-jähriger Schweizer, eingeschaltet.

Mit Fingerabschneiden gedroht

Die eigentliche Tatausführung geschah Anfang Januar 2015. Die zwei Mittelsmänner tauchten im Betrieb des Garagisten auf. Sie wollten angeblich wegen der 4,8 Millionen Franken im Zusammenhang mit einem Betrugsfall mit ihm reden. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, sagten sie dem Mann, dass ihnen seine «Dräckkonti» bei einer Bank bekannt seien. Sie gaben ihm eine Woche Zeit, die Angelegenheit zu regeln, und warnten ihn vor einer Verständigung der Polizei.

Weiter drohten sie dem Mann bei Nichtbefolgung ihrer Forderungen mit dem Abschneiden eines kleinen Fingers. Das Opfer fühlte sich eingeschüchtert. Trotzdem ging es nicht auf die Forderung ein, bezahlte auch kein Geld, sondern avisierte die Polizei. Die vier Beschuldigten sassen daraufhin zwei Monate in Untersuchungshaft.

«Drohung stimmt nicht»

Am gestrigen Verhandlungstag befragte Gerichtspräsidentin Eveline Salzmann den bedrohten Garagisten als Zeugen. Dieser ­bestätigte weitgehend den in der Anklageschrift geschilderten Sachverhalt.

Weiter erfolgte die Einvernahme der vier Beschuldigten. Der Rentner schilderte die Dinge in teilweise langfädiger Art und Weise. Zeitweise wand er sich oder konnte sich nicht mehr erinnern. Die beiden Mittelsmänner bestritten einige Straftatbestände, etwa die Drohung des Fingerabschneidens. «Die Aussagen der beiden sind reine Schutzbehauptungen», führte Staatsanwalt Thomas Wyser in seinem Plädoyer aus. Der Tatbestand der versuchten Erpressung sei erfüllt.

Für den 52-jährigen Mittelsmann, den Haupttäter, beantragte er mit Rücksicht auf Vorstrafen eine unbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten. Für den Mittäter, den Rentner und dessen Bekannten forderte Wyser bedingte Freiheitsstrafen. Am Freitag finden die Plädoyers der vier amtlichen Verteidiger statt. Die Urteils­eröffnung erfolgt am Montag, 20. November.

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