Finnischer Weltstar spielt Bach im Rathaus

Thun

In ihrer Veranstaltungsreihe «Im Rathaus um 4» präsentieren Sabine und Tuomas Kaipainen einen Solisten von Weltruf. Der finnische Cellist Arto Noras spielt am Samstag in Thun.

Der finnische Cellist Arto Noras gastiert am Samstag, 3. November 2018, im Rathaus Thun.

Der finnische Cellist Arto Noras gastiert am Samstag, 3. November 2018, im Rathaus Thun.

(Bild: PD)

«Es war das erste Konzert, das ich als kleiner Junge überhaupt besuchte», erinnert sich Tuomas Kaipainen. Sein Vater habe ihn in die Sibelius-Akademie in Helsinki geführt. Dort spielte der junge Cellist Arto Noras sein Diplomkonzert mit Werken von Johann Sebastian Bach.

Nicht zuletzt dieses Konzert im Jahr 1964 hatte für den künftigen Barockoboisten Kaipainen eine prägende Wirkung. Inspiriert von diesem Erlebnis nahm Kaipainen zunächst Cellounterricht, bevor er seine Leidenschaft für Holzblasinstrumente entdeckte.

Noras studierte unter anderem beim französischen Cellisten und Komponisten Paul Tortelier. Schon zwei Jahre nach seinem Diplom gelang dem jungen Musiker eine Sensation mit dem 2. Platz beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau, was für einen Nichtrussen schier unmöglich war. Dieser bahnbrechende Erfolg machte Noras zum gesuchten Kammermusiker, der mit Orchestern in aller Welt konzertierte.

Seine Liste an Aufnahmen ist lang und umfasst klassisches wie selbst komponiertes Material. Zudem gibt es Werke, die extra für ihn geschrieben wurden. Neben zahlreichen anderen Künstlern hat Noras für Aufnahmen mit dem polnischen Avantgarde-Komponisten Krzysztof Penderecki zusammengearbeitet.

Besondere Ehre für Publikum

Seine lange Karriere als Professor an der Sibelius-Akademie, seine Masterclasses und seine Arbeit als Juror bei zahlreichen Wettbewerben haben die Cellomusik in Finnland und weltweit gefördert. Noras ist Gründer der International Paulo Cello Competition und des Naantali Music Festival in Finnland, als dessen künstlerischer Direktor er bis heute wirkt.

Dass der Cellist überhaupt für ein Konzert nach Thun kommt, ist bereits aussergewöhnlich. Dass er hier die Bach-Suiten für Violoncello spielt, darf das Publikum als besondere Ehre auffassen. Denn in einem Interview erklärte er unlängst, dass er eigentlich keinen Bach mehr spielen möchte.

Ein Teil der Musikwelt erwarte, dass er die Suiten im Barockstil spiele. «Für diese Gruppe darf ich nicht mein ganzes Wissen und meine Erfahrung in der Musik anwenden und Bach so spielen, wie ich es mag.» Die anderen bevorzugen seinen zeitgenössischen Stil – dann dürfe er keineswegs barock spielen.

Egal, was er tue, jemand werde beleidigt sein. Ob er die Suiten mit oder ohne Vibrato, Legato oder mit getrennten Bögen spiele, mit einer Vielzahl von Tempi und so weiter – jemand werde es garantiert nicht mögen.

Der Thuner Musiker und Konzertorganisator Tuomas Kaipainen ist sehr gespannt, wie die Werke, 50 Jahre nachdem er sie das letzte Mal von Arto Noras gehört hatte, am 3. November im Rathaus klingen werden.

Seit 11 Jahren wünscht sich das Ehepaar Kaipainen ein Konzert mit Noras in ihrer Reihe «Im Rathaus um 4». Einige Male gab es Begegnungen beim Naantali Festival. Jetzt reist der weltberühmte Cellist extra aus Finnland an, um seine Kunst mit den Thunerinnen und Thunern zu teilen.

Reservierungen für das Konzert von Arto Noras mit Vital Julian Frey am Samstag, 3. November, um 16.15 Uhr (Konzertkasse ab 15.15 Uhr) via info@um4.ch oder Tel. 033 222 72 02.

Thuner Tagblatt

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