Flucht nach vorne

Ein Kommentar von TT-Redaktor Marco Zysset zu den Hotel-Plänen der Hotelfachschule Thun.

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Ein neues Hotel in Thun? Das hatten wir doch schon mal in jüngerer Vergangenheit: Ursprünglich war auf dem Rex-Areal ein Hotelbau vorgesehen; am Lachenkanal war ein Neubau direkt am See geplant – zuerst mit 100 Zimmern plus Wohnungen, dann in Kombination mit einem Alterszentrum. Investoren konnten für keines der Projekte gefunden werden – auf dem Rex-Areal wird heute gewohnt, im Lachen immer noch parkiert.

Dass nun ausgerechnet die Hotelfachschule, die finanziell sowieso unter Spardruck steht, einen Anlauf für ein neues Hotel in Thun wagt, überrascht. Aber nur auf den ersten Blick. 40 bis 50 Zimmer plus Kurzzeitwohnungen für geschätzte 10 Millionen sind nicht 100 Zimmer plus Luxuswohnungen für 75 oder mehr Millionen. Die Hotelfachschule kann auf eine bestehende Infrastruktur etwa in der Gastronomie zurückgreifen. Und sie visiert mit drei bis vier Sternen ein Segment an, in dem Thun tatsächlich Bedarf hat. Hotels in der oberen Preisklasse gibt es rund um den See genug.

Vernünftig dimensioniert, in Gehdistanz zum KKThun mit seinen Kongressgästen und -teilnehmern sowie mit innovativen Betriebsansätzen hat das Projekt der Hotelfachschule durchaus Chancen. Vielleicht werden künftige Betreiber der Schule rückblickend feststellen, dass der Spardruck, der 2017 aufgesetzt wurde, nicht nur schlecht war – weil er die Verantwortlichen dazu zwang, die Flucht nach vorne zu ergreifen.

mailto:m.zysset@bom.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.03.2018, 20:21 Uhr

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