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Freiheitsstrafe für Kilometer-Betrug

Der Occasionsfahrzeughändler aus der Region Thun, der Kilometerzähler zurückgedreht hat, wurde am Mittwoch zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 21 Monaten verurteilt.

Ein Occasionshändler aus der Region Thun hatte Manipulationen an den Kilometerzählern der Autos vorgenommen. Deshalb stand er vor Gericht. (Symbolbild)
Ein Occasionshändler aus der Region Thun hatte Manipulationen an den Kilometerzählern der Autos vorgenommen. Deshalb stand er vor Gericht. (Symbolbild)
Keystone

Gerichtspräsidentin Dorothea Züllig von Allmen hatte im Internet recherchiert, bevor sie am Mittwoch in Thun das Urteil verkündete: «Es könnte sein, dass jedes dritte Occasionsauto von einer Kilometermanipulation betroffen ist», sagte sie. Ein Kavaliersdelikt sei das aber trotzdem nicht, stellte die Gerichtspräsidentin klar. Solche Manipulationen hat auch der Occasionshändler aus der Region Thun, der am Mittwoch vor Gericht stand, vorgenommen, und das nicht zu knapp: Die Kilometerzähler wurden im elektronischen Bereich mithilfe einer Firma aus Italien bis zu hunderttausend Kilometer zurückgedreht.

Drei Anklagepunkte erfüllt

2013 flog diese Praxis auf. Der Mann hatte 2010 seinen gesamten Fahrzeugbestand an einen Nachbarn verkauft. Dieser sagte als Zeuge aus. Es zeigte sich bei ihm bald, dass er Autos mit einem manipulierten Kilometerstand übernommen hatte. Der Kaufpreis für die 487 Fahrzeuge wurde daraufhin beachtlich reduziert. Später betrieb der Angeklagte den Käufer, und dieser zeigte ihn an. 2014 machte die Polizei beim Angeklagten eine Durchsuchung und stellte fest, dass bei 20 der kontrollierten 105 Fahrzeuge der Kilometerstand wieder manipuliert war. Diese Zeitung hat vom ersten Prozesstag berichtet.

«Der Käufer durfte sich darauf verlassen, dass die vom Verkäufer unterschriebenen Angaben im Inventar richtig waren», sagte die Gerichtspräsidentin gestern bei der Urteilsverkündung. Sie hielt deshalb beim «Gesamtverkauf» sowohl den Tatbestand der Urkundenfälschung als auch den des gewerbemässigen Betrugs für erfüllt. Im Fall der bei der Polizeirazzia gefundenen Fahrzeuge mit frisiertem Kilometerstand entschied sie auf versuchten gewerbsmässigen Betrug.

«Die Bereicherungsabsicht war gegeben, und der Angeklagte handelte nicht aus einer Notlage heraus», sagte die Gerichtspräsidentin. Das Aufrechnen der Sanktionen für die verschiedenen Tatbestände ergab eine Freiheitsstrafe von 26 Monaten. Abzüge gab es, weil der Mann geständig war und weil sich das Verfahren über Jahre erstreckt hat, sodass die Freiheitsstrafe schliesslich 21 Monate betrug und bedingt auf zwei Jahre ausgesprochen wurde.

Und ein Freispruch

Einen Freispruch hingegen gab es im Anklagepunkt «Übertretung gegen das Tierschutz- und das Hundegesetz». Unbestritten war, dass die beiden Rottweiler, die das Gebrauchtwagengelände hinter einem sicheren Baustellenzaun zusätzlich bewachten, im Juni 2015 ausgerissen waren und einem kleinen Hund und einer Katze tödliche Verletzungen zugefügt hatten.

Die Gerichtspräsidentin entschied, dass ein Freispruch erfolgen musste, weil der Mann mit dem Bauzaun seine Sorgfaltspflicht erfüllt hatte. In dubio pro reo (Im Zweifel für den Angeklagten) hielt sie es für gegeben, dass der Zaun in der Nacht vor dem Vorfall durch Fremdeinwirkung beschädigt worden war.

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