Freistatt: Anteil für gemeinnütziges Wohnen erhöht

Thun

Nach der öffentlichen Mitwirkung zum Areal Freistatt erhöht der Thuner Gemeinderat den Anteil des genossenschaftlichen Wohnungsbaus von einem Viertel auf ein Drittel.

Das Freistatt-Areal aus der Vogelperspektive. Im Bereich unten links ist der Kreisel Länggasse/Mattenstrasse zu sehen.

Das Freistatt-Areal aus der Vogelperspektive. Im Bereich unten links ist der Kreisel Länggasse/Mattenstrasse zu sehen.

(Bild: Christoph Gerber)

Überraschungen? Nein, die habe es für sie in der Mitwirkung zum Areal Freistatt nicht gegeben, sagt die Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung, Marianne Dumermuth (SP). «Wir haben uns lange damit beschäftigt. Und die Testplanung hat in meinen Augen sehr viel gebracht», führt die Gemeinderätin aus. Die 23 Eingaben von Organisationen, Vereinen, Parteien und Privaten zeigen laut Dumermuth «absolut mehrheitlich Zustimmung».

So sind etwa der Perimeter der neuen Zone mit Planungspflicht (ZPP; vgl. Kasten) oder die Forderung nach einer hohen Qualität der Be­bauung in verdichteter Bauweise unbestritten, wie der vom Gemeinderat am Mittwoch veröffentlichte Bericht zur Mitwirkung aufzeigt. ­Allerdings gibt es auch Bereiche, bei denen die Meinungen diametral auseinandergehen. So etwa beim Mindestanteil für gemeinnütziges Wohnen.

Die wichtigste Änderung

Vor der Mitwirkung legte die Stadt diesen Wert bei einem Viertel der Fläche fest. In ihrer gemeinsamen Eingabe hielten SVP und FDP fest, dass sie ein Viertel als «absolute Obergrenze» er­achten. Doch nun hat der Gemeinderat den ­Anteil für genossenschaftlichen Wohnungsbau von einem Viertel auf ein Drittel erhöht. Es handelt sich – neben einigen Präzisie­rungen oder geringfügigen Anpassungen – um die wichtigste Änderung nach der Mitwirkung.

Warum dieser höhere Anteil? «Wir haben ein grosses Interesse daran, dass wir die Absichtser­klärungen gegenüber der Bau- und Wohngenossenschaft Freistatt einhalten können: Für sie soll eine zeitgemässe Erneuerung möglich sein, nicht einfach nur ein Realersatz», antwortet Marianne Dumermuth. Dies sei mit einem Mindestanteil von einem Drittel der Fläche möglich. Zudem verweist die SP-Gemeinderätin auf die Wohnstrategie: Dort ist festgelegt, dass die Stadt den Anteil an gemeinnützigem Wohnungsbau halten möchte. Werden etwa in der Freistatt allgemein mehr Wohnungen erstellt, soll es also auch mehr gemeinnützigen Wohnungsbau geben.

Dumermuths Partei sind 33 Prozent allerdings immer noch deutlich zu wenig: Die SP teilte gestern per Communiqué mit, der Gemeinderat habe sich bei der Anpassung der ZPP nur un­genügend bewegt. Es liege nun am Stadtrat, den Anteil an gemeinnützigem Wohnungsbau «auf mindestens 75 Prozent» zu erhöhen. «Sollte dies nicht er­folgen, kann sich die SP Thun ein Referendum vorstellen.» Ein zentrales Anliegen der SP sei zudem, dass das Freistatt-Areal in der Hand der Stadt Thun bleibe. Allenfalls könne Land im Baurecht abgegeben werden.

Regierung bleibt in der Mitte

Für Kontroversen sorgte in der Mitwirkung auch die Anzahl Autoabstellplätze. «Obwohl eine Mehrheit der Mitwirkungsein­gaben eine autoreduzierte Siedlung akzeptiert oder begrüsst, lehnen verschiedene Mitwirkende dezidiert Beschränkungen in diesem Bereich ab», schreibt die Stadt in ihrer gestern verschickten Medienmitteilung. Der VCS etwa forderte maximal 0,5 Abstellplätze pro Wohnung – SVP und FDP verlangten 1 bis 2 Plätze pro Wohnung mit über 120 Qua­dratmetern Fläche. Der Ge­meinderat bleibt bei einer Bandbreite von 0,5 bis 1 Abstellplatz pro Wohnung und will sich so «über das ganze Areal eine ge­wisse Flexibilität bewahren».

Mehrere Mitwirkungseingaben betrafen zudem das künftige Verkehrs- und Geschwindigkeitsregime auf der Länggasse und der Mattenstrasse sowie die Ausgestaltung des Knotens Länggasse/Mattenstrasse. Das Prinzip der Koexistenz der Verkehrsteilnehmenden bei reduziertem Tempo findet laut Stadt grossmehrheitliche Akzeptanz. Einzelne Mitwirkende lehnen aber laut Dumermuth tiefere Geschwindigkeiten grundsätzlich ab. Welches Tempo künftig gelten wird, ist noch nicht festgelegt. «Im Gesamtverkehrsprojekt ist aber keine 30er-Zone in der Länggasse vorgesehen», führt Marianne Dumermuth aus. Wichtig sei, dass der Knoten Länggasse/Mattenstrasse genau angeschaut werde – zumal in diesem Bereich ein kleines Quartierzentrum entstehen soll.

Im Frühling 2019 im Stadtrat?

Einzelne Anwohner äusserten in der Mitwirkung Kritik an der Bebauungsdichte. «Die Sorge gilt der baulichen Ausgestaltung der Gebäudehöhe im Übergang zur bestehenden Bebauung (Ränder), der künftigen Beschattungssituation sowie der Maximalhöhe des Gebäudes am Knoten Mattenstrasse/Länggasse», heisst es in der Mitteilung der Stadt. Verschiedene Eingaben betreffen zudem auch die Aufhebung oberirdischer Parkplätze im Umfeld des Areals. Gefordert wird ein Real­ersatz. Zum Teil wollen Mitwirkende, dass die Freistatt als 2000 Watt-Areal in den ZPP-Bestimmungen verankert wird. Gebäudehöhe, Parkplätze und Energievorschriften sollen laut Stadt im Rahmen des Architekturwettbewerbs detailliert angeschaut und wo nötig konkretisiert werden.

Die Zonenplanänderung wird nun dem Kanton zur Vorprüfung eingereicht. Danach folgt das Auflage- und Einspracheverfahren. «Voraussichtlich im Frühjahr 2019 befindet der Thuner Stadtrat über die Zonenplan­änderung. Sie untersteht dem fakultativen Referendum», heisst es in der Mitteilung weiter. Anschliessend solle ein Architekturwettbewerb durchgeführt werden, dessen Ergebnis nicht vor Frühjahr 2020 vorliegen werde. «Erst dann können etappenweise die konkreten Bauprojekte ausgearbeitet werden.» Ein Baubeginn sei frühestens im Jahr 2022 möglich.

Der Bericht zur Mitwirkung zum Download: www.thun.ch/freistatt.

Thuner Tagblatt

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