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Friedlicher Protest gegen den «Klimanotstand»

Mehrere Hundert vorwiegend junge Menschen demonstrierten am Freitag in der Thuner Innenstadt friedlich gegen den Klimawandel. Wir wollten von Teilnehmenden wissen, wie sie es ganz persönlich mit dem Umweltschutz halten.

Der Rathausplatz in Thun stand am frühen Freitagnachmittag ganz im Zeichen des Klimastreiks.
Der Rathausplatz in Thun stand am frühen Freitagnachmittag ganz im Zeichen des Klimastreiks.
Patric Spahni
Die Schülerinnen und Schüler brachten zahlreiche selbstgemalte Transparente mit.
Die Schülerinnen und Schüler brachten zahlreiche selbstgemalte Transparente mit.
Patric Spahni
Insgesamt nahmen laut Schätzungen der Veranstalter gegen 800 Personen an der bewilligten Demonstration teil.
Insgesamt nahmen laut Schätzungen der Veranstalter gegen 800 Personen an der bewilligten Demonstration teil.
Patric Spahni
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«Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!» Eine der zentralen Parolen der Bewegung Klimastreik hallte am Freitagnachmittag durchs Bälliz und die Thuner Altstadt. Kurz vor 13 Uhr versammelte sich eine grosse Schar Jugendlicher, Kinder und junger Erwachsener, aber auch Senioren rund um den Brunnen auf dem Rathausplatz.

Zum Thuner Klimastreik aufgerufen hatte eine Gruppe von rund 15 Gymnasiasten und Studenten um Linus Dolder. Der 15-Jährige aus Hünibach besucht die Tertia am hiesigen Gymnasium. «Wir tragen heute ein weltweites Anliegen nach Thun», sagte Dolder zur Menge.

Eine weitere Rednerin sprach über den Ursprung der Bewegung, die letztes Jahr durch die Aktionen der 16-jährigen schwedischen Klimaschützerin Greta Thunberg ins Rollen kam (wir berichteten). «Wir fordern, dass die Schweizer Politikerinnen und Politiker den nationalen Klimanotstand ausrufen. Das würde bedeuten, dass sie auf die Krise reagieren müssten», erklärte die Rednerin. Als weiteres Ziel wurden netto null Treibhausgasemissionen im Inland bis 2030 genannt.

Mehr Velo, weniger Flugzeug

Nach dieser Einführung machten sich die Versammelten auf den Weg in Richtung Gerberngasse, Bälliz, Mühlebrücke, Obere Hauptgasse und zurück auf den Rathausplatz. Auf den zahlreichen Transparenten standen Forderungen und Parolen wie «Züge statt Flüge», «Hebt eure Stimme, nicht den Meeresspiegel» oder «Es gibt keinen Planeten B».

«Macht ihr eure Hausaufgaben, dann machen wir unsere.»

Eine der Parolen auf einem Transparent eines Demonstrationsteilnehmers

Insgesamt nahmen laut Schätzungen der Veranstalter gegen 800 Personen an der bewilligten Demonstration teil – eine Zahl, die von Thuns Polizeiinspektor Peter Schütz bestätigt wurde. «Aus polizeilicher Sicht ist die Demonstration ruhig, friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen», sagte Dino Dal Farra, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, am späteren Nachmittag auf Anfrage.

Im Anschluss an den Umzug folgten vor dem Rathaus weitere, teils auch spontane Reden. Ein älterer Mann erinnerte daran, dass vor 50 Jahren bereits seine Generation an der Mittelschule vor den Grenzen des Wachstums gewarnt worden sei. «Wir müssen endlich begreifen, dass nicht nur Wohlstand, sondern auch Wohlbefinden wichtig ist», sagte er.

Eine junge Frau wiederum appellierte an alle, vermehrt mit dem Velo oder zu Fuss zu verreisen anstatt mit Auto, Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff. Und in den eigenen vier Wänden öfter das Licht zu löschen oder die Heizung runterzudrehen.

Ältere unterstützen Jugend

Nach der Veranstaltung wollte diese Zeitung wissen, wie es die Demonstranten konkret mit dem Umweltschutz halten. «Ich esse saisonal, nehme den Zug oder das Velo und bin noch nie geflogen. Das ist mein Beitrag zu einer lebenswerten Zukunft», sagte der 16-jährige Gymnasiast Gael Sanchez aus Adelboden.

Lilith Eringfeld (16) aus Steffisburg, eine der Mitorganisatorinnen und seit längerem Vegetarierin, räumte ein, dass sie sich früher weniger Gedanken gemacht habe, dann aber von Greta Thunberg inspiriert worden sei. «Ich habe meine Eltern dazu motivieren können, weniger oft mit dem Flugzeug in die Ferien zu reisen. Zudem haben wir kein Auto mehr, dafür ein GA.»

Auch mehrere Dutzend Seniorinnen und Senioren nahmen am Klimastreik teil. «Das Anliegen ist wichtig, deshalb möchte ich die Jugend darin unterstützen», sagte etwa Margrit Gilbert (72), die ebenfalls angab, Flugreisen möglichst zu vermeiden. «Klimaschutz muss auch mal wehtun. Es geht nicht ohne Verzicht.»

Der Pensionärin Katharina Hess bereitet der Klimawandel schlaflose Nächte, wie sie sagte. «Gerade wir Älteren und die ganz Jungen leiden am meisten, wenn die Temperaturen steigen.» Hess besuchte die Veranstaltung mit mehreren Kolleginnen und Kollegen der kürzlich gegründeten Organisation Klima-Grosseltern Schweiz.

Eigenverantwortung stärken

Insgesamt fanden am Freitag weltweit in 106 Ländern rund 1700 Klimastreiks statt. In der Schweiz kam es in über 20 Städten von Genf bis St. Gallen zu vergleichbaren Aktionen. In der Stadt Bern wurden mehrere Tausend Demonstranten gezählt.

Zufrieden zeigte sich nach der rund anderthalbstündigen Aktion auch Linus Dolder in Thun: «Die Stimmung war sehr gut, und es kamen deutlich mehr Menschen, als wir erwartet hatten», bilanzierte der Gymnasiast.

Besonders gefreut habe ihn, dass alle Generationen vertreten gewesen seien. «Denn wir sind nicht eine reine Schüler- und Jugendbewegung, sondern eine Klimabewegung, die allen offen steht», so Dolder. Wichtig sei gewesen, dass nebst der Kritik an Politik und Wirtschaft auch an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen appelliert worden sei.

Die nächste Klimastreik-Aktion in Thun plant die Gruppe um Linus Dolder für den Samstag, 6. April. Da am selben Tag in der Innenstadt der Ostermärit stattfindet, seien Inhalt und Form des Klimaanlasses noch offen.

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